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Die 61. Berlinale Die deutschen Filme „Schlafkrankheit“ und „Almanya“ auf der Berlinale
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21:49 13.02.2011
Von Stefan Stosch
Fremde, Freunde: Szene aus „Almanya“. Quelle: Berlinale
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Ulrich Köhler, der als Kind selbst einige Jahre im Kongo lebte, schickt in „Schlafkrankheit“ einen deutschen Entwicklungshelfer nach Afrika. So minimalistisch wie in seinen früheren Filmen „Bungalow“ oder „Montags kommen die Fenster“ beschreibt Köhler den komplizierten Alltag des Arztes Ebbo Velten (Pierre Bokma). Ebbo hat eigenes Personal und ein hoch umzäuntes Haus, ist nicht frei von postkolonialistischen Überlegenheitsgefühlen, vor allem aber ein fähiger Manager beim Kampf gegen die Schlafkrankheit. Ebbo ist in Afrika angekommen, was nicht heißt, dass er dort auch zu Hause ist.

Anfangs darf man noch hoffen, dass der Regisseur eine romantikresistente Skizze eines Europäers in Afrika zeichnet. Dann wollen Ebbos Frau und Tochter zurück nach Deutschland. Ebbo bleibt. Vielleicht liebt er Afrika mehr als seine Frau. Vielleicht fürchtet er auch, sich nach all den Jahren in einer deutschen Kleinstadt noch viel verlorener zu fühlen. Und plötzlich ändert sich die Tonlage des Films, ja, er zerfällt in zwei Teile. Der Regisseur wandelt auf den Spuren von Joseph Conrads schon zigfach variierter Geschichte vom weißen Mann im geheimnisvollen Afrika.

Unfreiwilliger Zeuge davon wird der junge Pariser Arzt Alex (Jean-Chris­tophe Folly), der zwar kongolesische Vorfahren hat, jedoch von Afrika gänzlich überfordert ist. Er soll Ebbos Hilfsprogramm evaluieren – und stößt auf eine langsam verfallende Hühnerfarm. Als er Ebbo endlich begegnet, begibt sich dieser mit dem Gewehr über der Schulter auf die Jagd in den nächtlichen Dschungel. So wie Ebbo quasi vor Alex’ Augen verschwindet, so kommt diese Figur auch dem Kinozuschauer abhanden. Ebbo reist ohne uns ins Herz der Finsternis.

Den Schwierigkeiten mit der Fremde kann man auch anders beikommen. In „Almanya“ – Willkommen in Deutschland“ erzählen die Regisseurinnen Yasemin und Nesrin Samdereli von den in den sechziger Jahren eintreffenden Gastarbeitern und deren Kindern. Dazu gehören die 1973 und 1979 in Dortmund geborenen Schwestern schließlich selbst.

Ihr Kinodebüt „Almanya“ ist das ausgelassen-alberne Gegenmittel zur verbittert geführten Sarrazin-Debatte. Schon deshalb, weil ausnahmsweise aus der Perspektive der anderen Seite erzählt wird. Die Schwestern führen vor, was Anatolier in den Sechzigern von Deutschland dachten: Dort ist es kalt, dreckig, die Menschen haben Krankheiten, sprechen ein unverständliches Kauderwelsch (was sie hier tatsächlich zeitweilig tun), und außerdem essen sie in der Kirche das Fleisch eines Mannes, den sie zuvor ans Kreuz genagelt haben. Unter deutscher Leitkultur verstehen die türkischen Einwanderer bald schon Schützenverein und Mallorca-Urlaub.

Wann immer die Regisseurinnen Klischees und Vorurteile ins Absurde treiben, gewinnt diese Komödie an Biss. Am Ende lässt sich erahnen, wie zerrissen die Wanderer zwischen den Welten bis heute sind – allerdings hat sich die Blickrichtung geändert: Der alt gewordene Hüseyin (Vedat Erincin) bricht mit Kind und Kegel nach Anatolien auf, wo er ein Ferienhaus gekauft hat. Nun reisen seine Nachfahren in die fremde Heimat ihres Großvaters.

Sie hofften, dass Türken wie Deutsche über den Film lachen können, sagen die Schwestern über ihr Ziel. Lachen als Mittel zur Integration – das ist so verlockend, dass daran auch Christian Wulff teilhaben wollte. Mit Ehefrau Bettina besuchte er die Galavorstellung von „Almanya“. Der Bundespräsident versteht sich ja quasi als oberster Integrationsbeauftragter des Landes. Er dürfte sich in diesem Film übers Fremdsein heimisch gefühlt haben.

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