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Theater Familie Hase spricht über Fake News und Terrorismus
Nachrichten Kultur Theater Familie Hase spricht über Fake News und Terrorismus
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00:19 16.09.2018
Hase Hase spricht zu den Außerirdischen, während sich die Familie am Küchentisch versammelt. Quelle: Stefanie Seeck
Hannover

Der Küchentisch ist das Zentrum. Das Zentrum der Bühne und das Zentrum im Leben der Familie Hase. Dort streiten Eltern, Töchter und Söhne über Terrorismus, schimpfen über Fake News und heben wegen der ungewissen Zukunft ihre Gläser. „Hase Hase“ von Coline Serreau stammt aus dem Jahr 1986, scheint aber für die heutige Zeit geschrieben zu sein. Der Zuschauer kann sich bei der ausverkauften Premiere im Mittwoch Theater in die Charaktere hineinversetzen, die es sich am Küchentisch gemütlich machen, auch wenn es draußen alles andere als gemütlich ist.  

Es läuft nicht rund bei Familie Hase: Vater (Joachim Meyer) verliert seinen Job, Sohn Jeannot (Stefan Mönch) outet sich als Terrorist, sein Bruder Bébert (Tizian Hofmann) versteckt seine Arbeit als Waffenhändler hinter einem Medizinstudium. Die Töchter Marie (Sonja Lück) und Lucie (Lea Kohns) lassen Mann und Verlobten sitzen. Der Jüngste, mit Namen Hase Hase (Maurice Läbe), fliegt vom Gymnasium. Und wer muss es richten? Die Mutter (Kordula Mitschke).

„Aber Spaß macht’s“

Sie hält nicht nur die Familie zusammen, sondern wird auch mit viel Empathie auf die Bühne gebracht. Kordula Mitschke spielt die Betroffenheit über das Schicksal ihrer Familie ebenso überzeugend wie das Glück, ihre Kinder an einem Tisch zu versammeln. Daneben bleiben andere Figuren manchmal blass. Das mag daran liegen, dass Mitschke ihre Rolle vertraut ist. 1996 stand sie schon einmal als Mutter Hase für das Mittwoch Theater auf der Bühne. Dass die Verantwortlichen „Hase Hase“ jetzt wieder herausgekramt haben, liegt auch daran, dass es in die Zeit passt. Eine gute Entscheidung.

In „Hase Hase“ kommt es zum politischen Umsturz. Dass die Handlung dann ins Absurde geraten muss, um zum Happy End zu führen, ist klar: So muss nicht nur Hase Hase ein Außerirdischer sein. Er muss auch alle Soldaten in Frauen verwandeln – wobei die Frauen auf milde Wesen reduziert werden, die Gewalt verhindern. In der ersten Hälfte bewahrt das Stück in der Inszenierung von Till Büthe noch Ernsthaftigkeit. Später gerät es aber durch überdrehtes Schauspiel und Slapstick-Elemente etwas zu sehr ins Alberne.

Am Ende steht dennoch eine Botschaft, die jeder versteht. Am schönsten ist es dort, wo die Familie ist. Eben zuhause: am Küchentisch. Und dort ist nicht nur Platz für die Verwandtschaft. Wie Mutter Hase sagt: „Wenns für vier genug hat, hat’s für elf weniger genug. Aber Spaß macht’s.“

„Hase Hase“ ist im September noch am Sonnabend, 15., und am Mittwoch, 19., zu sehen. Es wird bis Februar gezeigt.

Von Rebecca Hürter

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