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Schauspiel Hannover, Cumberland: Premiere "Home.Run" Nach Hause telefonieren …

Ulrike Willberg inszeniert Hartmut El Kurdis „grenzverletzende Familiensaga“ Home.Run als Mischung aus selbstironischem Theater-Monolog und skurrilem Dia-Abend.

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Ganz schön gruselig

Hartmut El Kurdi vor dem Foto einer jordanischen Militärfußballauswahl,
die von seinem Vater (2. Reihe, ganz rechts) trainiert wurde.

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Wenn man in Deutschland lebt und Hartmut El Kurdi heißt, scheint für viele Leute alles klar zu sein: Deutsches Mädel erliegt dem Charme eines zur Fabrikarbeit – oder in der Upper-Class-Edel-Variante: zum Medizinstudium mit anschließender Facharztausbildung Gynäkologie – eingereisten Südländers. Es kommt zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Folgen für das Hybridkind: lebenslanger Migrationshintergrund.

In „Home.Run“ sagt El Kurdi dazu: „Nicht, dass Sie mich falsch verstehen – wenn meine Biografie so wäre, hätte ich nichts dagegen. Ich finde, das sind durchaus ehrenvolle Entstehungsumstände. Einige meiner besten Freunde sind Gastarbeiterkinder – oder Kinder von kassenzugelassenen Gynäkologen. Aber es hat nicht sollen sein, bei mir war es halt anders. Ich habe inzwischen den Verdacht, dass es immer anders ist, als die Leute denken. Selbst die vermeintlich typischen Gastarbeiter-Biografien haben alle ihre Eigen- und Besonderheiten, die nur zu oft unter den Tisch fallen und niemanden interessieren. Zum Beispiel sind viele vermeintliche Türken Kurden oder Tscherkessen oder Armenier oder ethnische Araber – viele vermeintliche Moslems sind Aleviten oder Jesiden, manche auch Christen, manche Arbeitsmigranten sind Flüchtlinge, manche Flüchtlinge Studentinnen, manche Industriearbeiter Abiturienten. Nicht, dass irgendetwas davon besser wäre als das andere. Aber eben anders.“

In El Kurdis Fall ist die Besonderheit, dass sein Migrationshintergrund daher rührt, dass einer seiner Elternteile – der Not gehorchend – sein kaputtes, durch einen Krieg zerstörtes Land und damit ein aktuell wie potenziell trauriges Leben verließ, um woanders sein Glück zu suchen. Als astreiner Wirtschaftsflüchtling. Dieser Elternteil war seine deutsche Mutter.

Das Land, aus dem sie emigrierte, lag in Schutt und Asche, weil es kurz vorher, im Zweiten Weltkrieg, die halbe Welt ins Unglück gestürzt hatte. El Kurdi beschreibt, wie seine Mutter aus den fast noch rauchenden Ruinen Nazi-Deutschlands ins Land des ehemaligen Kriegsgegners England emigriert – und dort freundlich aufgenommen wird. Eben noch hat sie als BDM-Mädel und in der Schule gelernt, Menschen nach ihrer Nasenform zu beurteilen und nach ihren Schädelmaßen rassisch einzuordnen und entsprechend abzuqualifizieren – im nächsten Moment trifft sie in England einen Jordanier, heiratet ihn, geht mit ihm in sein Heimatland und findet sich dort überraschenderweise nicht nur unter Arabern wieder: Die El Kurdis sind eine Familie, die selbst schon eine längere Geschichte von Auswanderung und Flucht hat. Sie trifft auf Kurden aus dem Irak und Syrien, auf Tscherkessen, die aus dem Kaukasus in die Türkei und den Libanon geflohen sind. Und auf Menschen, die im Aufbruch sind – nach England, Deutschland, in die USA ...

Dazu El Kurdi: „Immer öfter habe ich die Vermutung, dass der El-Kurdi-Clan Teil eines groß angelegten aufklärerischen Gen-Experiments ist. Ziel dieses Experiments scheint es zu sein, das in den letzten Jahren gern zitierte ,gesunde‘ Nationalgefühl durch gezielte Völkervermischung innerhalb einer Familie wegzumendeln. Dahinter steckt vermutlich eine kosmopolitische, internationalistische Geheimorganisation. Irgendwelche muslimisch-jüdischen, anglo-amerikanischen kapitalistischen Kommunisten-Globalisierer – die üblichen Verdächtigen eben.“

In der Regie von Ulrike Willberg und zur Livemusik von Maria Rothfuchs erzählt Hartmut El Kurdi selbst auf der Bühne des neuen Cumberland von Menschen, die ihre Heimat verlassen: freiwillig, gezwungenermaßen oder zufällig. Von Reisenden, die ankommen, ein neues Zuhausefinden oder fremd bleiben. Vom ganz normalen Völkerwandertag eben. In einer Mischung aus selbstironischem Theater-Monolog und skurrilem Dia-Abend geht es um verschwimmende Grenzen, Doppelpässe, babylonisches Sprachengewirr. Und um Fragen wie: Wer darf wann wo sein? Wer bestimmt das? Und warum ist das alles vielleicht nur eine Frage des richtigen oder falschen Timings?

