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„Velma Superstar“ zum Abschluss der Theaterformen in Hannover

Festival zu Ende gegangen „Velma Superstar“ zum Abschluss der Theaterformen in Hannover

Ballett der Bedeutsamkeiten: Mit neuem Theater aus Norwegen, der Schweiz, dem Iran und den USA sind an diesem Wochenende die Theaterformen in Hannover zu Ende gegangen.

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Die Gesten des Geschäfts: „Velma Superstar“.

Quelle: Nicolas Lieber

Hannover. Eine „Melodie der Gesten“ will ­Velma erklingen lassen. Diese ­Melodie beginnt leise und endet laut, denn hinter Velma verbergen sich drei frankoschweizer Musiker, die es gern ordentlich rocken lassen. Aber die Elektropopband aus Lausanne spielt nicht nur Musik, sondern auch mit Musikern und ihren Ritualen. Also zeigen sie mit „Velma Superstar“ zum Abschluss des Theaterformenfestivals in der gut besuchten Staatsoper ein Ballett der Bedeutsamkeiten.

Da stimmt sich links ein Streichquartett ein, und da steht in der Mitte ein Chor bereit (den Velma auf seinen Tourneen jeweils vor Ort aus Freiwilligen rekrutiert). Der Dirigent kommt, verbeugt sich – und das war’s erst mal. Die Sängerin erscheint und verbeugt sich. Man dankt und schwankt. Und geht ab. Kehrt wieder. Ad libitum heißt das in der Musik: nach Belieben. Aber beliebig ist das gar nicht, sondern feinsinnig durchchoreografiert.

Das alles ist als Musiktheaterform nicht wirklich neu, weil die Musikgeschichte durchaus die Selbstreflexion des eigenen Tuns (oder auch Nichttuns) kennt: von Haydns „Abschieds“-Sinfonie mit dem durchkomponierten Abgang der Musiker bis zu John Cages „4.33“, in dem in drei Sätzen nichts gesagt und erst recht nichts musiziert wird.

„Velma Superstar“ wirkt dagegen verspielter, ist ein Divertimento zwischen Nachahmung und Nachäffung. Die Endlosschleifen kommen ins Stocken und ins Trudeln, es gibt Zeitlupe und Beschleunigung – und manchen Anlass zum Juxen. Langsam schleichen sich Töne ein. Und die stumme Sängerin (Arantxa Martinez), die zunächst nur durch ihre Körperhaltung beim Beifallsempfang aufgefallen war, gackert wie ein Huhn: mit virtuoser Beweglichkeit.

So kommt das Geschehen immer mehr ins Trudeln, ins Tänzeln, das zu einem Musette-Tänzchen führt. Alles verschiebt sich. Aus Mitmachern werden Beobachter, aus Betrachtern werden Fans. So gleicht dieser kurze und kurzweilige Abend einer Minimalkomposition zum Thema Erfindung und Selbstfindung. Dann wird es laut, Christophe Jaquet singt, Christian Garcia traktiert die Gitarre, und Stéphane Vecchione darf endlich mehr zum Klingen bringen als nur den einen oder anderen Triangel.

Aber ob „Headbanging“ oder das edle Senken des Kopfes bei der Verbeugung der Sängerin: Ohne Kopfarbeit funktioniert Musik vielleicht als Gefühlssache, aber nicht als Geschäft.

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