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„Wir sind global attraktiv“

Musikhochschul-Präsidentin Susanne Rode-Breymann im Interview „Wir sind global attraktiv“

Susanne Rode-Breymann will in ihrer zweiten Amtszeit als Chefin der Musikhochschule mehr Platz für ihre Studenten erkämpfen.

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Susanne Rode-Breymann.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Frau Rode-Breymann, Ihre Vorgänger haben sich beide nicht einmal eine ganze Amtszeit in ihrem Job gehalten. Sie sind jetzt für weitere acht Jahre als Präsidentin bestätigt worden. Was haben Sie, was die beiden anderen nicht hatten?
Ich habe einen engen persönlichen Bezug zu dieser hannoverschen Musikhochschule. Ich hätte ja 2004 auch in Köln bleiben oder an die Universität der Künste in Berlin gehen können. Aber ich wollte nach Hannover, einfach weil die HMTMH für mich eine Spitzenhochschule ist: breit, vielfältig, exzellent in der Spitze. Außerdem bin ich sehr zäh. Das hilft in meinem Amt, große Stürme zu überstehen.

Was war in Hannover der bisher heftigste Sturm?
Einer war sicher meine Wiederwahl ...

Warum?
Das hatte möglicherweise auch mit den kurzen Amtsperioden meiner Vorgänger zu tun. Man hatte sich offenbar schon daran gewöhnt, dass nach kurzer Zeit wieder jemand Neues kommt. Wer bei einem Präsidenten mit seinem Bereich nicht so gut weg kam, konnte darauf hoffen, dass sich das schnell wieder ändert. Weil ich schon früh, schon im Frühjahr 2014 nämlich, darum gebeten hatte, dass die Hochschule entscheidet, ob sie die Stelle ausschreibt oder mich für eine weitere Amtszeit bestätigt, musste man sich plötzlich für eine ungewohnt lange Zeit festlegen. Ich werde meine zweite Amtszeit im April 2016 beginnen und bin dann weitere acht Jahre im Amt.

Haben Sie diese Auseinandersetzung persönlich genommen?
Es gibt derzeit viele Beispiele in Deutschland, die zeigen, wie schwierig es ist, in Zeiten knapper Kassen an einer Musikhochschule wiedergewählt zu werden. Musiker sind zudem kreative und komplizierte Menschen. Es ist legitim, wenn sie in einem Diskussionsvorgang ausloten, wohin die Reise für die nächsten acht Jahre geht.

Und der zweite Sturm?
Das war die Festlegung der Zielvereinbarungen mit dem Ministerium im Herbst 2014 ...

Wo lag das Problem?
Eine Schwierigkeit lag darin, dass die Raumproblematik nicht mehr in die Vereinbarungen aufgenommen worden war.

Was heißt das?
Die Musikhochschule wurde vor 41 Jahren gebaut, sie ist ausgelegt auf rund 700 Studenten. Heute bilden wir hier 1500 Studenten aus. Wir handhaben das Platzproblem, indem wir in ganz Hannover Räume anmieten, von der Kommunikationswissenschaft auf dem Expo-Gelände bis zur Popmusik am Weidendamm. Das erschwert die Zusammenarbeit natürlich - und irgendwann muss das Land auf diesen Missstand auch reagieren ...

Heißt das, Sie fordern einen Neubau für die Musikhochschule?
Ich bin realistisch genug zu wissen, dass in Hannover bei den heutigen Sparzwängen nicht sofort ein Neubau entstehen kann. Aber auf Dauer muss ich verlangen können, dass man für die Hochschule auch einen ihrem Rang entsprechenden Ort findet. Es steht außer Zweifel, dass es sich bei der Musikhochschule um einen kulturellen Leuchtturm handelt. Jeder schmückt sich mit ihr. Dass das räumliche Konsequenzen hat, ist ein zentrales Anliegen meiner zweiten Amtszeit. Die Raumproblematik steht jetzt jedenfalls wieder in den Zielvereinbarungen drin.

