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Theaterformen 2011 Niederländischer Pavillon in Hannover wird wachgeküsst
Nachrichten Kultur Theaterformen 2011 Niederländischer Pavillon in Hannover wird wachgeküsst
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13:55 21.06.2011
Die Künstler Anna Rispoli (rechts), Lotte Lindner und Till Steinbrenner beleben für ein Theaterstück den Niederländischen Pavillon in Hannover wieder. Quelle: dpa
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Es sollte ein Symbol für die Zukunft sei: Als die Niederlanden vor elf Jahren ihren Pavillon auf der „Expo 2000“ eröffneten, waren sich Experten und Besucher einig: So könnte man in wenigen Jahrzehnten leben und arbeiten. Auf mehr als 40 Meter hatten die Architekten Landschaften übereinander gestapelt: ein Wald, hochtechnische Wohn- und Arbeitseinheiten, und oben auf dem Dach Windkraftwerke. Ökologisch sollte der Pavillon sein, offen, bunt und mehrschichtig - so, wie sich die Niederlanden zu dem Zeitpunkt selbst sah.

Jetzt, elf Jahre nach der Expo, sind die Niederlande angesichts der Erfolge von Rechtspopulisten nicht mehr uneingeschränkt das Land des Liberalismus, und der Holländische Pavillon steht wie ein Symbol untergegangener Utopien brach und ungenutzt herum. Die Natur hat sich viel zurückerobert. Nachts und am Wochenende kommen die Graffiti-Sprüher, die Skateboarder und BMX-Fahrer, die Liebespaare oder die, die feiern wollen und später dann doch wieder Scheiben einwerfen oder Dinge anzünden. Als „Lost Place“, als verlorener oder verlassener Ort, ist das Gebäude inzwischen auch über Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden.

Während der Weltausstellung im Jahr 2000 war der Holländische Pavillon ein Besuchermagnet. Seitdem rottet das spektakuläre Gebäude ungenutzt vor sich hin.

Doch nun regt sich wieder Leben im Gebäude. Für elf Tage wird der Pavillon zum Spielort des internationalen Festivals „Theaterformen“, eines der wichtigsten im deutschsprachigen Raum. „Der Holländische Pavillon gilt bei vielen als bestes Beispiel für Misserfolg und Fehlplanung. Doch das sehen wir nicht so“, sagt Lavinia Francke, Geschäftsführerin der „Theaterformen“. Für sie ist er eher ein romantischer Ort. Im Herbst 2010 lud sie die italienische Künstlerin Anna Rispoli nach Hannover ein und zeigte ihr verschiedene Orte für eine Performance. Rispoli entschied sich für den Pavillon und machte sich mit dem hannoverschen Künstlerduo Lotte Lindner und Till Steinbrenner an die Arbeit.

In einer Mischung aus Hausbesichtigung, Hörspiel und Performance führen die drei von Donnerstag an Besucher über die verschiedenen Ebenen des Pavillons. Das Gebäude bekommt dabei eine Stimme und erzählt von seiner Geschichte und von der Zukunft. Zwischen alten Bäumen wurde ein postapokalyptischer Garten angebaut. Hier soll der letzte Mensch der Erde leben, mit dem wohl besten Blick auf ganz Hannover und die Region.

„Für mich ist der Pavillon kein negatives Symbol“, sagt Rispoli. „Er zeigt vielmehr, dass wir das Konzept des unendlichen Wachstums überdenken müssen. Die Architektur sowie die Stadtplanung müssen wieder die Bedürfnisse des Menschen ins Zentrum stellen.“ Damit diese bei der Besichtigung auch nicht zu Schaden kommen, wurde im Vorfeld auch die Statik des Gebäudes überprüft und das Haus an vielen Stellen ausgebessert. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden war in dem Fall sehr gut“, sagt Pavillon-Besitzer Olaf Körper. „Man hat gemerkt, dass alle froh waren, dass wieder Leben ins Gebäude kommt.“

Körper hofft nun darauf, dass das Theaterstück der erste Schritt in eine neue Zukunft seines Bauwerks auf dem Expo-Geländes ist. Und er hat dabei einen großen Traum: „Vielleicht wird der Pavillon für Hannover ja das, was der Eiffelturm für Paris ist.“

dpa/sta

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