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„Wir wollen Bilder schaffen“

Tanztheater, Commedia Futura in der Eisfabrik: "Post Mortem" „Wir wollen Bilder schaffen“

Mit Post Mortem setzt Commedia Futura die Tanzoffensive 2017 fort. Die „Spielzeit“ sprach mit Regisseur Wolfgang A. Piontek über Mütter und Söhne.

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Familienbilder: „Post Mortem“.

Quelle: Arne Gutknecht

Hannover. Herr Piontek, Mütter und Söhne, das ist ein kompliziertes Thema. Was genau reizt Sie daran?

Die ungeheuren Dimensionen. Da gibt es dieses Wesen, in dem unser Leben beginnt, das uns neun Monate lang in sich birgt, und von dem wir uns trennen müssen, nicht nur einmal, um wir selbst zu werden. Der Kreislauf von Leben und Tod. Es gab ja zunächst einen sehr konkreten Anlass für dieses Projekt: Kurz nach der Premiere unseres „Minotaurus“ brach Ben Landsberg nach Kanada zu seiner sterbenden Mutter auf. Ein Jahr zuvor war Peter Pionteks Mutter gestorben, im vergangenen Jahr starb meine eigene. Das war der Auslöser, sich mit den Müttern zu beschäftigen, das heißt mit den ganz realen Menschen, und zu fragen, wie haben sie uns geprägt, vor allem auch emotional? Aber wir wollen natürlich Bilder schaffen, die über persönliche Erfahrungen hinausgehen. Die Magna Mater ist ein Thema, das mich seit unserer ersten „Medea“-Inszenierung beschäftigt.

In das aktuelle Stück, das Sie gemeinsam mit dem kanadischen Choreografen Ben Landsberg realisieren, werden also auch persönliche Erfahrungen einfließen?

Wir, also der Dramaturg Peter Piontek und ich, haben sicher etwas anderes erlebt als Ben Landsberg. Als unsere Mütter jung waren, war Krieg. Dann kamen die 1950er-Jahre. Meine Mutter war zeitlebens Hausfrau, ihr Leben war die Familie. Aber sie war auch sehr verletzlich. Das war eine emotionale Achterbahnfahrt. Und ich hatte früh den Drang, mich aus den familiären Strukturen zu lösen. Ben hingegen berichtet von einem sehr engen, freundschaftlichen Verhältnis zu seiner Mutter.

Heute geht es eher um Genderfragen als um Mütterlichkeit. Greifen Sie in Ihrer Inszenierung auch diesen Aspekt auf?

Die jeweiligen Richtungspfeile des Zeitgeistes waren für mich noch nie wegweisend. Dies ist kein Diskursprojekt. Wir stellen unsere Fragen. Es geht um Tiefenbohrungen.

Kommt das neue Tanztheater ganz ohne Worte aus?

Nein, warum denn? Wir nutzen alles, was uns helfen kann, unseren Erfahrungen auf die Spur zu kommen, dazu gehört die Sprache genauso wie Bilder, Körper, Tanz und Musik. In Texten können wir Zusammenhänge ganz anders greifen, Geschichten erzählen.

Die Produktion ist Teil der Tanzoffensive 2017, zu der Commedia Futura aufgerufen hat. Welche Rolle spielt dabei „Post Mortem“?

Wir haben im Mai diese Doppelpremiere. Landerer&Company eröffnen am 4. Mai mit „Die Übersetzer“, und wir folgen dann 14 Tage später. Drei Mitglieder von Landerers Ensemble choreografieren ja auch Teile seines Tanz-Abends. Und auch mit Ben Landsberg haben wir einen jungen Choreografen, den wir mit Felix Landerer nach Hannover geholt haben. Wir ziehen an einem Strang bei dem Bemühen, die „Tanzstadt“ Hannover voranzubringen, die Szene zu bereichern durch junge internationale Tänzer und Choreografen. Und wir sind zuversichtlich, damit an den Erfolg des ersten Teils der Tanzoffensive anknüpfen zu können.Dz

Premiere am 19. Mai, 20 Uhr, in der Eisfabrik. Karten unter (05 11) 81 63 53.

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