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Stationendrama aus der Pappbox

Theater an der Glocksee Stationendrama aus der Pappbox

Das Ensemble am Theater an der Glocksee erzählt in einem theatralen Experiment die Geschichte „Vom Verschwinden der Li...“ nach Motiven von Ödön von Horváth – und unter anderem mit eigenen Texten.

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Wenn Glaube, Liebe, Hoffnung auf der Strecke bleiben: „Vom Verschwinden der Li...“ als Teamwork.

Quelle: Danilo Kurtz

Hannover. „Es wird eine neue Geschichte geben - eine Geschichte der Gefühle.“ Die Theatermacher Bettina Drexler und Dietrich Oberstädt aus Berlin arbeiten gemeinsam mit acht weiteren Kollegen an einem performativen Schauspiel auf der Folie von Ödön von Horváths düsterem Drama „Glaube Liebe Hoffnung“ - zum Team gehören auch Helga Lauenstein vom Leitungstrio am Theater an der Glocksee und der Schauspieler Matthias Buss, der in Hannover auf vielen Bühnen spielt und im April im Gastspiel „Murmel Murmel“ von der Berliner Volksbühne im Schauspielhaus an der Prinzenstraße zu sehen ist.

„Wir spielen erstmals in dieser Zusammensetzung, aber alle, die mitmachen, sind auf irgendeine Weise miteinander vernetzt. Nur auf diesem Nährboden konnte sich die künstlerische Idee überhaupt entwickeln“, betont Bettina Drexler, die bereits als Regisseurin am Glocksee-Theater aktiv war. „Wir haben diesmal keine klassische Aufgabenteilung, wir wollen andere Formen der Zusammenarbeit ausprobieren, es ist ein Ensemble-Projekt“.

Inspirieren ließ sich das Ensemble von den Erlebnissen in „Bertas Beschwerdebox“; das Häuschen aus Pappe stand im vergangenen Jahr Anfang Mai auf der Lister Meile, als Modul des experimentellen „Wildwechsel“-Programms im öffentlichen Raum, die Passanten wurden so Teil der Inszenierung. Im Dialog mit zwei Schauspielerinnen luden viele Menschen im Pappkarton ihre Geschichten ab, die Beschwerdebox wurde zum Kummerkasten. Die Theaterleute haben einige Begegnungen protokolliert.

„Das Schicksal einer jungen Frau mit Kind, die als Prostituierte arbeitet, um die kleine Teilfamilie durchzubringen, hat uns besonders berührt. Wir haben sofort an die traurigen Horváth-Heldinnen gedacht, vor allem an die Elisabeth in ‚Glaube, Liebe, Hoffnung‘. Das Stück dient uns gewissermaßen als Rohstoff.“ Das Glocksee-Team spiegelt die aktuelle Lebensgeschichte von der Lister Meile an der literarischen Figur, einer jungen Frau ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Happy End in den frühen 1930er-Jahren. Ödön von Horváth schrieb das Drama in nur wenigen Tagen unter der Mitarbeit eines Gerichtsreporters.

„Unser Stück spielt hier und heute, wir wollen Parallelen zur Gegenwart ziehen. Es wird ein Stationendrama, bei dem jeder Schauspieler auch eigene Erfahrungen einbringen kann. Daraus entwickelt sich ein besonderer Spannungsbogen, vielleicht sogar so etwas wie ein zeitgenössischer Kreuzweg.“ Im Fokus stehen utopische und träumerische Momente - sie sollen Auswege aufzeigen, wo ansonsten nur noch Abbrüche drohen. Darauf weist auch der Titel hin, der mit einem Wortfragment ausklingt. „Vom Verschwinden der Li...“ bleibt ein theatrales Experiment, ein Textparcours aus literarischen Motiven und realen Lebenswegen.

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Von Verschwinden der Li...

Premiere ist am 6. April, 20 Uhr. Karten gibt es unter (05 11) 1 61 39 36 oder unter  theater-an-der-glocksee.de.

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