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Metzmacher will auswärtige Besucher anlocken

Kunstfestspiele Herrenhausen Metzmacher will auswärtige Besucher anlocken

Premiere für Ingo Metzmacher: Der 58-Jährige hat als neuer Intendant der Kunstfestspiele Herrenhausen zum ersten Mal die Leitung eines Festivals übernommen. Sein Ziel sei es, mit hochkarätigen Künstlern und ungewöhnlichen Formaten auch Besucher aus Hamburg, Berlin oder München nach Hannover zu locken.  

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„Tolle Erinnerung“: Der Dirigent und Intendant Ingo Metzmacher (58) hat eine lange Geschichte mit Hannover.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Ach was, es ist die alte Liebe, die sich nun endlich Bahn bricht. Hannover und Ingo Metzmacher, Ingo Metzmacher und Hannover – hier kommt zusammen, was zusammengehört. So etwa lässt sich die Stimmung beschreiben, die am Dienstag bei der Vorstellung des neuen Programms der Kunstfestspiele in der Orangerie Herrenhausen herrschte. Oberbürgermeister Stefan Schostok erklärte, erst durch die Verpflichtung des in Hannover geborenen Stardirigenten zum Nachfolger von Elisabeth Schweeger werde das Festival nun „organisch mit der Stadt verbunden“. Und Metzmacher selbst betonte gleich zu Beginn, dass er die Aufgabe des Intendanten überhaupt nur angenommen habe, weil Hannover seine Heimatstadt sei.

Auch auswärtige Besucher sollen kommen

Kein Wunder also, wenn sich auch das Programm ein bisschen sentimental gibt. Warum hat Metzmacher ein „Nachtkonzert, das seinen Namen wirklich verdient“ angesetzt, bei dem ein Streichquartett, ein Instrumentalensemble und der Intendant persönlich am Klavier von 23 Uhr bis 4 Uhr morgens moderne Musik spielen? Weil Metzmacher so etwas schon einmal gemacht hat – in den Achtzigerjahren während seines Studiums an der Musikhochschule. „Das habe ich in toller Erinnerung“, sagt er in diesem für ihn typischen Tonfall, der Gelassenheit mit glühender Begeisterung verbindet. Man kommt kaum umhin, zu denken, dass man gerne dabei gewesen wäre – und kann es nun ja tatsächlich nachholen: am 28. Mai in der Galerie Herrenhausen.

Die siebte Ausgabe der Kunstfestspiele ist da längst in vollem Gange. Eröffnet wird am Pfingstwochenende – allerdings nicht wie bisher mit einer einzigen spektakulären Produktion. Metzmacher will „ein ganzes Paket“ anbieten, das auch möglichst viele auswärtige Besucher an den freien Tagen in die Stadt locken soll. Eine Hauptattraktion bleibt die Aufführung von Arnold Schönbergs großformatigen (aber noch nicht atonalen) „Gurre-Liedern“ am 15. Mai im Kuppelsaal. Metzmacher musiziert dabei nicht nur mit Weltstars wie der Sopranistin Anja Kampe, dem Tenor Stephen Gould und Thomas Quasthoff als Sprecher, sondern auch mit einem Großteil aller hannoverschen Musiker: Gleich zehn Chöre der Stadt werden mit von der Partie sein, dazu kommen Musiker der NDR-Radiophilharmonie und der Musikhochschule. Für den dirigierenden Intendanten gibt es „kaum einen Saal auf der Welt, in dem man das besser aufführen könnte als hier“. Außergewöhnlich sind auch die Eintrittspreise, die Metzmacher für dieses Konzert durchgesetzt hat: Die Tickets im Parkett und im ersten Rang werden für 14 Euro bei freier Platzwahl verkauft.

Komponist Steve Reich erwartet

Prominenter Besuch kommt bereits am 13. Mai in den Richard-Jakoby-Saal der Musikhochschule: Der 80-jährige amerikanische Komponist Steve Reich, der mit seiner stilprägenden Minimal Music zur Legende geworden ist, wird persönlich anwendend sein, wenn das Ensemble Modern seine Video-Oper „Three Tales“ und das Stück „WTC 9/11“ aufführt. Dass die Produktion nicht in Herrenhausen zu sehen ist, hat pragmatische Gründe: Die nötige Leinwand von neun mal fünf Metern passt dort nicht in die Gebäude. Aber so bekommt Metzmacher noch einmal Gelegenheit zu betonen, wie viel ihm der Ort bedeute, an dem er selbst studiert und sein Vater lange unterrichtet habe.

