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Theater für Niedersachsen

Premiere für "Laurel & Hardy" in Hildesheim

Von Simon Benne

Zwischen Nummernrevue und Filmgeschichte: Das Theater für Niedersachsen erweckt "Laurel & Hardy" wieder zum Leben. Tom McGraths Stück von 1976 ist in Hildesheim in deutschsprachiger Erstaufführung zu sehen.
Das Theater für Niedersachsen erweckt "Laurel & Hardy" wieder zum Leben.

Das Theater für Niedersachsen erweckt "Laurel & Hardy" wieder zum Leben.

© Hartmann

Hildesheim. Selten waren sich die hohe Schule der Komik und das billige Schenkelklopfen so nah wie bei ihnen. Stan und Ollie – das ist der Zeigefinger des Dünnen im Auge des Dicken.

Das ist der „Feuerzeugdaumen“. Das ist das „Kniechen, Näschen, Öhrchen“-Spiel. Und so sieht man auch in dem Stück „Laurel & Hardy“ am Theater für Niedersachsen, wie Stan (Christoph Götz) auf einer Bananenschale ausrutscht und wie Olli (Jens Koch) sich ein rohes Ei auf dem Kopf zerdeppert. Ein Dialog geht schon mal so: „Haben Sie sich verschluckt?“ „Nein, ich bin noch da.“ Bei dem Thema darf man eben keine falsche Scheu vorm Flachwitz haben.

Tom McGraths Stück von 1976 ist am Theater für Niedersachsen in deutschsprachiger Erstaufführung zu sehen. Rahmenhandlung: Stan und Ollie sind tot und stecken – warum auch immer – irgendwo in einem Zwischenreich auf halbem Weg zum Himmel fest. Dort denken sie an ihr Leben zurück und präsentieren noch einmal Sketche und Songs wie Cole Porters „Be a Clown“ oder „Honolulu Baby“ – wobei Koch als Ollie auch stimmlich mehr Volumen vorweisen kann. Das Ganze ist eine Mischung aus Nummernrevue und Filmgeschichtsstunde.

Perücken, Röcke und Hochwasserhosen

Anne Weilers Bühnenbild erinnert mit Grabstein, Goldschnörkeln und Regentonne (natürlich, Ollie wird hineingestoßen) gleichermaßen an Friedhof, Kinopalast und Vorstadtgarten. Die beiden Hauptakteure – assistiert von Pianist Nils Gassmann, der nebenbei als Polizist streng seinen Schnurrbart zwirbelt – bauen die Bühne praktisch permanent um. Und ständig lässt Regisseur Jürgen Lorenzen sie in neue Rollen schlüpfen: Laurel verwandelt sich in Hardys Mutter, Hardy in Laurels Geliebte. Perücken und Röcke kommen ebenso zum Einsatz wie die Hochwasserhose und das zu enge Jackett.

Man könnte in der Geschichte dieser großen Komödianten von den Abgründen hinter der Slapstickfassade erzählen, von der Tragödie aller Clowns. Die Biografien von Laurel und Hardy böten da genügend Stoff mit zahlreichen zerbrochenen Ehen und mit den Brüchen in ihrer Karriere, die damit endete, dass die beiden 1950 als abgehalfterte Altstars in Frankreich einen letzten, miserablen Film drehten. Man könnte ihre Geschichte auch als Geschichte von verkannten Genies erzählen. Schließlich schufen sie Meisterwerke über das Scheitern – und diese wurden verstümmelt und in den Siebzigern im ZDF-Vorabendprogramm verramscht.

Lorenzens Inszenierung hingegen will vor allem komisch sein. Sie macht Witze über Witzemacher – und das ist eine Disziplin, in der man sehr gut sein muss, um zu punkten. Bei der fast ausverkauften Hildesheim-Premiere zündet folglich nicht jeder Gag, und am Ende ist nicht ganz klar, worin eigentlich die Größe der Kunst von Laurel und Hardy lag.

Dafür gelingt es Götz und Koch, den Originalen in Mimik und Gestik beeindruckend nahezukommen: Das Krawattenbefummeln, das entschlossene Kopfnicken, die allein aus Korpulenz geborene Autorität – Koch ist praktisch die Reinkarnation Hardys. Das verdutzte Kopfkratzen, das hagere Grinsen, das doppelte Hinschauen, um etwas einmal zu begreifen – all das macht Götz zum Wiedergänger Laurels. Am Ende gibt es vor allem für die beiden lang anhaltenden Applaus.

Weiter am 31. Januar in Hildesheim, am 3. Februar in Burgdorf, am 5. und 12. Februar in Hildesheim.

Weitere Infos unter (0 51 02) 16 93 16 93.

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