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Kultur „Superschönes Germany“ in der Milchbar
Nachrichten Kultur „Superschönes Germany“ in der Milchbar
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00:15 03.07.2018
Du bist Deutschland, du bist nass: Szene aus „Superschönes Germany“ Quelle: Grietje Hansen
Hannover

Dieses Spiel ist ernst, denn es geht um die Zukunft. Und es geht um Deutschland. Angehende Lehrer und Lehrerinnen, die später das Fach Darstellendes Spiel unterrichten wollen, stehen jetzt selber auf der Bühne. In dem „Milchbar“ genannten Theaterraum der Leibniz-Uni spielen 30 von ihnen „Superschönes Germany“. Es ist eine „theatrale Reise in die deutsche Seele“.

Zwei Gruppen treten auf, beide geleitet von Regisseuren mit viel Erfahrung im Freien Theater. Carmen Grünwald-Waack (von der „Fräulein Wunder AG“) buchstabiert mit ihrer Gruppe deutsche Befindlichkeiten durch: witzige Betrachtungen von Angst bis Übergangsjacke. Joachim von Burchard (vom „Theater M 21“) bringt mit seiner Gruppe den Imagefilm „Du bist Deutschland“ aus dem Jahr 2005 auf die Bühne. Aber wie! Die Darstellerinnen und Darsteller reißen Mauern ein, sauen mit Lebensmitteln herum, schreien, plantschen in einem Wasserbecken, verausgaben sich.

Wenn die späteren Lehrer diese Erfahrungen in ihren Unterricht einfließen lassen, dürfte es erregte Diskussionen auf eigens dafür anberaumten Elternabenden geben. Aber hey!, das hat was. Die Studentinnen und Studenten zeigen mit ihrer wilden Performance, was das Spiel auf der Bühne eben auch sein kann: eine Möglichkeit, die Sache anders zu machen, ein Versprechen von Freiheit, eine krasse Erfahrung.

Dialogisches Sprechen kommt übrigens in beiden Produktionen so gut wie gar nicht vor. Die Technik des alten, mimetischen Dramas mit Rede und Gegenrede, Charakterzeichnung, Peripetie und Katastrophe dürfte von diesen Lehrern später wohl nicht unterrichtet werden. Dafür arbeiten sie mit (relativ) neuen theatralen Ausdrucksformen, mit chorischem Sprechen, Körpereinsatz und (vorsichtig kalkulierten) Grenzüberschreitungen. Die Schüler dürften später eine Menge Spaß damit haben – und vielleicht auch Möglichkeiten entdecken, das, was sie beschäftigt, in neuen Formaten auf der Bühne zu präsentieren. Andererseits: Es werden Lehrer sein, die diese Art von Grenzüberschreitungen vorgeben. Da werden die Schüler ihre eigenen Grenzen setzen.

Weitere Aufführungen: Mittwoch, 4. Juli und Donnerstag, 5. Juli, jeweils um 20 Uhr im Theaterraum „Milchbar“ der Leibniz-Universität, Callinstraße 23.  

Von Ronald Meyer-Arlt

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