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Spielzeit „Theater soll nie aufhören!“
Nachrichten Kultur Spielzeit „Theater soll nie aufhören!“
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08:11 26.02.2016
Zuschauerraum im Schauspielhaus: „Man kann eine kleine Geste hinterlassen und mit seinem Namen zeigen: Ich bin dafür und stehe dafür.“ Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Angelika Nauck gehört zu den ersten Stuhlpaten. Die Abonnentin hat sich für ihren Lieblingsstuhl entschieden, auf dem sie auch bei den Premieren sitzt. Die Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des hannoverschen Schauspielhauses (GFS) hat aber nicht nur privat in einen Stuhl investiert, sondern auch mit der GFS: Sogar für zehn Stühle haben die Schauspielhausfreunde die Patenschaft übernommen. Für Nauck war sofort klar, dass die GFS sich engagieren würde: „Wir freuen uns, wenn uns das Schauspiel fragt, ob wir Initiativen unterstützen können. Ich weiß, dass sich die gesamte GFS dem Haus sehr verbunden fühlt. Dadurch, dass wir es waren, die für diesen Bau 25 Jahre gekämpft haben, bis er 1992 endlich Wirklichkeit wurde, und die immer gesagt haben: ‚Wir wollen diese Spielstätte!‘, sehen wir das Haus auch ganz stark als unseres an. Mitarbeiter, Regisseure und Schauspieler kommen und gehen, aber wir sind die Konstante. Wir sind immer da.“

Auch Ute Heuer, bildende Künstlerin und Professorin an der Hochschule Hannover, fühlt sich dem Haus und der Arbeit des Schauspiels Hannover sehr verbunden. Sie hat aus der Zeitung von der Stuhlpatenschaft erfahren und nicht lange gezögert, selbst eine zu übernehmen: „Das war eine spontane Eingebung. Ich fand das gleich eine ganz großartige Idee, da ich es schön finde, wenn man sich mit einer Geste verankern kann für etwas, das man sehr schätzt. Ich finde es sehr wichtig zu zeigen, dass ich mich vor der Leistung und vor dem Engagement verneige, das jeden Abend auf der Bühne erbracht wird. Der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten war auch sehr passend. Mein Mann und ich haben uns die Stuhlpatenschaft gegenseitig zu Weihnachten geschenkt.“

Erinnerung an den Vater

Christiane Rischbieter Gräfin von der Schulenburg engagiert sich für verschiedene kulturelle Initiativen, besonders in der bildenden Kunst. Als Theaterbegeisterte wollte sie dem Schauspiel mit einer Stuhlpatenschaft ihre Reverenz erweisen. Allerdings wollte sie sich auf ihrer Plakette nicht selbst verewigen, sondern entschied sich für den Namen ihres verstorbenen Vaters, Henning Rischbieter: „Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Er hat die Zeitschrift ‚Theater heute‘ gegründet und auf vielen Theaterstühlen gesessen.“ Er sei es auch gewesen, der Christiane Rischbieter an das Theater herangeführt habe: „Theater war und ist ein Teil meines Lebens.“ Früher gab sie ihre Erfahrung an ihre Tochter weiter, heute an ihre Enkel, die sie ins Theater mitnimmt. „Meine Tochter war ungefähr sieben, als wir mit meinem Vater eine Aufführung auf dem Gleisdreieck in Berlin gesehen haben. Dann stiegen wir ins Auto und meine Tochter sagte: ‚Theater soll nie aufhören.‘ Mein Vater war völlig begeistert und ich glaube, dass das die Erfahrung ist, die man machen muss. Auch wenn es einem nicht immer gefällt, sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, ins Theater oder in Museen zu gehen. Aber das muss man lernen, genauso wie andere Dinge.“

Allen drei Stuhlpatinnen ist es wichtig, kulturelle Initiativen zu unterstützen. Angelika Nauck sieht in der Stuhlpatenschaft eine gute Möglichkeit, um ein Statement zu setzen und zu sagen: „Mir ist es wichtig, dass Hannover ein Kulturstandort ist.“ Christiane Rischbieter hebt die politische Dimension des bürgerschaftlichen Engagements hervor: „In Zeiten, in denen Theater geschlossen werden und darüber diskutiert wird, wie notwendig Kultur eigentlich ist, ist das schon wichtig, wenn das Theater gegenüber dem Land oder der Stadt sagen kann: ‚Es gibt Leute, die uns unterstützen, die uns wichtig finden.‘ Das kann nicht ausschließlich an Zuschauerzahlen gemessen werden.“

Wichtige Geste

Kritischen Stimmen, die allein das Land als Träger in die Pflicht nehmen wollen, treten Angelika Nauck, Ute Heuer und Christiane Rischbieter mit ihrem Engagement entgegen. „Das Land muss zu vielem in der Lage sein und natürlich gab es früher komfortable Situationen mit vielen Rücklagen. Aber ich würde sagen, warum sollen die Leute, die im Theater sitzen, nicht mal die Stühle übernehmen? Für das Land ist es viel wichtiger, Aufführungen zu unterstützen“, meint Rischbieter.

Auch Ute Heuer beobachtet den Rückzug des Staates aus seiner Verantwortung und seinen Pflichten im Kulturbereich. Viele Fördermittel werden zurückgefahren, Drittmittel und bürgerschaftliches Engagement immer wichtiger. Gegnern von Initiativen steht sie allerdings unverkrampft gegenüber, denn „es ist niemand verpflichtet, das zu tun. Aber man kann eine kleine Geste hinterlassen und mit seinem Namen auf der Plakette zeigen: ‚Ich bin dafür und stehe dafür.‘“

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