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Kunstfestspiele Herrenhausen Bei den Kunstfestspielen entfesseln Kinder in Workshops Welten
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22:00 04.06.2011
Spielwiese Herrenhausen: Kinder gestalten einen Triangelgarten um. Marvin bohrt, Landschafts- architekt Marc Pouzol passt auf. Quelle: Martin Steiner
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Auf den ersten Blick hat Wildwuchs im Großen Garten keine Chance: Gestutzte Hecken geben die Blickrichtung vor. Das Wasser steht spiegelglatt in Bassins oder wird mit Pumpenkraft zu rauschenden Halbkugeln gedrückt. Die Natur wird zur Kunst. Entfesselte Welten? Fehlanzeige. Alles scheint wohl geordnet. Selbst das Knirschen des Kieses unter den Schuhen ist so vorhersehbar wie das Wasserspiel am Ende einer Blickachse.
Doch plötzlich dauert es nur einen Wimpernschlag, und die berechenbare Welt gerät durcheinander.

Mandy hat sich einen Eimer geschnappt, in dessen Boden Löcher gebohrt sind. Flink hat sie aus einem der Bassins Wasser geschöpft und ist ein Stückchen weiter über den Kies gelaufen. Nun dreht sie sich so schnell um die eigene Achse, dass nicht nur ihre langen blonden Haare fliegen, sondern auch das Wasser wie bei einem Kreiselbrunnen effektvoll herumspritzt. Mandy ist eine von 16 Schülern der fünften Klasse der IGS Vahrenheide, die beim Workshop „Brunnenbau und Wasserspiele“ von Benjamin Bergmann mitmachen. Heute proben die Schüler einmal, wie es ist, selbst ein lebendiger Brunnen zu sein.

Während der Kunstfestspiele „Entfesselte Welten“, die noch bis zum 19. Juni in Herrenhausen laufen, werden insgesamt vier Projekte für Kinder und Jugendliche angeboten: Zwei davon beschäftigen sich mit Musik, zwei weitere mit dem Großen Garten an sich.

Yvonne, Angelina und Rebecca beispielsweise streichen Bretter weiß. Sie machen mit beim Workshop „Zwischen Ordnung und Wildheit – Ein versteckter Garten im Triangel Z8“. Gemeinsam mit Veronique Faucheur und Marc Pouzol vom französischen Landschaftsarchitekten-Team „atelier le balto“ gestalten die Jugendlichen das Innere der Dreiecksfläche im hinteren Teil des Großen Gartens um. Hinter rot-weißem-Flatterband wuchern hier Brennnesseln. Sie sollen auch bleiben. Auch wenn eine der gestutzten Hecken den Triangelgarten umgibt, heißt das noch lange nicht, dass in seinem Inneren strenge Ordnung gelten muss. Einst wuchsen in den dreieckig angelegten Stücken außer Obstbäumen, die zur Versorgung der Schlossküche dienten, auch Unkraut und Schattengewächse. „Das hat uns der Gärtner der Herrenhäuser Gärten erklärt“, berichtet die 14-jährige Rebecca. Sie ist zum zweiten Mal bei den Kunstfestspielen dabei und hat sich in diesem Jahr für die Landschaftsgärtnerei entschieden. „Das Angebot ist eine super Möglichkeit, einmal etwas mit Kunst zu machen“, findet sie und streicht eifrig die Bretter. Diese sollen Hochbeete umfassen, in denen die Schülerinnen vorgezogene Schattengewächse pflanzen wollen.

Verantwortlich für den geplanten Wildwuchs und die drei weiteren Workshops ist Leonore Leonardy. Der Ideengeber indes war kein geringerer als Gottfried Wilhelm Leibniz: 1675 hatte der Universalgelehrte die Vision einer „Akademie der Spiele“. Bei einer populären Ausstellung sollten Kuriositäten, faszinierende Automaten und Maschinen, Spiele, Kunst- und Raritätenkabinette gezeigt werden. „Leibniz ging davon aus, dass viele Menschen mit ihren eigenen Beobachtungen und ihrer eigenen Begeisterung und Neugier die Wissenschaft voranbringen können“, erklärt Leonardy. Sie denkt schon voraus: Im kommenden Jahr soll es neben musischen und gestalterischen Angeboten einen philosophischen Workshop für Kinder geben. Und noch eine Neuerung will sie angehen: „Wir werden Schulen anbieten, unsere Kurse in Projekttage einzubinden“, erklärt Leonardy.

Im Triangelgarten Z 8 werden die Arbeiten heute abgeschlossen sein. Von Außen werden die Besucher kaum etwas von der Umgestaltung bemerken. Wer jedoch durch das Tor geht, das in den letzten Garten hinten links führt, der kann hinter dem historisch-gestutzten Rahmen durchaus eine kleine entfesselte Welt erleben. Am heutigen Sonnabend werden die Arbeitsergebnisse der Workshops von 16 Uhr an sowohl im „Pavillon der Sinne“ in der Galerie als auch im Großen Garten vorgestellt.

Heike Schmidt

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