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Staatsoper Hannover

Stefan Klingele dirigiert „Intolleranza 1960“

Von Stefan Arndt

Zum Saisonauftakt zeigt die Staatsoper Hannover Luigi Nonos „Intolleranza 1960“. Stefan Klingele dirigiert das als schwierig verrufene Stück.
Dirigent Stefan Klingele.

„Ich bin ein ganz normaler Hörer": Dirigent Stefan Klingele.

© Martin Steiner

Erst Henze, nun Nono: Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass alles auf Stefan Klingele hinausläuft, wenn es wirklich ernst wird an der hannoverschen Staatsoper. „Ich bin hier wohl so etwas wie der Mann für die unlösbaren Aufgaben“, sagt der Dirigent und lacht. Vor zwei Jahren hat er kurzfristig die musikalische Leitung in der blutrünstigen Produktion von Hans Werner Henzes „Die Bassariden“ übernommen, nun leitet er zum zweiten Mal ein als schwierig verrufenes Bühnenwerk aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Am 9. September dirigiert er in Hannover die Premiere von Luigi Nonos „Intolleranza 1960“.

Dabei ist Klingele keiner, dessen Leidenschaft allein der Neuen Musik gilt. Zuletzt hat er sich fast zwei Jahre lang intensiv mit Mozarts „Entführung aus dem Serail“ beschäftigt (unter anderem an der Komischen Oper Berlin in der Inszenierung von Calixto Bieito) – „da habe ich mich jetzt richtig nach Nono gesehnt“. In Bremen, wo Klingele acht Jahre lang engagiert war, hat er viele zeitgenössische Opern dirigiert, nicht zuletzt deshalb wurde das Haus in Klingeles letzter Bremer Spielzeit vor drei Jahren von den deutschen Kritikern zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Der Dirigent ist durchaus ein Experte für die neuen Töne – aber ein untypischer.

„Ich bin zunächst auch nur ein ganz normaler Hörer“, sagt er. Sich ein Stück wie „Intolleranza 1960“ nur auf CD anzuhören, „das bringt nichts“, findet er: „Das ist Zwölftonmusik, die nach eigenen Gesetzen komponiert ist – das klingt nun mal heikel.“ Darum hält er es für falsch, das Stück weiter zu verrätseln: „Viele sagen ja, solche Musik sei eher intellektuell, aber das finde ich nicht so wichtig.“ Man müsse sie auch ohne Analyse verstehen können: „Es ist ja eher dramatische Musik – und das sollte man auch hören können.“

In Hannover hat er sich daher zusammen mit dem Regisseur Benedikt von Peter eine ungewöhnliche Präsentationsform überlegt. Statt das Stück wie üblich mit einem Orchester im Graben, Sängern auf der Bühne und Publikum im Saal aufzuführen, haben die beiden das Opernhaus umgeräumt: Die Zuschauerreihen sind mit weißen Tüchern verhängt und nur noch Kulisse im Hintergrund. Die Bühne ist dafür Aufführungsort und Zuschauerraum zugleich. Das Publikum mischt sich unter die Chorsänger. Es wird einbezogen und, so hofft Klingele, auch in den Bann gezogen. „Es wird ein Vollkontakterlebnis“, verspricht er. Das riesige Orchester aber ist überall verteilt – und meist weit weg: In luftiger Höhe über der Bühne, dort, wo sonst nur Beleuchter balancieren, blasen nun die Trompeten. „Das Stück lebt von der Raumwirkung“, sagt der Dirigent, „und ich glaube, dass es phantastisch wirken wird: Der Zauber der Musik kommt endlich einmal zum Tragen.“

Dass die Orchestermusiker die extremen Arbeitsbedingungen ohne Murren akzeptieren, hält Klingele für „wahrscheinlich einmalig in Deutschland“. „Die Musiker waren immer sehr positiv“, sagt er. In solcher Atmosphäre war es vielleicht auch nicht so schlimm, dass Klingele am vergangenen Montag seinen 43. Geburtstag fern von seiner Münchener Familie auf einer Bühnenorchesterprobe in Hannover feiern musste.

Vor der Premiere am 9. September gibt es noch eine öffentliche Probe am Freitag, 3. September, um 18 Uhr. Kartentelefon für beide Veranstaltungen: (05 11) 99 99 11 11.

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