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Volksbühne gibt ein Gastspiel in Hannover

„Murmel Murmel“ im Schauspielhaus Volksbühne gibt ein Gastspiel in Hannover

Im April gastiert die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit „Murmel Murmel“ im Schauspielhaus. Die „Spielzeit“ traf Matthias Buss, kürzlich noch als Märchenerzähler in der „Schneekönigin“ zu sehen und nun einer der elf Murmler des Volksbühne-Ensembles.

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Slapstick vom Feinsten.

Quelle: Thomas Aurin

Hannover. Mancher mag ein solches Stück für nicht inszenierbar halten: 80 Minuten, elf Menschen und ein einziges Wort: „Murmel“. Doch der Erfolg spricht für sich: Der Regisseur Herbert Fritsch hat sich das Bühnenstück des Objektkünstlers Dieter Roth vorgenommen - 174 Seiten und in allen Zeilen nur das Wort „Murmel“. Das Stück wird seit 2012 gespielt, das gesamte Murmel-Ensemble wurde noch im selben Jahr von „Theater heute“ als Bester Schauspieler nominiert. Außerdem war es 2013 zum Theatertreffen in Berlin eingeladen, international gastierte es bereits in Chile, Edinburgh und Maribor unterwegs.

Matthias Buss ist mittendrin im großen Murmeln. Seit 2009 arbeitet der Schauspieler frei, unter anderem an der Volksbühne oder am Staatsschauspiel Dresden, aber auch in der freien Szene, derzeit auch am Theater an der Glocksee (mehr dazu auf Seite 11) oder in verschiedenen Fernsehfilmen. Mit der Schauspielerei begann er während seines Studiums der Angewandten Kulturwissenschaften in Hildesheim. Dort arbeitete er mit Albrecht Hirche im Theater Aspik, danach am Theater Luzern, wo ihn Hannovers ehemaliger Schauspielintendant Wilfried Schulz als jungen Peer Gynt entdeckte und 2004 an das hiesige Schauspielhaus holte. Am Schauspiel Hannover verkörperte Buss zuletzt den Märchenerzähler im Familienstück „Die Schneekönigin“.

Die Arbeit mit Herbert Fritsch schätzt Buss sehr, gerade weil er ungewöhnliche Theaterformate angeht: „Die ersten Proben zu ,Murmel Murmel‘ waren sehr amüsant“, beschreibt er die Anfänge, „wir haben uns hingesetzt und gelesen. Aber nach weniger als der Hälfte haben wir abgebrochen. Herbert Fritsch hatte ein Originalskript von Dieter Roth und dabei handelt es sich um sogenannte Konkrete Poesie. In der geht es, verkürzt gesagt, mehr um die Form als um den Inhalt.“

Ein klassischer Handlungsstrang ist für Regisseur Herbert Fritsch nicht zwingend erforderlich. Tatsächlich hatte der bis 2007 in Frank Castorfs Ensemble stets präsente Schauspieler irgendwann genug vom deutschen Sprechtheater, sein Interesse konzentriert sich seitdem vielmehr auf den körperlichen Einsatz. Für Matthias Buss ein großes Vergnügen: „Fritsch ist großer Slapstick-Fan, das wussten wir alle und sind es ebenfalls. ,Murmel Murmel‘ ist im Prinzip im musikalischen Körper-Ich und es ist sketchartig.“ Entsprechend gestaltete sich die Probenarbeit als besonders enge Kooperation zwischen Ensemble, Regisseur und Musiker: „In den Proben ging es dann beispielsweise darum, wie ich am originellsten stolpere, wie am elegantesten und wie besonders dämlich. Wir haben dann mit unterschiedlichsten Instrumenten experimentiert und versucht, einen Takt zu finden, im Chor zu sprechen, ebenso haben wir probiert, es irgendwie dialogisch zu entwickeln. Wir haben uns auch Witze erzählt, zunächst mit Text und dann nur mit ,Murmel‘. Gelegentlich hat auch einer angefangen, eine halbe Stunde lang zu improvisieren, bis dann irgendjemand passgenau mit Gesang, Sprache oder Körper eingestiegen ist - ähnlich wie beim Free Jazz.“

Das Bühnenbild hat Fritsch selbst entwickelt, eine Choreografie aus vielfarbigem Licht und bunten Soffitten (Deckenkulisse), die vertikal und horizontal fahren. Victoria Behr, mittlerweile dreimal von „Theater heute“ zur „Kostümbildnerin des Jahres“ gekürt, entwarf die entsprechende Garderobe. „Ich habe zweieinhalb Kostümwechsel, die teilweise mit inszeniert werden - mehr will ich nicht verraten“, sagt Buss lächelnd. „Es gibt 60er-Jahre-Kostüme, die Herren in Anzügen und bekloppten Brillen, die Damen in Petticoat und wundervoller Haarpracht, später dann alle auch in einer Art Trainingsanzug.“

Wie immer trifft man sich nach längeren Spielpausen vor dem Auftritt zum „Einmurmeln“. Eine gute Stunde nimmt sich das Ensemble dann Zeit, sich wieder aufeinander einzustimmen. „Es ist mein persönlich inspirierendstes Ensemble und es ist auch ein echtes Ensemblestück“, bringt Matthias Buss seine Erfahrungen auf den Punkt. „Außerdem bekommt man als Schauspieler immer gute Laune - und als Zuschauer hoffentlich auch.“

Von Tanja Schulz

„Murmel Murmel“

„Murmel Murmel“ nach Dieter Roth: Gastspiel der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Schauspielhaus. Spieltermine: 19. und 20. April, jeweils 19.30 Uhr. Karten und weitere Informationen unter schauspielhannover.de

Mit: Florian Anderer, Matthias Buss, Werner Eng, Ingo Günther, Jonas Hien, Simon Jensen, Wolfram Koch, Annika Meier, Bastian Reiber Anne Ratte-Polle, Stefan Staudinger und Axel Wandtke.

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