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PeterLichts Prosa als Aufführung in der Cumberlandschen Galerie

Worte und Widerworte PeterLichts Prosa als Aufführung in der Cumberlandschen Galerie

Regisseur Jakob Weiss hat einen Text von PeterLicht in der Cumberlandschen Galerie auf zwei Darsteller und ein Sofa verteilt. In der „Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des Dritten Jahrtausends“ kann es zwischendurch auch gerne mal albern werden.

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Eine Choreografie mit umgeschnallten Schaumstoffflugzeugen in PterLichts Prosa.

Quelle: Nico Herzog

„Es ging mir gut. Ich war gesund, und ich hatte Geld“ – so beschreibt der Mann auf dem bunten Sofa seine Situation. Es handelt sich um: „Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des Dritten Jahrtausends“, ein – wie soll man sagen – Wortfluss von PeterLicht. PeterLicht – er schreibt sich in einem Wort mit Binnenmajuskel – hat den Text vor vier Jahren beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt gelesen und damit den 3sat-Preis und den Publikumspreis gewonnen. Er hat „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ und ein „Buch vom Ende des Kapitalismus“ geschrieben und lässt sich – seinen Marktwert in der Popkultur geschickt steigernd – nicht filmen und fotografieren.

Natürlich ist das Theater längst auf ihn aufmerksam geworden. An den Münchner Kammerspielen hat er seine „Geschichte meiner Einschätzung ...“ selbst inszeniert. Am Schauspiel Hannover hatte der Monolog jetzt in der Cumberlandschen Galerie Premiere. Regisseur Jakob Weiss, der bisher als Regieassistent im Haus gearbeitet hat und hier seine erste eigenständige Arbeit vorlegt, hat den Text auf zwei Darsteller und ein Sofa verteilt.

Die Schauspieler Wolf List und Dominik Maringer spielen virtuos mit den sich immer wieder selbst korrigierenden, am Ende sogar selbst verneinenden Sätzen; sie rhythmisieren und strukturieren den Monolog, versehen ihn mit Handlung und Haltung. Regisseur Weiss nimmt den Wortfluss, der im Katastrophischen mündet und Bilder vom 11. September evoziert, mit erstaunlich viel Witz. Die Strickjacken seiner Darsteller sind ebenso blau und rosa bedruckt wie das Sofa, sodass sie manchmal im Möbel zu verschwinden scheinen (Kostüme: Maria Anderski, Bühne: Andrea Wagner). Einmal fällt das Wort „vergasen“, und sofort halten sich beide erschreckt den Mund zu. Und wenn sie auf die einstürzenden Hochhäuser zu sprechen kommen, führen sie eine Choreografie mit umgeschnallten Schaumstoffflugzeugen auf.

Albern? Ja, aber warum auch nicht. Der Text jedenfalls lässt Albernheiten zu und hält einige aus. PeterLichts Prosa zeigt auch, wie nah alles beieinanderliegt: das gute Leben am Beginn eines neuen Jahrtausends und die Katastrophe. Es ist fast ein absurder Text, und er beschreibt eine fast absurde Welt. Wahrscheinlich ist die Sprache PeterLichts der Zeit sehr angemessen: immer im Ungefähren bleibend, der eigenen Befindlichkeit viel Raum gebend, alles gleich wieder zurücknehmend, und staunend darüber, dass man überhaupt noch etwas sagen kann.

Es gehört auch zu den Aufgaben des subventionierten Theaters, neue Sprechweisen zu entdecken und zu pflegen. Regisseur Jakob Weiss hat sie zusammen mit seinen großartigen Schauspielern hervorragend gelöst.

Weitere Aufführungen: Samstag, 14. Mai sowie am 5. und 12. Juni.

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