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Der Fluch der Liebe

Staatsoper Hannover: Rusalka von Antonín Dvorák Der Fluch der Liebe

Die Staatsoper Hannover eröffnet die neue Saison mit Antonín Dvoráks Rusalka in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf. Eine Annäherung an das Wesen der Wasserfrauen.

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Sara Eterno ist Rusalka.

Quelle: thomas m. jauk

Hannover. Seit einiger Zeit erfreut sich das „Mermaiding“ in Hannover bei jungen Frauen großer Beliebtheit, dabei geht es um die Ausbildung zur Meerjungfrau. Man zwängt Beine und Hüften in einen schillernden Sack, der in einer Flosse endet, und schon durchpflügt man bei einigem Talent auf grazile Art das Wasser, als ob man ein Fischlein wäre. Die wachsende Popularität dieses Sports ist nicht überraschend, denn das Bild dieser verführerischen, aber seelenlosen Fischfrauen, dieser Undinen, Melusinen, Nixen, Nymphen und Sirenen, fasziniert die Menschen – Männer wie Frauen – seit vielen Jahrhunderten und gehört zu den beliebten Motiven der Mythen und Märchen. Ob das Dasein als Meerjungfrau allerdings so erstrebenswert ist, erscheint mehr als zweifelhaft, wenn man die Mythologie dieser Spezies etwas genauer betrachtet. Denn überwiegend handelt es sich um junge Frauen, die eine finstere Vergangenheit haben, seien es Entführungs-, Vergewaltigungs-, Mordopfer oder Selbstmörderinnen, die das Ende ihrer Qualen in den Fluten gesucht haben. Auf ihnen lastet ein Fluch, der sie an ihr Element,das Wasser, fesselt und sie zu todbringendem Wirken verurteilt, wobei – der Gerechtigkeit halber – vor allem Männer zu ihren Opfern zählen, die ihren weiblichen Reizen erliegen. Dabei ersehnt ein solches Wesen nichts mehr als die Erlösung aus seinem Zwischenreich zwischen Leben und Tod – eine Erlösung, die ihm menschliche Liebe bringen könnte. Doch in der Regel wird daraus leider nichts. So geht es auch der Titelfigur in Dvo?áks bekanntester Oper, mit der die Staatsoper die neue Saison eröffnet. Der Name „Rusalka“ ist dabei kein Eigenname, sondern die Gattungsbezeichnung für die slawische Varietät der Wasserfrau. Eine solche nämlich hat sich in einen schmucken Prinzen verliebt, der Tag für Tag zum Baden in einen See steigt, in dem unsere Rusalka zusammen mit einigen ihrer Artgenossinnen beheimatet ist. Da sie für ihn unsichtbar ist, umspielt sie seinen Körper als anschmiegsame Welle, und der Prinz hat keine Ahnung von der Ursache seines wohligen Gefühls. Damit diese seltsame Beziehung aber nicht zu einseitig bleibt, begehrt Rusalka einen menschlichen Körper und eine Seele, um ihrem Angebeteten leibhaftig als vollwertige Frau gegenübertreten zu können. Zwar ist die kosmetische Operation relativ leicht zu bewerkstelligen. Doch der Preis dafür ist der Verlust von Rusalkas Stimme in der Menschenwelt. So kann sie sich ihrem Prinzen zwar zeigen, der denn auch sogleich von ihrer Schönheit angetan ist, aber nicht mit ihm sprechen. Und das irritiert ihn zunehmend, sodass sich sein Interesse allmählich von der kühlen Schönen auf ein feuriges Weib verschiebt, das seiner romantischen Schwärmerei ein vorzeitiges Ende bereitet, ihn dann aber aus reiner Bosheit sitzen lässt. So ist der Ausgang dieser Liebesgeschichte denn auch von beträchtlicher Melancholie gezeichnet: Rusalka, die die unerschütterliche Treue des Prinzen für ihr neues Leben gebraucht hätte, ist heimatlos geworden. Weder darf sie bei den Menschen bleiben – und das will sie nach dem Vorgefallenen auch gar nicht –, noch darf sie in ihr Wasserreich zurück. Als Irrlicht bringt sie fürderhin Tod und Verderben, so auch dem schließlich reumütigen Prinzen, der durch ihren tödlichen Kuss sein Leben aushaucht. Man kennt die Geschichte so oder ähnlich aus verschiedenen Quellen, allen voran Hans Christian Andersens Märchen von der „Kleinen Seejungfrau“, das eine der Grundlagen von Jaroslav Kvapils Libretto für Dvo?áks Oper war. Daneben griff er auch noch Motive aus Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“, Gerhart Hauptmanns „Versunkener Glocke“ und aus Karel Jaromír Erbens Märchen und Balladen auf. Dass die Autoren ihrer Oper den Untertitel „Lyrisches Märchen“ gegeben haben, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Märchenallegorie lediglich das Vehikel für ein symbolisches Geschehen ist, in dem die Sprachlosigkeit Rusalkas in der Welt des Prinzen die Metapher für die unüberbrückbare Kluft zwischen Gesellschaft und Natur, zwischen dem Wort und dem namenlosen Gefühl ist. Mit „Rusalka“ hat Dvo?ák 35 Jahre nach Smetanas „Verkaufter Braut“ maßgeblich zur Etablierung einer tschechischen Nationaloper beigetragen. „Rusalka“ wurde zu seinem größten Erfolg auf der Opernbühne, was angesichts der berückenden Schönheit der Musik, in der sich die Schönheit der Titelfigur spiegelt, auch heute nachvollziehbar ist. Natürlich hatte bei aller Originalität des Werkes auch Dvo?ák seine Vorbilder, nicht zuletzt Richard Wagner, der zuweilen durch die Notenlinien linst, sich aber vor dem musikantischen Feuer des Tschechen immer wieder höflich zurückzieht. Mit Dietrich W. Hilsdorf inszeniert einer der bedeutendsten Regisseure erstmals an der Staatsoper. Hilsdorf hat mit seinen zahlreichen Arbeiten in Schauspiel, Oper und Musical seit vielen Jahren Maßstäbe gesetzt.?Klaus Angermann Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier, Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer, Licht: Elana Siberski, Choreinstudierung: Dan Ratiu, Dramaturgie: Klaus Angermann Rusalka: Sara Eterno, Prinz: Andrea Shin, Fremde Fürstin: Brigitte Hahn, Wassermann: Tobias Schabel, Hexe: Khatuna Mikaberidze, Heger: Stefan Adam, Küchenjunge: Mareike Morr, Drei Elfen: Athanasia Zöhrer, Hanna Larissa Naujoks, Julie-Marie Sundal, Jäger: Byung Kweon Jun/Matthias Winckhler Chor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

RUSALKA Oper in drei Akten von Antonín Dvorák (1901) Libretto von Jaroslav Kvapil in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln Einführungsmatinee Sonntag, 20. September,

11 Uhr, Laves-Foyer Premiere Sonnabend, 26. September, 19.30 Uhr

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