Die Demografen prognostizieren aber, dass wegen des Geburtenrückgangs auf Dauer überall die Studentenzahlen sinken ...
Das gilt für uns nicht. Dazu sind wir viel zu international aufgestellt. Zu uns kommen Leute von überallher aufgrund unserer Qualität. Gerade hatten wir Aufnahmeprüfungen. Über 2000 junge Menschen haben sich beworben, gut 300 bekamen einen Platz. Das wird so bleiben.

Ein Vorwurf an die Musikhochschule ist auch, dass sie im künstlerischen Bereich zu viel ausbildet. Dabei wird es immer schwieriger, einen der raren Plätze im Orchester zu ergattern. Ein Vertrag mit einem Klassiklabel ist fast unmöglich.
Auch dieses Vorurteil trifft uns nur bedingt. Das können wir mit Zahlen belegen. Alle Professoren, die seit 2003 hier eingestellt wurden, müssen nachweisen, wo ihre Studenten landen. Da kann man sehen: Viele unserer Studenten gehen ins Orchester, viele Professoren sind aus der Hochschule hervorgegangen. Zum Beispiel die Tuba, die im Vergleich zu anderen Instrumenten selten nachgefragt ist. Selbst von dort gingen in den vergangenen zehn Jahren 26 Studenten ins Orchester, drei als Professoren, sechs als Dozenten an Hochschulen.

Dringend gesucht werden aber Musiklehrer für allgemeinbildende Schulen. Trotzdem ist der Bereich Schulmusik in Hannover nicht so stark ausgeprägt ...
Wir hatten da eine Delle, das stimmt. 33 Studienanfänger waren es im Wintersemester 2009/2010, im Wintersemester 2014/15 immerhin schon 48. Dass wir hier nicht so viele Absolventen haben, liegt auch daran, dass die Schulmusiker sich zwar im Bachelorstudium fast ganz auf die Musik konzentrieren können. Beim Master ist aber fast ausschließlich das zweite Fach dran. Viele wandern deshalb nach dem Bachelor in andere Bundesländer ab oder studieren gleich dort.

Dass es nach dem Studium für Musiker nicht immer leicht ist, zeigen die Lehrbeauftragten an Ihrem Haus. Erst Ende des Jahres haben sie wegen der dauerhaften Befristungen ihrer Verträge demonstriert.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern haben wir noch eher wenig Lehrbeauftragte. Bei uns sind es 30 Prozent, in anderen Musikhochschulen liegt die Zahl bei bis zu 70 Prozent. Wir wollen die Situation der Lehrbeauftragten verbessern und legen jetzt ein kleines Programm auf, schaffen Stellen für sogenannte Lehrkräfte für besondere Aufgaben. Das sind keine Professuren, aber die Menschen haben einen unbefristeten Vertrag. Das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber immerhin ein Tropfen.

Noch einmal zurück zum Ort der Musik. Wenn ein Neubau für Sie zumindest zunächst kein realistisches Ziel ist, was könnte eine Alternative sein?
Es wäre auch eine Konzentrierung aller Institute rund um den Emmichplatz denkbar, eine Kulturachse von der Musikhochschule über die Königstraße, die ja vom Emmichplatz abgeht, in die Stadt hinein. Es wäre auch ein Erweiterungsbau möglich. Gestern kam ein Student von der Leibnizuniversität bei mir vorbei, der im Rahmen seines Architekturstudiums ein Modell für einen Erweiterungsbau entwickeln will. Kultur ist immer an Orte gebunden. Es ließe sich viel aus der Situation am Emmichplatz machen.

Zur Person

Susanne Rode-Breymann (57) ist seit 2010 Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Sie studierte in Hamburg Alte Musik, Musikerziehung, Musik- und Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. Nach Habilitation und Lehrauftrag in Hannover übernahm sie 1999 den Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule Köln. 2004 kehrte sie als Professorin nach Hannover zurück, wo sie 2006 das Forschungszentrum Musik und Gender gründete, das sie seither leitet. Von 2006 bis 2008 war sie Vizepräsidentin der HMTMH. Nachdem die Musikhochschule sie wiedergewählt hatte, wurde sie jetzt vom Kulturministerium als Präsidentin für eine weitere Amtszeit ernannt.

Interview: Jutta Rinas

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