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Spielzeit Schauspiel inszeniert „Die Brüder Karamasow“
Nachrichten Kultur Spielzeit Schauspiel inszeniert „Die Brüder Karamasow“
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16:37 24.03.2016
Die Summe seines Schaffens: Das Ensemble von Dostojewskijs „Die Brüder Karamasow“ in Hannover. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Wenn der Regisseur Martin Laberenz für das Schauspiel Hannover Fjodor Dostojewskijs „Die Brüder Karamasow“ inszeniert, dann ist das bereits seine fünfte Auseinandersetzung mit dem Werk des großen russischen Romanciers. Laberenz, der 1982 in Finnland geboren wurde, trat nach Regieassistenzen in Bochum und Hamburg 2008 eine Stelle als Hausregisseur am Centraltheater in Leipzig an. Hier, in der kleinen Spielstätte Skala, gelangten Dostojewskijs „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ sowie „Verbrechen und Strafe“ zur Aufführung. Es folgten „Der Spieler“ in Düsseldorf und „Der Idiot“ in Stuttgart.

Dazwischen lagen andere Arbeiten, aber immer wieder kehrte der Regisseur zu Dostojewskij zurück. So erscheint es fast zwingend, dass Laberenz sich jetzt bei seiner ersten Arbeit für das Schauspiel Hannover erneut dem ihm vertrauten Autor zuwendet. Mit „Die Brüder Karamasow“, dem letzten Roman Dostojewskijs, der 1880 nur wenige Monate vor seinem Tod im Januar 1881 veröffentlicht wurde, liegt gleichsam die Summe seines Schaffens vor.

Ähnlich wie in „Verbrechen und Strafe“ setzt sich Dostojew­skij hier vordergründig mit einem Kriminalfall auseinander: Der alte Fjodor Pawlowitsch Karamasow wurde ermordet. Während es in „Verbrechen und Strafe“ mit Raskolnikow nur einen Mörder gibt, so sind es in „Die Brüder Karamasow“ gleich vier. All die Gewissensfragen, die sich bei Raskolnikow in einer Person regen, scheinen hier auf vier Personen aufgeteilt zu sein. Warum vier? Sind es nicht drei Brüder, die unter dem skandalösen Lotterleben ihres Vaters, des alten Fjodor Pawlowitsch, leiden?

In der Tat sind es die Brüder Dmitrij, Iwan und Alexej, die sich erst als Erwachsene in ihrer Heimatstadt wieder begegnen. Ihr Vater ist ein stadtbekannter Lüstling. Die Mutter von Dmitrij und jene von Iwan und Alexej sind lange schon gestorben. Bei Einsetzen der Handlung befinden sich Fjodor Pawlowitsch und Dmitrij in einem heftigen Streit um das väterliche Erbe - und die Gunst der schönen und klugen Gruschenka. Dmitrij, ein ehemaliger Offizier, ist ein Hitzkopf, sein Bruder Iwan ein Intellektueller, der sich nihilistischen Gedanken hingibt, die in der unerhörten Ansicht gipfeln: „Gibt es keine Unsterblichkeit der Seele, so gibt es auch keine Tugend, also ist alles erlaubt.“

Wenn aber alles erlaubt ist, wird dann nicht sogar Mord legitimiert? Dieser Auffassung kann sich der jüngste Bruder Alexej, der als Mönch in einem nahegelegenen Kloster lebt, naturgemäß nicht anschließen. Dafür der Täter umso mehr … Aber wer von den Dreien ist jetzt der Täter? Dmitrij wird nach dem Mord verhaftet und in einer Gerichtsverhandlung schließlich auch verurteilt. Viele Indizien sprechen gegen ihn. Der eigentliche Täter aber ist der Lakai Smerdjakow, ein - so wird gemutmaßt - unehelicher Sohn Fjodor Pawlowitschs, ein Bastard, der Iwans Gedanken als Anstiftung zum Mord deutet. Aber ist der Täter auch der Schuldige? Nach und nach begreifen sich alle Brüder als Mörder ihres Vaters, auch wenn sie selbst nicht die Täter sind. Dostojewskij gelingt es in „Die Brüder Karamasow“ ein letztes Mal, seine zentralen Motive Schuld und moralische Verantwortung grandios in Szene zu setzen.

Von Johannes Kirsten

Die Brüder Karamasow

Die Brüder Karamasow von Fjodor Dostojewskij: Preview am 14. April, um 18 Uhr. Premiere am 16. April, um 19 Uhr im Schauspielhaus, anschl. Premierenfeier.

Mit: Lisa Natalie Arnold, Susana Fernandes Genebra, Katja Gaudard, Vanessa Loibl, Jakob Benkhofer, Sebastian Grünewald, Günther Harder, Henning Hartmann, Andreas Schlager, Jonas Steglich.

Weitere Informationen unter: schauspielhannover.de

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