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Theater statt „Tatort": Maria Furtwängler feiert Bühnendebüt
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TV-Kommissarin Charlotte Lindholm Theater statt „Tatort": Maria Furtwängler feiert Bühnendebüt

Maria Furtwängler ist Deutschlands beliebteste TV-Ermittlerin. In Berlin wagte sich die 46-Jährige jetzt erstmals auf die Theaterbühne und feierte mit dem Stück „Gerüchte...Gerüchte..." Premiere.

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Maria Furtwängler spielt auf der Berliner Bühne einen Klassiker des Boulevard-Theaters von Genre-Meister Neil Simon, uraufgeführt 1988 am Broadway.

Quelle: dpa

Berlin. Maria Furtwängler am Sonntagabend, das klingt nach „Tatort“. Nach Charlotte Lindholm, einer Millionenquote, Mord und Totschlag. Doch als die 46-Jährige am Sonntag vor das Publikum trat, saß dieses nicht auf dem Sofa vor dem Fernseher, sondern im Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Das Stück „Gerüchte... Gerüchte...“ mit Furtwängler in einer der Hauptrollen feierte Premiere. Es ist das erste Theater-Engagement für die Schauspielerin.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen, Wenige Tage zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz noch Lampenfieber zugegeben. Als sie das erste Mal für eine Probe auf der Bühne gestanden habe, seien sofort Fluchtgedanken aufgekommen. Dass die Premiere nicht nur von Ehemann Hubert Burda und ihren Kinder Jacob und Elisabeth besucht wurde, sondern auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Ex-Bundesminister Egon Bahr und Familienministerin Ursula von der Leyen gestern auf den „Tatort“ aus Ludwigshafen verzichteten, machte es sicher nicht einfacher.

Das Stück selbst ist ein Klassiker des Boulevard-Theaters von Genre-Meister Neil Simon, uraufgeführt 1988 am Broadway. Der stellvertretende New Yorker Bürgermeister Charley Brock und seine Frau Myra haben zur Party zum zehnten Hochzeitstag geladen. Als die ersten Gäste kommen – Furtwängler und Pasquale Aleardi als Chris und Ken Gorman – hören sie einen Schuss. Der Bürgermeister liegt in seinem Schlafzimmer, blutend, offenbar ein Selbstmordversuch. Von seiner Frau weit und breit keine Spur. Nach und nach kommen immer mehr Gäste. Ken und Chris versuchen erst, den Vorfall zu vertuschen, nach und nach bricht das absurde Lügengebilde aber zusammen. Jede Menge Gerüchte kursieren, gegenseitige Anschuldigungen, der Wahnwitz zieht ein in die New Yorker High Society.

Furtwänglers Chris ist die durchweg naiv-begriffsstutzige Ehefrau, stetig überfordert mit der Gesamtsituation und entsprechend trinkfreudig. Sie fügt sich ordentlich in das Ensemble ein, das mit viel Elan diverse Gebrechen, (Ab-)Stürze und Unfälle auf die Bühne bringt. Neben Furtwängler und Aleardi spielen Julia Bremermann, Nicole Marischka, Ivan Vrgoc, Urs Stämpfli, Nikolaus Szentmiklosi, Alessija Lause, Claas Würfel und Sarah Alles. Diesen anderen, routinierteren Mitgliedern des Ensembles gelingt die Darbietung immer einen Tick souveräner, lauter, überzogener als dem TV-Star. Furtwänglers Fernsehkarriere überschattet ihr Spiel, erst mit fortschreitender Spieldauer schafft Furtwängler auch die Verwandlung vom Promi auf der Bühne zur Figur Chris häufiger. Das Plakative, Überschwängliche – vielleicht Harmlosere – des Boulevard-Theaters passt dafür überraschend gut zu der 46-Jährigen, die bisher im „Tatort“ wenig Gelegenheit hatte, ihr komödiantisches Geschick zu entwickeln.

Das größere Problem des nah am Original gehaltenen Stücks jedoch ist, dass spätestens Menschen, die Englisch beherrschen, sich oft eine Originalfassung wünschen werden, funktionierte doch manch Wortwitz auf Englisch sicher besser. Gelegentlich wirkt „Gerüchte... Gerüchte...“ wie eine amerikanische Sitcom, die in der synchronisierten Fassung an Timing und somit Pointen verliert. Vielen der laut Theater mehr als 10 000 Menschen, die bereits Karten für das bis einschließlich 28. Februar angesetzte Stück gekauft haben, wird aber möglicherweise der große Star auf der Bühne sowieso mehr interessieren als gelegentlich versemmelte Pointen.

Von Sebastian Scherer

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