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Hannover bebt: AC/DC rocken vor 80.000 Fans

Konzert auf dem Messegelände Hannover bebt: AC/DC rocken vor 80.000 Fans

80.000 Fans haben das hannoversche Messegelände am Dienstag zur Rock-Zone erklärt: Trotz Problemen bei der Anfahrt, die der dichte Verkehr rund um das Gelände mit sich gebracht hatte, erwarteten sie voller Vorfreude die australischen Kultrocker von AC/DC.

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Energischer Auftritt: Lead-Gitarrist Angus Young.

Quelle: Martin Steiner

16.35 Uhr, Linie 6: Der schlaue AC/DC-Fan fährt Stadtbahn. Falls er doch mal ein, zwei Bier trinken sollte. Ergebnis: Farblich alles Schwarzfahrer, rechtlich alle über die Eintrittskarte versorgt.

17.45 Uhr, Messegelände: Das Handyfoto-Syndrom macht auch vor AC/DC-Fans nicht halt. Klaus aus Diepholz stand bis eben noch im Stau und ist glücklich, es trotzdem noch pünktlich zum Krachstart nach Hannover geschafft zu haben. Der 39-Jährige hat sich extra freigenommen, von seiner Arbeit – und von seiner Familie, wie er sagt. Er bittet seinen Kumpel Sascha („Ein alter Schulfreund“), ihn so zu fotografieren, dass die riesigen, roten Plastikhörner auf der Bühne genau über seinem Kopf zu sehen sind. Ein Kontrollblick auf das Display. Zuprosten. Klaus hat Hörner. Fürs Familienalbum.

17.50 Uhr, Haribo-Stand: Er habe „ein paar Platten“, ein richtiger AC/DC-Fan sei er aber eigentlich nicht. Jörg vom Süßigkeitenverchecker Kretschmann verkauft Fruchtgummi und Lakritze in Sichtweite der Bühne. Auf dem Firmenschild steht: „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso.“ Der Verkauf laufe noch etwas schleppend, erzählt der Verkäufer. „Aber das kommt noch.“

AC/DC in Hannover: Bilder vom Konzert auf dem Messegelände im Mai 2010.

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18.01 Uhr, Bühne: Manchmal ist es schwierig, die richtigen Worte zu finden. „Hannover, Rock-City!“, ruft ein ärgerlich dreinschauender Mann namens Wolfgang Pendl von der Bühne. Er ist Sänger der Wiener Metalband Boon. Seine Aussicht ist gigantisch. Mehrere Zehntausend Menschen gucken zwischen Expo-Dach und Messehallen in seine Richtung, er kann sich nun vorstellen, dass er selbst zu AC/DC gehört. Zumindest ein bisschen. Denn Boon ist die Vorband. Die Vorband spielt, heißt: Die Zuschauer trinken weiter Bier, die Lichter auf der Bühne bleiben aus, die Videoleinwand läuft auf Sparflamme. Die Technik spart sich auf. Das Publikum zum Großteil auch.

18.25 Uhr, Merchandising-Stand: Warum stehen Menschen mit AC/DC-Shirt am Fanshirtstand an? Weil sie noch ein Shirt wollen? Oder geht es um den AC/DC-Einkaufssack für zehn Euro? Der Andrang ist enorm, den Soundtrack zum Hardrockshopping liefern noch immer die österreichischen Metalrocker. Pendl schlägt immer noch nicht richtig aus. Vielleicht ist er AC/DC-Fans auch einfach zu kompliziert.

19.05 Uhr, im Graben: Nach ihm kommt nur noch die Band. Thomas ist 31, hat sehr kurze Haare, dafür aber sehr viel Kreuz. Er macht Dehnübungen, wie ein Sportler vorm Hundertmeterlauf. Er steht schon seit mittags hier. Der Sicherheitsmann bewacht ein paar Meter Graben zwischen Bühne und erster Reihe. Mit der Musik von AC/DC kann er nichts anfangen. Er sagt, er sei kein Rocker. Seine Prognose: Es wird laut werden, aber weitgehend friedlich bleiben. Sein Geheimnis für zwölf Stunden noch böser gucken als die Fans: „Nach dem Konzert sind ein paar Scheine mehr im Portemonnaie.“ Das immerhin hätte auch von AC/DC sein können.

19.40 Uhr: Auf der Bühne schreiten jetzt die Solinger Rocker von Accept an die Instrumente, deutsche Hardrocker, die in Altmetallerkreisen einen gewissen Kultstatus genießen und immerhin auch schon seit den frühen Siebzigern in die Saiten dreschen. Sie kommen dem Geschmack des AC/DC-Publikums schon recht nah.

