„Rein oder nicht rein? Das ist hier die Frage“, fasst Nicky die Sachlage zusammen: Ihr Ehemann ist mit seinen Freunden im Kühlraum eingesperrt. Molly, Debra und Nicky wägen ab, ob sie ihre Gatten bei minus zwölf Grad langsam erkalten lassen oder den Notruf wählen sollen: „Er ist grässlich. Aber soll ich ihn umbringen?“, fragt sich die eine. „Eigentlich muss es mehr wehtun!“, sagt die andere. Und das Publikum amüsiert sich bestens über die Gehässigkeiten der Damen.
Die drei jungen Frauen treffen sich regelmäßig, bekochen die Runde und machen den Abwasch, während ihre Männer im Nebenraum Zigarren rauchen. Normalerweise schwärmt jede vom geliebten Ehemann und der neuen Couchgarnitur. Doch an diesem Abend ist nichts normal. Michele Lowe lässt in ihrer Komödie „Kaltgestellt“ die „Sex and the City“-Atmosphäre zerbröckeln. Die naive Molly (Uta Krüger) beklagt sich über ihren asexuellen Mann Danny. Die kräftige Debra (Mackie Heilmann, bekannt durch die TV-Serie „Weibsbilder“) bemuttert ihren Gatten, der längst eine Geliebte hat. Die resolute Nicky (Leena Fahje) drückt den Hass auf Ehemann Jay, der gerade sieben Millionen Dollar veruntreut hat, am energischsten aus: „Jay kommt nicht ins Gefängnis – weil ich ihn vorher umbringe.“ Ihr kommt es wie gerufen, dass die drei Männer in der Gesellschaft von einigen Wildenten und Hirschhälften erfrieren.
Die Männer auf der Bühne sind bloß durch Stimmen aus dem Off (in schlechter Aufnahmequalität) vertreten. Die drei Schauspielerinnen dagegen geben in der Inszenierung von Jan Bodinus ihr Bestes: Sie reißen sich die Blusen vom Körper, zaubern aus Golfbällen und Sahne ein Dessert und singen „Mr. Sandmann“. Das Neue Theater kommt seinem Anspruch mit dieser spritzigen Inszenierung wieder einmal sehr nahe: Unterhaltung ist wichtiger als Bildung. Die Zuschauer jedenfalls fühlten sich bestens unterhalten.
Die Komödie "Kaltgestellt" ist bis Ende November im Neuen Theater Hannover zu sehen. Karten: (05 11) 36 30 01.
Kathrin Bach