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Spielzeit „Theater ist immer der Umbruch“
Nachrichten Kultur Spielzeit „Theater ist immer der Umbruch“
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00:00 27.11.2015
Theaterutopien von und mit der Fräulein Wunder AG. Quelle: Markus Gustav Brinkmann
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Hannover

Anne Bonfert und Harald Schandry, die beiden Sprecher des Freien Theaters Hannover (FTH), und Martine Dennewald, die neue Leiterin des Festivals Theaterformen, beziehen Position.

Ist Schillers Vision vom Theater heute noch aktuell?

Martine Dennewald: Das Theater als Vermittler eines vorab definierten Wertekanons interessiert mich nicht, als Ort der Befragung unserer selbst und unserer Lebensformen ist es immer hochaktuell.

Anne Bonfert: Ich verstehe Theater als Ort des Spiels, der einen Reflexionsraum öffnet, weil alles zur Diskussion und damit auch zur Disposition gestellt werden kann - denn so ist Theater für mich interessant, wenn es etwas mit mir zu tun hat, mich bewegt und mich einlädt, mich einzulassen.

Harald Schandry: Das Theater ist längst nur noch ein Debattenort unter vielen: Es muss sich in seiner Daseinsfrage gut auf seine wirklichen Kräfte, das allmächtige So-tun-als-ob und das heilige Jetzt, besinnen.

Welche Rolle spielt die Publikumsbeteiligung bei den Inszenierungen, entwickelt sich hier eine neue Theaterästhetik?

Harald Schandry: Sowohl in der Freien Szene als auch im Staatstheaterbetrieb beobachte ich Experimente mit der Ästhetik von Workshop-Situationen, oder einer munteren Unterrichtsstunde in einem Volkshochschulkurs: Die Schmierseifenebene zum bloßen Infotainment ist dann nur noch einen Schritt entfernt.

Anne Bonfert: Eine neue Ästhetik sehe ich hier nicht, eher ein neues Bewusstsein für die Funktion der Zuschauenden einer Aufführung.

Martine Dennewald: Es handelt sich eher um eine Einbindung des Publikums in die Ästhetik, egal welcher Art: Ein Teil des Werks wird an die Zuschauer delegiert, und die Zuschauer werden als Teil des Werkes sichtbar.

Brauchen wir eine neue Qualitätsdebatte?

Anne Bonfert: Mich interessiert darüber nach zu denken, was das besondere an Theater ist, was es abhebt von anderen Künsten und welche Aspekte in diesem Bereich noch zu erforschen sind.

Martine Dennewald: Wir brauchen eine Debatte, die unterschiedliche Qualitätsbegriffe formulieren und diskutieren kann, die sich immer wieder neu am künstlerischen Schaffen ausrichtet.

Harald Schandry: Wir brauchen eine Struktur- und Finanzdebatte, denn Theater ist in seinem innersten Wesen immer idealerweise der Umbruch.

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