Kabarett ist vor allem Handwerk. Hier geht es nicht um die große Show mit grellen Effekten, sondern um Kleinkunst mit leisem, aber dafür scharfem Unterton. Es kommt auf gut gedrechselte Texte und geschliffene Vortragsweise an. Leider macht sich immer mehr die Vorstellung breit, dass jeder, der sich eine Perücke aufsetzt oder eine rote Nase ins Gesicht klemmt, schon Kabarettist ist. So drängen immer mehr Parodisten und Politclowns auf die Kabarettbühnen und ulken schlimmer als die Kölner Karnevalskasper.
Abzulesen war dieser Trend auch beim jetzt vom Theater am Küchengarten (TaK) ausgerichteten Nachwuchswettbewerb „Fohlen von Niedersachsen“. Acht in einer Vorauswahl von den TaK-Organisatoren bestimmten Kandidaten traten, auf zwei Abende verteilt, vor einer Jury aus Publikum, Presse und TaK-Team auf. Gewonnen hat Michael Feindler, mit 21 Jahren der jüngste Teilnehmer. Er verstand es, das Publikum mit lyrischen Spitzfindigkeiten aus seinem Programm „Allein unter Menschen“ gleichermaßen zum Lachen und Nachdenken zu bringen. Damit hob er sich entschieden von seinen Mitbewerbern ab.
Comedians und Liedermacher bestimmten das Programm. Alle gaben sich gänzlich unpolitisch. Einzig der ehemalige SAT.1-Moderator André Kaiser bot Kabarett mit einigermaßen aktuellem Bezug. Er belegte Platz vier nach Tilman Birr, einem charmanten Geschichtenerzähler, und Jundula Deubel, einer Komikerin, die mit ihrer Berliner Görennummer für die meisten Schenkelklopfer sorgte. Der Wahlberliner Feindler studiert zwar Politik. Doch sparte auch er dieses traditionell von Kabarettisten beackerte Feld aus. Stattdessen reimte er mit feiner Ironie über naive Mädchen und die vernetzte Generation. Unprätentiös, originell und ohne Maskerade. Es funktionierte: Feindler darf sich über 1000 Euro Preisgeld und vier abendfüllende Auftritte im Herbst im TaK freuen.
Kerstin Hergt