19.51 Uhr, Haribo-Stand: Die Lust auf Süßes hält sich nach wie vor in Grenzen. Jörg, der Verkäufer, ist aber weiter zuversichtlich. Die Rechnung ist einfach: Bei 80 000 Fans wird es genug geben, die irgendwann kein Bier mehr können und lieber 100 Gramm Weingummi kaufen. Es ist nicht Jörgs erstes Rockkonzert als Haribo-Verkäufer. Da lässt man sich von ein bisschen Flaute nicht aus der Ruhe bringen.

19.58 Uhr, Toilettenanlage: „Es kann sich nur noch um Stunden handeln“, sagt ein weiblicher AC/DC-Fan und kneift die Beine zusammen. Allein in dieser Reihe stehen noch 20 Menschen vor ihr. Das türkise Toilettenhäuschen scheint unendlich weit entfernt. In den Reihen links und rechts neben ihr sieht es nicht besser aus. Dafür wird hier mit innovativer Technik gearbeitet: Statt Händewaschen gibt’s Einreiben – mit einem Desinfektionspulver.

21 Uhr: Donnergrollen schreckt sonst eher ab – hier zieht es die Fans magisch an: Das Monstergrummeln signalisiert: Jetzt geht’s los. Mit „Rock ‘n’ Roll Train“, einem Zug, der erst in zwei Stunden wieder zum Stehen kommen wird. Optisch ist alles beim Alten: Gitarrist Angus Young in rotsamtiger Schuluniform, Sänger Brian Johnson mit Schlägermütze. „You like it, right?“ krächzt er ins Mikrofon. Was für eine Frage! Ein kurzes „Yeah!“ aus vielen tausend Kehlen ist unzweideutig. Selbst hinter den Hotdog-Buden unterm Holzdach, dort, wo die Leute wirklich nichts mehr sehen können, werden Fäuste in die Luft gestreckt. Dabeisein ist alles.

21.20 Uhr: Nebenan in der Fischbude gucken die drei reiferen Damen so gequält, als ob sie sich am liebsten Matjes in die Ohren stecken würden. Es ist wirklich ordentlich laut.

21.25 Uhr: Laut ist für die da vorne überhaupt kein Problem. Besonders jetzt nicht. Nach „Back in Black“ spendiert die Band schon den zweiten Klassiker. Das Intro von „Thunderstruck“ gniedelt über das Messegelände. Sänger Johnson ist zwar während der Stücke mitunter kaum zu verstehen, weil er die hohen Töne noch mehr rauspressen muss als früher. Aber die Ansagen versteht jeder. „That was cool“, bekennt er nach dem Song. Auch hier: kein nennenswerter Widerspruch.

21.40 Uhr: Der Haribo-Stand kommt nicht so richtig ins Rocken. Jörg muss Gummi geben. Auf der Bühne „Black Ice“ – kein Klassiker. Das ist eine Chance. Aber nur kurz. „The Jack“ holt alle wieder zurück. Angus Young gibt beim Solo alles, turnt herum, gibt sein letztes Hemd. Und lässt die Hose runter. Zum Vorschein kommt ein weiteres Textil – mit Bandlogo auf der Kehrseite. Das ist AC/DC-Humor. Aber: immerhin. Thomas, der Security-Mann, sitzt direkt vor einer Box. dafür würde mancher Fan zahlen. Thomas trägt Hörschutz. „Ist Pflicht“, brüllt er.

21.50 Uhr: Nächste Probe für Thomas’ Ohren: die Glocke. „Hells Bells“ dröhnt über den Platz, Johnson muss sehr viel schreien bei diesem Song. Er kommt besser durch, als man vermuten konnte.

22 Uhr: Auf dem Expo-Gelände irgendwo hinpinkeln ist seit gestern keine reine Adelsangelegenheit mehr. Aus Austreten wird kurz Wegtreten. Auch das ist eben Rock ’n’ Roll. Auch die ersten Bieropfer werden von Security-Mitarbeitern aus der Menge an die Seite befördert. Die Sonne hat mittlerweile aufgegeben und verschwindet hinter Halle 27. Zur Belohnung schicken die Australier ihr eine Dröhnung Rock hinterher. Die Nacht gehört jetzt AC/DC, seinen Fans und den Songklassikern, die sie verbindet.

22.35 Uhr: Dann „Let there be Rock“, dieses rasende Monument. Der Song wird dank des irren Angus Young zur abgedrehten Gitarrenorgie. Er spielt sie vorne, hinten, auf dem Kopf, mit einer, beiden und manchmal auch ohne Hände. Sie gehorcht ihm. Und die Fans gehorchen dieser mitreißenden, schwitzenden Show auch.

22.47 Uhr: Gerade ist „Let there be rock“ zu Ende. Nach einer knappen Viertelstunde. Wenn das wirklich das Geheimnis des Rock ist, hätte man sich alles andere eigentlich sparen können. Ist es so einfach? „Highway to Hell“ spielt die Band. Und oben auf den Boxentürmen blinken die Teufelshörner. Als ob sie einem zuzwinkern wollten.

Uwe Janssen und Dirk Schmaler

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