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Liebe wie ein Donnerschlag

Ballhof Eins: Detlev Glanerts "Leyla und Medjnun". Liebe wie ein Donnerschlag

Im Ballhof Eins inszeniert Sebastian Welker eine Neufassung von Detlev Glanerts Opernerstling Leyla und Medjnun.

Hannover. Gebannt bleiben zwei Menschen stehen, rühren sich nicht mehr. Sie schauen sich in die Augen, erblicken in ihnen die ganze Welt. Liebe kann wie ein Donnerschlag sein. Im Iran gibt es dafür ein Sprichwort: „Man muss die Laila mit den Augen des Madschnun sehen.“ Was hat es damit auf sich? Leyla und Medjnun (so eine ebenfalls gängige Übertragung der persischen Namen) sind wie ein Gegenstück zu den zwei Königskindern, die nicht zueinander kommen durften, sie sind in Nordafrika, im Nahen und Mittleren Osten ein noch größerer, vielgestaltigerer Mythos als „Romeo und Julia“ es in Europa ist. „Leylas und Medjnuns Geschichte ist in jeder Version ein kleines bisschen anders, aber sie hat einen absoluten Kernbereich: Es gibt zwei Liebende – Medjnun ist verliebt in die Liebe, und Leyla ist verliebt in ihn als Mensch. Das kann nicht gut gehen, und es endet auch in allen Versionen mit einem schrecklichen Krieg und – wie auch bei ‚Romeo und Julia‘ – mit dem Tod der Liebenden“, erklärt Komponist Detlev Glanert . Eine Tragik, die jedoch nicht nur „innere“ Gründe hat – sondern auch gesellschaftliche: Leyla und Medjnun lieben sich gegen den Widerstand ihrer Familien. Leylas Eltern wünschen sich einen anderen Bräutigam für ihre Tochter; Medjnuns Vater sorgt sich, weil sein Sohn seine Gefühle zu Leyla sogar über die Gottesliebe stellt. Er ist nach Leyla verrückt – auf Arabisch eben „madschn?n“. Die Liebenden werden getrennt; doch beide halten an ihrer Liebe fest. Zumindest für Medjnun ist der Schmerz transformativ, meint Regisseur Sebastian Welker: „Der Schmerz macht Medjnun zum Dichter, wird zum Motor seiner Kunst. Seine Verse trennen ihn jedoch immer mehr von Leyla und der Welt – er geht in ‚die Wüste seines Herzens‘.“ So bleibt für den Erzähler, dargestellt vom ehemaligen Ensemblemitglied des Schauspiel Hannover Matthias Buss, nur festzustellen: „Der Dichter war mehr in seine Verse verliebt als in seine Geliebte.“ Doch das Märchen in der Fassung von Niz?mi, einem der bedeutendsten Autoren Persiens, ist in der Vertonung von Detlev Glanert kein entrücktes Künstlerdrama. Hier begegnen sich westliche Erzählelemente und solche des Nahen und Mittleren Ostens, die orientalische Laute Ud und das Niedersächsische Staatsorchester, traditionelle Musik dem Operngesang. Entstanden ist die Geschichte einer verrückten, unsterblichen Liebe – eine mitreißende Geschichte junger Menschen, deren Gefühle alles irdische Maß sprengen. Christopher Baumann Musikalische Leitung Siegmund Weinmeister Inszenierung Sebastian Welker Bühne und Kostüme Rebekka Zimlich Choreographie Grazyna Przybylska-Angermann Licht Uwe Wegner Zenne Matthias Buss, Leyla Karine Minasyan, Medjnun Edward Mout In weiteren Partien Marlene Gaßner, Anna Mengel, Ylva Stenberg; Michael Chacewicz, Uwe Gottswinter, Gihoon Kim, Jan Szurgot Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

LEYLA UND MEDJNUN

Märchen für Musik von

Detlev Glanert (2016). Uraufführung der Neufassung von „Leyla und Medjnun“ op. 16 (1987-88)

Libretto von Aras Ören und Peter Schneider nach der Persischen Erzählung von Nizmi

Premiere am 12. Mai,

19.30 Uhr, Ballhof Eins Für alle ab 13 Jahren

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