Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Der Schulden-Junkie

„Timon aus Athen“ auf der Cumberlandschen Bühne Der Schulden-Junkie

Shakespeares „Timon aus Athen“ ist eine Parabel auf alten Glanz, neue Schulden und falsche Freunde. Regisseur Tom Kühnel inszeniert das Stück auf der Cumberlandschen Bühne.

Voriger Artikel
Volksbühne gibt ein Gastspiel in Hannover
Nächster Artikel
Das doppelte Spiel des Camill Jammal

Der Samariter als Problemfall: Mathias Max Herrmann ist Timon aus Athen.

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Griechenland: erst Finanz-, jetzt Flüchtlingskrise. Das Land hat es nicht leicht, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Griechen hatten es noch nie leicht, auch nicht in jener Zeit, als sie die Zivilisation erfanden. Shakespeares Stück „Timon aus Athen“ taucht mitten hinein in die Anfangswirren der griechischen Kulturgeschichte. Und es gewährt auch heute Einblicke in die Grundübel zivilisierten Zusammenlebens - Geld und Drogen.

Mit beiden verhält es sich ähnlich: Der Besitz geringer Mengen, bevorzugt für den eigenen Gebrauch, ist nicht strafbar. Unter Umständen macht er jedoch süchtig. Größere Mengen zu besitzen hingegen verführt zur Weitergabe. Nicht unentgeltlich, nein: In aller Regel wird daraus ein Geschäft. Die Folgen: Selbstentfremdung, Paranoia, Wahnzustände. Und rastlose Gier. Der Schuldner - ein Junkie.

Timon von Athen ist ein Junkie - ein Schulden-Junkie. Ist er deswegen ein Schaden für die Gesellschaft? Erst einmal nicht, denn das Geld, das er sich leiht, bildet die Grundlage für den Wohlstand derer, an die er es weitergibt. Freimütig, in größeren Mengen - allerdings, ohne daraus ein Geschäft zu machen. Denn Timon leiht nicht, er verschenkt! Der Schulden-Junkie - als Samariter wird er zum Problem. Die Kunst besteht darin, ihn zum Aussteigen aus seiner Sucht zu überreden, bevor die Sache schiefgeht. Denn wenn sie schiefgeht, muss einer schuld sein. Ohne Schulden keine Zivilisation - ja, doch wer sie hat, ist selber schuld. Siehe Griechenland.

Dort, in Athen, ist jeder gern Gast auf Timons legendären Partys. Als die Musik aufhört zu spielen, ist Timon der einzige ohne Stuhl. Er sitzt nicht mehr weich, sondern auf dem Arsch. Er ist draußen. Und wandelt sich: vom sorglosen Philanthropen zum überzeugten Misanthropen. Er hat seinen Namen geändert und einen Neuanfang gewagt. Geholfen hat es ihm wenig. Nach allem, was wir wissen, sitzt er noch immer zwischen allen Stühlen.

Von Kerstin Behrens

Timo aus Athen

„Timon aus Athen“ von William Shakespeare: Premiere ist am 30. April um 20 Uhr auf der Cumberlandschen Bühne. Anschl. Premierenfeier. Karten und weitere Informationen unter schauspielhannover.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Spielzeit
„Horror“ im Theater am Aegi