Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Schiffbruch als Chance

Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" Schiffbruch als Chance

In Marius von Mayenburgs Inszenierung von Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" spielt Vanessa Loibl, neu engagiertes Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover, die Rolle der Viola – eine Frau, die einen Mann spielt. Eine Begegnung.

Voriger Artikel
Unbändige Musizierlust
Nächster Artikel
Mit spitzer Feder und scharfem Verstand

Respektvoll und unerschrocken: Vanessa Loibl als Viola alias Cesario.

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Ich bin nicht der, der ich bin.“ In Shakespeares wohl berühmtester Komödie „Was ihr wollt“ ist das die entscheidende Erkenntnis. Was spielerisch beginnt, ein Verkleiden, das Annehmen einer fremden Identität, verkehrt sich im Laufe des Abends in eine existenzielle Verunsicherung. Fragen werden aufgeworfen, nicht nur für die Figuren, sie werden auch an die Zuschauer weitergereicht: „Was macht mich zu dem, was ich meine, zu sein?“

Das Verwirrspiel, in das sich das ganze Personal verstrickt, ist höchst vergnüglich und zugleich sehr bitter, spätestens in dem Moment, in dem den Akteuren das Spiel aus den Händen zu gleiten droht und die dunklen Beweggründe an die Oberfläche gespült werden. Dieses erfährt besonders die zarte Viola. Mit ihr beginnt das Stück, besser: mit ihrem Schiffbruch. Sie wird gerettet, und an das Ufer der Insel Illyrien gebracht. Sie glaubt sich allein in der Welt, gekappt von Herkunft und Biografie. Alles nicht belegbar. Das Unglück wird zur Chance. Viola nimmt sie wahr, um sich in das Leben ihres ertrunken geglaubten Bruders hineinzuversetzen, in die Rolle eines Mannes.

Vanessa Loibl spielt die Frau, die einen Mann spielt, Viola alias Cesario. Sie ist mit dieser Produktion neu zum Ensemble des Schauspiel Hannover gestoßen. Den Wechsel mit Identitäten, den Shakespeares Stück zum Thema hat, hat sie zu ihrem Beruf gewählt.

Ob sie diesen Joghurt probieren wollten? Und ob der Fotograf wohl dabei ein paar Bilder von ihnen machen dürfte? – so wurde ihre Familie unvermittelt in München auf der Straße angesprochen. Da war sie acht. Die Fotos gelangten zu einer Model-Agentur, es folgten Anfragen für Werbefilme für sie und ihren jüngeren Bruder. Dann mit zehn Jahren: eine Rolle in der Fernsehserie „Marienhof“. Sie spielte ein anstrengendes, zickiges Mädchen, das drohte, sich mit Spülmittel umzubringen, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Das Drehen hat ihr Spaß gebracht. Als die Serie eingestellt wurde, bewarb sie sich beim Jugendtheaterclub des Volkstheaters München und war fortan infiziert von der Bühne. Dass sie Schauspielerin würde, war ihr mit diesen ersten Erfahrungen klar geworden, die Lust, in andere Rollen zu schlüpfen, selbstverständlich. Und so hat sie keine Umwege genommen. Es wurden ihr auch keine Hindernisse in den Weg gestellt. Sie studierte in Berlin an der Universität der Künste, und noch vor dem offiziellen Abschluss ihres Studiums erhielt sie das Engagement am Schauspiel Hannover.

Viola. Die erste Rolle. Eine Herausforderung, die sie respektvoll und unerschrocken zugleich angeht. Mit einem sehr schönem Ernst kommt sie zu den Proben. Sie ist fast immer die erste. Während andere Spieler sich noch rasch einen Kaffee einschenken, letzte Ereignisse des Vortags austauschen, hält sie die Konzentration beisammen. Alle Flimmerhärchen sind aufgestellt, um bereit zu sein für das, was sich an Energien im Probenprozess ergibt. Dieses Öffnen aller Sinne ist ihre Vorbereitung. Und das, was sie auszeichnet – schon jetzt –, ist eine ungeheure Präsenz.

Was ihr wollt

von William Shakespeare

Preview

30. September, 20 Uhr,

Eintritt 15 Euro

Premiere

2. Oktober, 20 Uhr,

Schauspielhaus

anschl. Premierenfeier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Spielzeit
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.