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Die 61. Berlinale Sean Penn sammelt für Erdbebenopfer auf Haiti
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14:39 16.02.2011
Von Stefan Stosch
Bereits zum zehnten Mal wurde während der Berlinale zur Gala „Cinema for Peace“ geladen. Sean Penn berichtete über seine Arbeit in Haiti. Quelle: dpa
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Sean Penn macht manchmal seltsame Dinge für einen Hollywoodstar, der zwei Oscars zu Hause im Regal stehen hat (für „Mystic River“ und „Milk“). Und damit ist jetzt nicht gemeint, dass er in den Achtzigern mal mit Madonna verheiratet war und später gelegentlich Fotografen verprügelt hat.

Penn wird noch ganz anders auffällig: Als die USA 2003 für den Irak-Krieg rüsteten, reiste er in den Golfstaat, um gegen die Einmarschpläne zu protestieren. Mit dieser Aktion machte er sich bei der Mehrheit seiner Landsleute unbeliebt. Und im Vorjahr schwänzte er das Filmfestival von Cannes, obwohl dort sein Thriller „Fair Game“ Premiere hatte; so etwas wäre den Hollywoodkollegen nie passiert. Stattdessen trat Penn vor dem US-Senat auf und trommelte für Hilfe zugunsten des vom Erdbeben heimgesuchten Haitis.

Und nun ist er in Berlin aufgetaucht – ganz ohne Film im Gepäck. Bei der „Cinema for Peace“-Gala am Gendarmenmarkt erhielt der 50-Jährige am späten Montagabend den Ehrenpreis für sein Haiti-Engagement. Den besten Tisch in der Mitte des Konzerthauses hatten die Veranstalter für ihn reserviert bei dieser skurrilen Veranstaltung, die erstmals vor zehn Jahren mit Unterstützung von Bob Geldof über die Bühne ging. „Man könnte denken, das ist alles nur Showbiz“, sagte der Friedensaktivist Geldof in Berlin. „Das ist es auch. Aber die ganze Welt ist Showbiz.“

Prominente wie Heike Makatsch, Christopher Lee, Boris Becker und auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sowie Außenminister Guido Westerwelle dinierten dort am Montag gemeinsam für den guten Zweck. Der Eintrittspreis: 1000 Euro Minimum. Zwischendurch liefen Filmausschnitte, zahlreiche Reden zur Verbesserung der Welt wurden gehalten. In der Vergangenheit wetterten hier auch schon Dustin Hoffman und George Clooney gegen den Irak-Krieg, Richard Gere setzte sich für die Tibet-Hilfe ein.

In dieser Gala saß nun Penn und klatschte brav, wenn ein sozial engagierter Filmkünstler zwischen Vorspeise und Hauptgang ausgezeichnet wurde – an seinen frierenden Fans draußen war Penn achtlos vorbeigelaufen. Manchmal stemmte er auch nur müde den Ellenbogen auf die Tischkante. Dass er erschöpft ist, kann man verstehen: „Ich flog eine Woche nach dem Erdbeben nach Haiti. Ich wollte nur eine Woche bleiben. Doch es gab zu viel zu tun“, sagte er. Er sei Monate geblieben und habe in einem Zelt gewohnt, in dem bloß noch ein Rucksack Platz hatte.

Überprüft haben die Wohnbedingungen Anfang des Jahres Anna Loos und ihr Mann Jan Josef Liefers: Das Ehepaar half Penn auf Haiti. Deshalb sang Loos dann am Montag im Konzerthaus mit ihrer Band Silly auch den Beatles-Klassiker „With A Little Help From My Friends“. Denn den hatte sich Penn gewünscht.

Trotzdem darf bezweifelt werden, ob dem Hollywoodstar das Gefeiertwerden in dieser plüschigen Umgebung angenehm war – zumal er auf den Spuren seiner Ex Madonna wandelte. Die Sängerin, die nebenberuflich als Regisseurin tätig ist, war noch am Wochenende durch Berlin gehastet, um Ausschnitte ihres neuen Films „W. E.“ zu präsentieren.

Doch wer es auf Haiti wochenlang in einem Zelt aushält, der übersteht auch einen Abend Wohltätigkeit im Kameralicht. Zumal sich für Penn die Reise gelohnt hat: Rund eine Million Euro kam für seine Haiti-Hilfe zusammen. „Mit dem Geld werden wir unsere Arbeit fortsetzen und zeigen, dass ihr etwas verändern könnt“, bedankte sich Penn artig. Der Mann kann richtig freundlich sein, wenn es seiner Sache dient.

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