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Ein lebendiges Zeitgemälde

Schauspielhaus: Wolf unter Wölfen von Hans Fallada Ein lebendiges Zeitgemälde

Was passiert eigentlich nach der Premiere mit einer neuen Theaterproduktion? Eine Nachforschung am Beispiel von Hans Falladas Wolf unter Wölfen im Schauspielhaus.

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Szene mit Wolf List, Carolin Haupt, Johanna Bantzer und Rainer Frank (von links)

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Wenn ein Theaterstück Premiere hat, ist das jedesmal ein besonderer Moment: Wochenlang haben ihm alle entgegengefiebert - der Regisseur, die Schauspieler, das Publikum. Hinter den Kulissen wünscht man sich „toi, toi, toi“, umarmt einander, „spuckt“ über die Schulter. Hinterher der Applaus, Juchzer, Trampeln, Rhythmusklatschen. Bei der Premierenfeier fällt der Druck ab, löst sich die kollektive Anspannung. Danach, könnte man denken, kehrt der Alltag zurück. Repertoire-Routine. Ist das wirklich so?

Nein, sagt der Dramaturg Johannes Kirsten vom Schauspiel Hannover: „Für uns als Theaterleute ist die Premiere kein Endpunkt.“ Ein Theaterabend sei vielmehr ein lebendiges Gebilde, ein Organismus, der sich beim Spielen immer weiter entwickelt. Jede Vorstellung ist anders. Die Tagesform der Schauspieler, die Zusammensetzung des Publikums, selbst die Raumtemperatur und der Sitzkomfort - all das beeinflusst die spezifische Qualität eines Abends.

Wie auch das Leben selbst, das sich unbekümmert einmischt. Sarah Franke zum Beispiel ist schwanger. Noch steht sie in „Wolf unter Wölfen“ als Frau Thumann und Eva von Prackwitz auf der Bühne. Doch schon bald wird die Kollegin Susana Fernandes Genebra ihre Doppelrolle in der Fallada-Inszenierung von Sascha Hawemann übernehmen. Man darf gespannt sein, wie sie die Figuren anlegen wird.

Unterdessen hat Regisseur Hawemann aufmerksam verfolgt, wie die Premiere bei Zuschauern und Kritikern ankam. In einem offenen Brief, einem flammenden „Plädoyer für die Liebe zum Theater und zur Schauspielkunst“, wirbt er für mehr Mut zur Ausdauer: „Keine der bisherigen Fallada-Bearbeitungen waren kürzer als vier bis fünf Stunden, das ist vor allem dem Respekt gegenüber dem literarischen Werk Falladas und seiner handwerklichen Präzision geschuldet. Was hätte man in 90 Minuten erzählen können? Einen langen Atem braucht man dann doch. Beim Proben und beim Zuschauen.“

Zuspruch bekommt er aus den Reihen des Publikums. Dass „von allem ein bisschen zu viel und von Wichtigem zu wenig“ sei, wie in einer Kritik zu lesen war, kann etwa Klaus Fehre aus Hannover nicht nachvollziehen. Er hat in Hawemanns Inszenierung „eine Art Zeitgemälde“ erkannt, „eine lockere Folge von Szenen, die nicht durch eine stringente Handlung zusammengehalten werden, sondern wie ein Bilderbuch wirken“. Dem neunköpfigen Ensemble spendet er in einem Brief an Intendant Lars-Ole Walburg großes Lob: „Wenn diese Szenen aus dem alltäglichen Leben schauspielerisch durchweg exzellent anschaulich gemacht werden, so entsteht ein dauernd lebendiger Genuss an den künstlerischen Leistungen - gerade unter der Bedingung einer sich nicht steigernden Handlung. Wie irgendein Gerenne oder auch nur eine gute Stimmung in bühnengerechte Bewegung umgesetzt wurde. Absolut überzeugend.“

Während der Proben hatte Sascha Hawemann immer wieder die Worte seines alten Regieprofessors im Ohr: „Deine Bilder müssen vielschichtig sein, der Zuschauer Lust bekommen, ein zweites Mal zu kommen; deine Schauspieler sollen wahrhaftig und lustvoll im Spiel sein, allen Bildern und Ideen Leben schenken; der Text muss sein notwendiges Sein durch politische und literarische Relevanz zur Gegenwart, deiner Wirklichkeit, bestätigen.“ Er hat sein Bestes gegeben, um diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.

Nächste Vorstellungen: 26. Februar und 3. März, jeweils 19-22.30 Uhr; 13. März, 17-20.30 Uhr Ab 24. März zeigt das Theatermuseum „Hans Fallada. Familienbilder“.

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