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Filmfestspiele

Hans-Christian Schmid zeigt Film bei Berlinale

Von Stefan Stosch

Er ist einer von drei deutschen Regisseuren im Wettbewerb der Berlinale: Hans-Christian Schmid über seinen Film „Was bleibt“ und Familienschwierigkeiten vielerlei Art.
Hans-Christian Schmid zeigt „Was bleibt“ bei der Berlinale.

Hans-Christian Schmid zeigt „Was bleibt“ bei der Berlinale.

© dpa

Berlin. Herr Schmid, mit „Was bleibt“ haben Sie es bereits das vierte Mal in den Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele geschafft. Ist es noch so aufregend wie beim ersten Mal?
Inzwischen weiß ich zumindest, wie das ganze Prozedere abläuft. Trotzdem steigt die Spannung enorm, je näher die Berlinale rückt. Man kann ja vorher nie sagen, was passiert. Der Film wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, und das in diesem internationalen Rahmen. Alles geschieht bei der Berlinale auf einen Schlag, da lässt sich nicht mehr viel steuern.

Ihr Politdrama „Sturm“ befasste sich mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, also mit einem politischen Stoff. „Was bleibt“ ist ein Familiendrama. Sie ziehen sich sozusagen ins Private zurück. Warum?
Für den Drehbuchautor Bernd Lange und mich ist „Was bleibt“ tatsächlich eine Art Gegenentwurf zu „Sturm“. Wir wollten Spielraum haben für die Entwicklung von Figuren, keine komplizierte Handlung. Ein Ort, eine Zeit. Das war eine Vorgabe. Aber da fehlte natürlich immer noch die Geschichte. Wir haben uns gefragt, was es über uns zu erzählen gibt – über eine Generation, die nach dem Studium in Berlin lebt und ihr Ding macht. Sagen wir mal: über Leute Mitte dreißig.

Was heißt das: ihr Ding?
Die Lebensentwürfe sind oft seltsam unfertig. Bei Abiturtreffen spürt man das beispielsweise. Da gibt es diejenigen mit einem bürgerlichen, festgefügten Leben – die Leute haben Haus, Auto, Familie. Andere sind nach dem Studium irgendwie hängen geblieben, haben sich verzettelt. Sie ziehen ein Zwischenfazit, schauen sich in ihrem Leben um und fragen sich: Was, schon so spät? Bei einer Heimfahrt am Wochenende zu den Eltern eskalieren die Dinge dann recht schnell, wenn man die Frage „Wie geht’s?“ mal anders beantwortet als mit „Alles gut“. Und davon erzählen wir in „Was bleibt“.

Wie viel Autobiografisches ist in den Film geflossen?
Für mich fühlt sich das jedenfalls nahe an dem an, was ich kenne. Das heißt aber nun nicht, dass wir unsere Familienschicksale ausbreiten. In unserem Freundes- und Bekanntenkreis lassen sich allerdings einzelne Elemente wiederfinden.

Was passiert denn nun an diesem Wochenende?
Die Mutter, die glaubt, ihre manisch-depressive Krankheit überwunden zu haben, bringt die ganze Geschichte in Bewegung. Wichtig ist auch die Rollenverteilung: Die Eltern sind in den Siebzigern zu Wohlstand gekommen – das war damals wohl einfacher als heute. Es kommt viel Unerfülltes aus dem Leben der Mutter an die Oberfläche. Sie fordert mehr Wahrheit im Umgang miteinander ein. Das bis dahin halbwegs funktionierende Familienmodell kollabiert.

Es fällt auf, dass die beiden Söhne sich mehr oder weniger als Versager fühlen. Trauen Sie den Mittdreißigern so wenig zu – oder trauen sich diese so wenig zu?
Beiden Söhnen ist es nicht wirklich gelungen, sich von den Eltern abzukoppeln. Sie sind mehr oder weniger finanziell abhängig vom Vater. Der eine Sohn, Marko, lebt als Schriftsteller in Berlin. Die einzige Spur, die er bisher hinterlassen hat, ist sein Kind – und das könnte er in seiner womöglich gerade scheiternden Beziehung verlieren. Sein Bruder Jakob hat in der Kleinstadt seiner Eltern eine Zahnarztpraxis aufgemacht, die der Vater mit seinem Geld am Laufen hält. Jakob ist quasi ein Werkzeug in den Vorstellungen seines Vaters.

Worauf spielt der Filmtitel an? Was  bleibt denn nun?
Das wollten wir halbwegs offen lassen. Der Film stellt jedenfalls eher Fragen. Womöglich hat Marko nach den ungeheuerlichen Vorgängen und der Tragik des Geschehens an diesem Wochenende einen anderen Blick auf seine Position in der Familie. Vielleicht übernimmt er künftig mehr Verantwortung.

Nachdem Sie sich so intensiv mit dem Thema beschäftigt haben: Was hält Familien denn nun zusammen?
Wir haben uns ja eher darauf konzentriert, eine Familie zerfallen zu lassen. Aber wenn ich schon mal den Familientherapeuten spielen soll: Viele Familien halten nur noch deshalb zusammen, weil man schwierige Themen ausklammert und sich dem anderen nicht mitteilt. Die gemeinsamen Begegnungen werden mit Aktivismus – ausgedehnten Menüs, Ausflügen etc. – zugeschüttet. Das Familientreffen ist dann unter Umständen schon zu Ende, bevor man überhaupt erfahren hat, wie es dem anderen wirklich geht.

Bedeutet Familie in Ihren Augen also eher Last als Glück?
Familien können auch Geborgenheit bieten. Die Beziehungen können belastbarer sein als alle anderen im Leben. Das ist sozusagen die optimistische Variante.

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