„Home.Run“ ist eine Koproduktion des Schauspiel Hannover mit dem freien hannoverschen Theater Agentur für Weltverbesserungspläne.

Wenn man in Deutschland lebt und Hartmut El Kurdi heißt, scheint für viele Leute alles klar zu sein: Deutsches Mädel erliegt dem Charme eines zur Fabrikarbeit – oder in der Upper-Class-Edel-Variante: zum Medizinstudium mit anschließender Facharztausbildung Gynäkologie – eingereisten Südländers. Es kommt zum ungeschützten Geschlechtsverkehr. Folgen für das Hybridkind: lebenslanger Migrationshintergrund.

In „Home.Run“ sagt El Kurdi dazu: „Nicht, dass Sie mich falsch verstehen – wenn meine Biografie so wäre, hätte ich nichts dagegen. Ich finde, das sind durchaus ehrenvolle Entstehungsumstände. Einige meiner besten Freunde sind Gastarbeiterkinder – oder Kinder von kassenzugelassenen Gynäkologen. Aber es hat nicht sollen sein, bei mir war es halt anders. Ich habe inzwischen den Verdacht, dass es immer anders ist, als die Leute denken. Selbst die vermeintlich typischen Gastarbeiter-Biografien haben alle ihre Eigen- und Besonderheiten, die nur zu oft unter den Tisch fallen und niemanden interessieren. Zum Beispiel sind viele vermeintliche Türken Kurden oder Tscherkessen oder Armenier oder ethnische Araber – viele vermeintliche Moslems sind Aleviten oder Jesiden, manche auch Christen, manche Arbeitsmigranten sind Flüchtlinge, manche Flüchtlinge Studentinnen, manche Industriearbeiter Abiturienten. Nicht, dass irgendetwas davon besser wäre als das andere. Aber eben anders.“

In El Kurdis Fall ist die Besonderheit, dass sein Migrationshintergrund daher rührt, dass einer seiner Elternteile – der Not gehorchend – sein kaputtes, durch einen Krieg zerstörtes Land und damit ein aktuell wie potenziell trauriges Leben verließ, um woanders sein Glück zu suchen. Als astreiner Wirtschaftsflüchtling. Dieser Elternteil war seine deutsche Mutter.

Das Land, aus dem sie emigrierte, lag in Schutt und Asche, weil es kurz vorher, im Zweiten Weltkrieg, die halbe Welt ins Unglück gestürzt hatte. El Kurdi beschreibt, wie seine Mutter aus den fast noch rauchenden Ruinen Nazi-Deutschlands ins Land des ehemaligen Kriegsgegners England emigriert – und dort freundlich aufgenommen wird. Eben noch hat sie als BDM-Mädel und in der Schule gelernt, Menschen nach ihrer Nasenform zu beurteilen und nach ihren Schädelmaßen rassisch einzuordnen und entsprechend abzuqualifizieren – im nächsten Moment trifft sie in England einen Jordanier, heiratet ihn, geht mit ihm in sein Heimatland und findet sich dort überraschenderweise nicht nur unter Arabern wieder: Die El Kurdis sind eine Familie, die selbst schon eine längere Geschichte von Auswanderung und Flucht hat. Sie trifft auf Kurden aus dem Irak und Syrien, auf Tscherkessen, die aus dem Kaukasus in die Türkei und den Libanon geflohen sind. Und auf Menschen, die im Aufbruch sind – nach England, Deutschland, in die USA ...

Dazu El Kurdi: „Immer öfter habe ich die Vermutung, dass der El-Kurdi-Clan Teil eines groß angelegten aufklärerischen Gen-Experiments ist. Ziel dieses Experiments scheint es zu sein, das in den letzten Jahren gern zitierte ,gesunde‘ Nationalgefühl durch gezielte Völkervermischung innerhalb einer Familie wegzumendeln. Dahinter steckt vermutlich eine kosmopolitische, internationalistische Geheimorganisation. Irgendwelche muslimisch-jüdischen, anglo-amerikanischen kapitalistischen Kommunisten-Globalisierer – die üblichen Verdächtigen eben.“

In der Regie von Ulrike Willberg und zur Livemusik von Maria Rothfuchs erzählt Hartmut El Kurdi selbst auf der Bühne des neuen Cumberland von Menschen, die ihre Heimat verlassen: freiwillig, gezwungenermaßen oder zufällig. Von Reisenden, die ankommen, ein neues Zuhausefinden oder fremd bleiben. Vom ganz normalen Völkerwandertag eben. In einer Mischung aus selbstironischem Theater-Monolog und skurrilem Dia-Abend geht es um verschwimmende Grenzen, Doppelpässe, babylonisches Sprachengewirr. Und um Fragen wie: Wer darf wann wo sein? Wer bestimmt das? Und warum ist das alles vielleicht nur eine Frage des richtigen oder falschen Timings?

„Home.Run“ ist eine Koproduktion des Schauspiel Hannover mit dem freien hannoverschen Theater Agentur für Weltverbesserungspläne.

Home.Run

Eine grenzverletzende Familiensaga von und mit Hartmut El Kurdi

Premiere:

Preview: 26. Oktober, 19 Uhr 28. Oktober, 20 Uhr

Cumberland

anschl. Premierenfeier

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