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Lumix-Festival Kristoffer Finn: Mehr Nähe wagen
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16:39 10.06.2010
Ein Leben voller Mehl, Staub und Schweiß: Jochen und Betty Gaues in ihrer Backstube. Quelle: Kristoffer Finn

Es ist einer dieser Sätze, die man in Stein meißeln könnte. „If your pictures aren't good enough, you're not close enough“ - Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran. Der Ausspruch stammt von dem legendären amerikanischen Fotografen Robert Capa und gilt unter Reportagefotografen als die goldene Regel schlechthin. Kristoffer Finn, derzeit noch Fotojournalismus-Student an der Fachhochschule Hannover, hat sich diesen Satz zu Herzen genommen - und das ihm innewohnende Rezept für bessere Fotos. „Nah dran sein“, sagt der 28-Jährige, der vor dem Studium eine Lehre zum Industriemechaniker absolvierte, „das meint natürlich viel mehr als einen bestimmten räumlichen Abstand zum Motiv.“ Nähe, das hat für Finn auch und vor allem mit Einfühlung in die Menschen vor seiner Kamera zu tun. Um den Porträtierten ihre Spontanität, ihr Unbefangenheit und Dynamik zu lassen, müsse er, der Fotograf, in den Hintergrund treten, ja, fast schon unsichtbar werden. „Wirklich authentische Bilder sind nur dann möglich, wenn ich nicht als Störenfried wahrgenommen werde“, sagt Finn.

Also ist er bestrebt, sich intensiv auf seine Aufträge - oder auf Neudeutsch: „Shootings“ - vorzubereiten. Finn besichtigt vorab den Schauplatz (oder, abermals neudeutsch, die „Location“) und versucht, sei es durch ein persönliches Gespräch oder ausgiebige Internetrecherchen, so viel wie möglich über die Protagonisten seiner Bilder, über ihr Umfeld und die Ecken und Kanten ihrer Biografien in Erfahrung zu bringen. „Aus der Vorbereitung erwachsen oftmals schon vor dem Shooting detaillierte Bildvorstellungen, manchmal sogar eine ganze Geschichte, die ich erzählen möchte“, sagt Finn.

Doch aller noch so gründlichen Planung zum Trotz: Im Einsatz kommt es vor allem auf Spontaenität und Geistesgegenwart an. Auf das blitzschnelle Erfassen des richtigen Augenblicks, die Fähigkeit, aus einem stetigen Fluss von Ereignissen die intensivsten Momente herauszufiltern und sie - bestenfalls mit präzise gesetzter Schärfe und einwandfreier Belichtung - auf den Kamerasensor zu bannen. „Auf Tunnelblick“ schalte er, wenn er fotografiere, sagt Finn. „Links und rechts gibt's da nicht. Meine ganze Konzentration ruht auf dem Motiv.“ Denn der Übergang von einer alltäglichen zu einer besonderen Situation vollziehe sich äußerst subtil, fast unmerklich. Und wenn er da ist, der kurze Moment, in dem eine starke, unverhüllte Emotion aufblitzt, muss alles stimmen: das Timing, der Bildausschnitt, das Licht, die Kameraeinstellungen. Kein Wunder also, dass nicht jeder Druck auf den Auslöser ein Meisterwerk zur Folge hat: „Ein Foto pro Monat, auf das ich auch später noch gerne schaue, das ist schon was!“, sagt Finn selbstkritisch.

Wahrscheinlich stapelt er damit zu tief, wie seine dem hannoverschen „Brotkönig“ Jochen Gaues gewidmete Fotoreportage zeigt. Gerade einmal zwei Tage begleitete der Fotograf den Bäckermeister und seine Frau Betty durch ihren kräftezehrenden Arbeitsalltag - und schoss dabei rund 2000 Bilder, von denen die gelungensten (und das sind bald zwei Dutzend) unlängst in der Zeitschrift „mare“ veröffentlicht wurden. Die opulente Bilderstrecke bekräftigt eindrucksvoll, wie sehr Kristoffer Finn Robert Capas Forderung nach der Nähe des Fotografen zu Menschen und Szenen - oder, weiter gefasst: zur Wirklichkeit - verinnerlicht hat. Finn zieht den Betrachter mitten hinein in die hektische Betriebsamkeit der Backstube, lässt ihn Mehlstaub schmecken und die drückende Hitze spüren. Die kaum vorstellbare Plackerei - und die Erschöpfung danach. Er lässt ihn den Schweiß des Bäckers riechen, aber auch den feinen Duft von Frischgebackenem. Es ist, als sei man dabei gewesen, als habe man dem Mann mit der Kamera direkt über die Schulter geschaut - und darin liegt die wahre Kunst des Fotoreporters.

„Wirklich authentische Bilder sind nur dann möglich, wenn ich nicht als Störenfried wahrgenommen werde“, sagt Finn.

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