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Fritz Langs „Metropolis“ bei den Kunstfestspielen Herrenhausen

Die Zeitmaschine Fritz Langs „Metropolis“ bei den Kunstfestspielen Herrenhausen

Fritz Langs legendäres Filmepos „Metropolis“ wurde mithilfe einer verschollen geglaubten Kopie um eine knappe halbe Stunde verlängert. Dass der Film nun bei den Kunstfestspielen Herrenhausen ausgerechnet ohne diese Musik gezeigt wurde, mag daher verwundern. Stattdessen gab es in der ausverkauften Orangerie Musik von Martin Matalon.

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Musik als Schutzmantel: Expressionistisches Pathos und moderne Klangkulisse.

Quelle: Mahramzadeh

Es war die Kinosensation des vergangenen Jahres: Fritz Langs legendäres Filmepos „Metropolis“ wurde mithilfe einer verschollen geglaubten Kopie um eine knappe halbe Stunde verlängert. Endlich gab es eine Fastoriginalfassung des 1927 uraufgeführten und später nur gekürzt gezeigten Films: Die Begeisterung der Kritiker kannte kaum Grenzen. Eine wesentliche Rolle bei der Rekonstruktion spielte die originale Filmmusik. Die Partitur von Gottfried Huppertz gab den Takt vor, in den sich die neu aufgefundenen Bilder einfügen mussten. Dass die neue „Metropolis“-Version nun bei den Kunstfestspielen Herrenhausen ausgerechnet ohne diese Musik gezeigt wurde, mag daher verwundern.

Stattdessen gab es in der ausverkauften Orangerie Musik von Martin Matalon: Der argentinische Komponist hatte schon 1995 die damals aktuelle Fassung des Filmes vertont. Seine nun der verlängerten Spieldauer angepasste Partitur entfaltet eine im Kino ungewohnte Wirkung: Man nimmt die Musik, die sonst als akustische Illustration empfunden wird, als solche eigenständig wahr. Das Publikum muss daher doppelt aufmerksam sein: Man ist Zuhörer und Zuschauer zugleich.

Doch was zunächst stört, erweist sich bald als Vorteil. Schließlich war Matalon durchaus darauf bedacht, viele Korrespondenzen zu den Bildern zu schaffen: Seine Musik sucht den Puls der gigantischen Maschinen, die Lebensenergie in die Filmstadt Metropolis pumpen. Man hört Dampf und schweres Eisen, den Klang einer längst untergegangenen Schwerindustrie.

Zugleich ist man bei Matalon aber auch in der Gegenwart. Es gibt ungezwungene Improvisationen und wunderbar verschwommene Übergänge zwischen elektronischen und akustischen Klängen. Nicht selten ist die Musik zwar auch einfach so laut, dass man hinhören muss. Aber das tut man allein wegen der Musiker im Laufe des Abends immer lieber: Das Frankfurter Ensemble Modern, dank der Kunstfestspiele nun regelmäßig in Hannover zu hören, muss für den Komponisten am Dirigentenpult ein idealer Partner sein.

Huppertz’ originale „Metropolis“-Musik von 1927, die 2010 bei der Präsentation der neuen Filmfassung gespielt wurde, klingt dagegen so unauffällig wie fast jede Filmmusik. Allerdings waren (Stumm-)Film und Musik damals noch weit entfernt von der perfekten Symbiose, die sie in modernen Filmen eingehen. Gefühl, Spannung, Pathos – all das, was im Kino heute von der Musik erzeugt wird, – stecken bei „Metropolis“ noch allein in den oft expressiv überzeichneten Bildern.

In Herrenhausen wird das besonders auffällig, wenn Matalons moderne Musik verstummt, die vorher wie eine Zeitmaschine gewirkt hat: Sie macht die Distanz zwischen der Entstehungszeit des Filmes und der Gegenwart hörbar und überwindet sie gleichzeitig. Wenn die Bilder einmal ohne den Schutzmantel dieser Musik auf die Zuhörer einwirken, breitet sich Gelächter im Saal aus: Das Pathos der zwanziger Jahre ist uns so fremd, dass es lächerlich geworden ist. Dann setzen die Musiker wieder ein, und der Film ist großartig.

Am Dienstag tritt der Knabenchor Hannover um 20 Uhr im Galeriegebäude auf.

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