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Kultur Stephen Langridge inszeniert „Tristan“ in Hannover
Nachrichten Kultur Stephen Langridge inszeniert „Tristan“ in Hannover
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00:17 13.09.2018
„Spirituelle Erotik“: Regisseur Stephan Langridge in der Staatsoper. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Wie bringt man einem bekannten Regisseur dazu, an einem Haus zu arbeiten? Man muss ihn fragen, ob er Lust dazu hat. Genau das hat Opernintendant Michael Klügl getan: Er hat Stephen Langridge eine „Tristan“-Produktion in Hannover angeboten, und der hat zugestimmt. So kommt es, dass Langridge, der derzeit Intendant der Oper in Göteborg ist und im kommenden Jahr die Leitung des renommierten britischen Glyndebourne-Festivals übernimmt, zum ersten Mal in Deutschland eine Oper auf die Bühne bringt.

„Deutschland ist das wichtigste Land für die Oper“, sagt der Regisseur, „und Hannover hat international eine große Reputation“ – darum habe er nicht lange überlegen müssen, als das Angebot kam. Ohnehin sieht sein Arbeitsplan vor, pro Jahr eine Inszenierung an seinem eigenen Haus an der schwedischen Westküste und eine andernorts als Gastregisseur zu erarbeiten. So hat Langridge schon am Royal Opera House Covent Garden und am Theatre des Champs Elysses in Paris gearbeitet, er hat bei den Festspielen in Salzburg, Bregenz und Glyndebourne inszeniert, in Chicago, Tokio und Wien. Dass er für sein Deutschland-Debüt nun Hannover ausgewählt hat, ist ein Coup für das Haus.

Natürlich wird ihn dabei auch das Stück gereizt haben: Wagners „Tristan und Isolde“ passt sicher gut in die Vorbereitung für den ersten „Ring“, den Langridge im kommenden Jahr in Göteborg in Angriff nehmen wird. Als Jugendlicher sei er ein echter „Tristan“-Nerd gewesen, gesteht der Sohn des britischen Tenors Philip Langridge. Aber erst jetzt habe er sich genauer mit dem Werk beschäftigt. „Es handelt von der Liebe, aber in einem ganz anderen Sinne als etwa in Mozarts ,Figaro’, wo man dafür hinter den Büschen verschwindet“, sagt er. In „Tristan“ gebe es statt der körperlichen eine „spirituelle Erotik“.

Der Schlüssel zum Stück liegt für Langridge daher im zweiten Akt, in dem die beiden Liebenden zu einer einzigen Person zu verschmelzen scheinen: „Was bedeutet es, wenn sie davon singen, dass die Grenzen verschwinden, wenn nicht mehr auszumachen ist, wo die eine Person aufhört und die andere anfängt“, fragt der Regisseur. Auf der Suche nach der Antwort hat er unter anderem japanische Butoh-Tänzer hinzugezogen. Wie sie ausfällt, ist ab kommenden Sonntag zu erleben: Premiere von „Tristan und Isolde“ ist am 16. September.

Von Stefan Arndt

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