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Kunstfestspiele Herrenhausen 2010 Caprificus: Installation mit Feige
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15:57 07.06.2010
Quelle: Thomas Goerge, Gerhard Schebler/Kunstfestspiele
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Kommt man als neugieriger Besucher in die Herrenhäuser Gärten, erwarten einen die nächsten Überraschungen: Neben dem Turm steht eine überdimensionierte, begehbare Feige, aus deren Innern schräge Töne erklingen. Ein bemaltes Auto mit Innenleben lockt ebenso zur Erkundung wie die sonderbaren Ausgrabungsmarkierungen auf dem Boden. Caprificus nennt sich diese insgesamt vierteilige Installation, die von den Künstlern Thomas Goerge, Gerhard Schebler und Matthias Lippert erdacht und erschaffen wurde.

Genau die Stelle, an der bis zur Bombardierung 1943 das barocke Schloss stand, haben die drei sich dafür auserkoren. „In dieser perfekten Gartenanlage ist alles auf diesen dominanten Ort ausgerichtet, aber dort ist - nichts“, erklärt Schebler. „Genau diese Wunde des Gartens nutzen wir für unsere Forschungsstation Caprificus II.“

So thront als herausragendes Element während der Festspiele das Wachbett über allem – eine Referenz an die barocken Könige, deren Schlafzimmer stets den Mittelpunkt ihrer Residenz bildete. „Die bildhafte Traumwelt und lebendige Fantasie des Herrschers hält sein Reich am Leben. Die im Schlaf erzeugten Bilder bilden seine unendliche Potenz“, sagt Schebler.

Als Gegenpart dazu steht das Auto – als Expeditionsgefährt Pychopompos. Es symbolisiert alles, was sich außerhalb des perfekten Gartens befindet, all den Schmerz der Welt. Die Künstler wählen dafür einfach verständliche Chiffren wie Tschernobyl und das chinesische Olympiastadion.

Als Verbindungsglied von äußerer und innerer Welt kommt dann die überdimensionierte Feige ins Spiel.

Die Künstler ziehen den Bogen vom Barock zum Postmodernismus: „Bereits der Philosoph Leibniz sprach seinerzeits von der prästabilisierten Harmonie, wir greifen diese Frage nach der Wechselwirkung von Geist und Materie mit der Feige auf“.

Neugierige Besucher haben die Möglichkeit, selbst in die Feige zu schlüpfen und spielerisch die Maschinenoper am eigenen Leib mitzuerleben. Wie die Feigenwespen, die während des als Kaprifikation benannten Bestäubungsprozesses erst das Überleben der eigenen Art garantieren. „Erst die Kaprifikation, also die Verletzung, löst den Vorgang der Befruchtung bei der Feige hervor“, erklärt Thomas Goerge.

Womit die Installation der umtriebigen Künstler wieder beim Anfangspunkt angelangt ist: Der spielerischen Annäherung an den zentralen Punkt der Gärten mittels Kunst und Spiel.

Caprificus – die Maschinenoper findet vom 06. – 26. Juni jeweils Fr, Sa & So um 15 und 17 Uhr statt

Sarah Kniep

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