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Schauspiel Hannover erinnert an Heiner Müller

Dramatiker Schauspiel Hannover erinnert an Heiner Müller

Das Schauspiel Hannover erinnert an den Dramatiker Heiner Müller – und der Schauspieler Jürgen Kuttner steuert dazu einige Videoschnipsel bei.

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„Take one, get two“: Jürgen Kuttner und sein Konterfei im Schauspielhaus.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover . Der Schauspieler hat nichts dagegen. Ob er sich wohl neben die Pappfigur stellen würde, die zu Werbezwecken hier im Foyer des Schauspielhauses aufgestellt ist? Die Fotografin sucht ein originelles Motiv. Klar, warum nicht? Jürgen Kuttner stellt sich neben Jürgen Kuttner aus Pappe und schaut in die Kamera. „Take one, get two“, scherzt er, und, angesichts des Umstands, dass ihn die Pappfigur ein wenig überragt: „Ich bin kleiner als ich.“ Kurz darauf sagt er noch: „Das nennt man Selbstdarstellung.“ Drei Gags in weniger als einer halben Minute – muss man auch erst mal hinkriegen.

Kuttner kann das. Er hat reichlich Erfahrung in der Kunst der Improvisation. Lange hat er für den Hörfunk gearbeitet. Und für das Theater hat er ein besonderes Format erfunden: Er zeigt ein paar ausgewählte Videoschnipsel und erzählt dazu. Frei. Und sehr originell. Für einen dieser Videoschnipselimprovisationserzählabende soll der Pappkuttner im Foyer des Schauspielhauses ein bisschen Werbung machen. Der Schnipselabend ist Teil einer großen Heiner-Müller-Gedenkveranstaltung am Sonntag, 17. Januar. Um 17 Uhr wird „Der Auftrag“ gespielt, ein großes Stück von Heiner Müller um das Ende einer Revolution und um Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Danach, um 18.40 Uhr, gibt es im Foyer eine Diskussionsrunde mit dem Müller-Experten Frank Raddatz, Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, und zum Abschluss um 21 Uhr veranstaltet Jürgen Kuttner auf der Cumberlandschen Bühne einen seiner beliebten Videoschnipselabende. Unter dem schönen Titel „Müller? Den Namen wird man sich merken müssen!“ präsentiert er ein paar Filmausschnitte und spricht über Heiner Müller.

„Für Müller braucht man keinen Anlass“

Heiner Müller starb am 30. Dezember 1995. Dass der Gedenktag in Hannover fast drei Wochen zu spät kommt, ist für Jürgen Kuttner kein Problem. Das habe eben gerade so gepasst, sagt er, und außerdem gelte ja wohl: „Für Müller braucht man keinen Anlass.“

Sein persönliches Verhältnis zu Heiner Müller wird beim Schnipselabend sicher auch eine Rolle spielen, Kuttner ist zwar promovierter Kulturwissenschaftler, aber zu akademisch dürfte es eigentlich nicht werden. Kuttner pflegt meist eine eher subjektive Perspektive. „Müller begleitet mich, seit ich 17 bin“, sagt der Schauspieler. Beim Philosophen Wolfgang Heise hat Jürgen Kuttner Kulturwissenschaft studiert. Der wiederum war mit Heiner Müller befreundet. Heiner Müller, sagt Kuttner, sei eine „Orientierungs- und Leitfigur“ für Intellektuelle in der DDR gewesen. Müller lieferte die „präzisesten Analysen zur Situation der DDR und der Welt“. Seine Texte habe man damals abgetippt und mit Durchschlagpapier Kopien angefertigt. Persönlich hat er ihn auch kennengelernt, aber eng zusammengearbeitet hat er nicht mit ihm. Was ihm aufgefallen ist: „Er war lässig und cool und von geradezu chinesischer Höflichkeit.“

Und Müller sei immer noch aktuell, davon ist Kuttner überzeugt. Er schwärmt von Dimiter Gotscheffs Inszenierung von „Zement“ vor zwei Jahren in München: „Das ist, als ob ein T34 durchs Publikum fährt.“ Vielleicht sei es jetzt ein wenig still geworden um Müller, aber das werde sich auch wieder ändern: „Müller gehört zu den verdrängten Figuren, es dauert noch zehn bis zwanzig Jahre, bis er wieder richtig präsent wird.“

Man tut was für Dichter

In Hannover tut man etwas für die Präsenz des Dichters. „Der Auftrag“ (mit Corinna Harfouch als Gaststar), inszeniert von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, wurde zu den Wiener Festwochen eingeladen, vom 23. bis 25. Mai wird es drei Aufführungen im Theater an der Wien geben; ein Gastspiel am Deutschen Theater Berlin ist auch geplant.

In der Stadt wurde die Inszenierung schon öfter gespielt, jetzt ist es offensichtlich nicht mehr so leicht, das Theater zu füllen. Jedenfalls gibt es zum Müller-Gedenktag am Schauspiel das „Zwei für eins“-Angebot. Wer eine Karte kauft, erhält eine zweite Karte gratis. Dass manche Stücke nicht so viel Publikum ziehen wie andere, ist Kuttner natürlich klar. Und er hat auch eine Haltung dazu gefunden: „Mein Ehrgeiz besteht nicht darin, das Haus voll zu machen, sondern eine anständige Arbeit abzuliefern.“

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