Komplettiert wird das lange Eröffnungswochenende von einer dreiteiligen Installation und Performance des neuseeländischen Choreografen und Künstlers Lemi Ponifasio am 14. Mai im Gartentheater und der Galerie, einer geflüsterten „Whisper Opera“ von David Land, die das New Yorker International Contemporary Ensemble am 15. und 16. Mai in die Orangerie bringt und einem Konzert des renommierten Hagen-Quartetts am 16. Mai in der Christuskirche.

Spiegelzelt soll Zentrum werden

Herausragende Konzerte sind weiter die Auftritte des Pianisten David Fray (25. Mai) und der Geigerin Isabelle Faust (27. Mai) sowie John Luther Adams’ Konzert-Installation mit 60 Schlagzeugern im Großen Garten am 29. Mai. Das Opern-Intermezzo „La Double Coquette“ wagt am 20. und 21. Mai mit der zeitgenössischen Bearbeitung eines Stückes aus dem 18. Jahrhundert den Brückenschlag zwischen Barock und Moderne. Auch die Kombination einer Performance der Choreografin Maguy Marin mit einem Auftritt der A-Cappella-Sänger und Renaissance-Spezialisten von Graindelavoix am 22. Mai verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Dazu kommen ein Gastspiel von Daniel Wetzel (Rimini Protokoll), zwei weitere szenische Produktionen sowie verschiedene Klang- und Videoinstallationen und Gespräche.

Das emotionale Zentrum des Festivals aber soll ein Spiegelzelt werden, dass hinter Galerie und Orangerie aufgeschlagen wird, um der Spielstätte zusätzliches Flair zu geben. Schließlich ist kaum etwas wichtiger für diesen Neustart als das Gefühl für den richtigen Ort.     

Interview mit Metzmacher: „Es entsteht eine besondere Atmosphäre“

Herr Metzmacher, die Kunstfestspiele waren bis vor Kurzem recht umstritten in der Stadt, was ihrer Vorgängerin allerhand Probleme bereitet hat. Mussten Sie sich auch schon richtig ärgern?
Nö.

Wirklich? Kein bisschen?
Bei einem solchen Festival gibt es natürlich immer Dinge, über die man diskutieren muss. Und manchmal muss man schon auch etwas kämpfen.

Und: Haben Sie gewonnen?
Ich denke, wir stehen jetzt ganz gut da.

Bei dem Konzert mit Schönbergs „Gurre-Liedern“ wird es für einen Einheitspreis von nur 14 Euro freie Platzwahl für die beste Plätze im Kuppelsaal geben. Warum liegt Ihnen gerade das so am Herzen?
Ich denke, dass wir auf diese Weise einen speziellen Anreiz gerade für Menschen schaffen, die sonst eher nicht in ein Konzert kommen würden. Bei uns können sie für wenig Geld in der ersten Reihe sitzen und alles mitbekommen. So entsteht eine besondere Atmosphäre im Saal, die wiederum auch gut für uns Musiker ist.

Und das funktioniert?
Erstaunlich gut sogar. Ich habe dieses Format während meiner Zeit beim Deutschen Sinfonie Orchester in Berlin eingeführt. Es war wirklich ein großer Erfolg. Inzwischen sind solche Casual Concerts dort nicht mehr aus den Programmen wegzudenken.

Interview: Stefan Arndt     

Das Festival

Bei den Kunstfestspielen Herrenhausen sind vom 13. Mai bis zum 29. Mai insgesamt 21 Produktionen in rund 50 Veranstaltungen zu sehen. Dazu kommt ein Programm im Festivalzentrum Spiegelzelt, das im März vorgestellt wird. Es ist die siebte Ausgabe des Festivals und die erste unter der Intendanz von Ingo Metzmacher.

Die Akademie der Spiele ist wie in den bisherigen Festivalausgaben das pädagogische Begleitprogramm für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren, die sich in verschiedenen Workshops mit den Künstlern auf die Produktionen vorbereiten oder eigenen Projekte erarbeiten können.

Karten und vollständiges Programm gibt es unter Telefon (05 11) 16 84 99 94. HAZ-Abonnenten erhalten auf alle Karten einen AboPlus-Rabatt von 20 Prozent.     

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