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16:38 24.01.2011
Von Simon Benne

Möglicherweise sind die Langobarden mit irgendwelchen Einflüssen auf die Sprachentwicklung schuld. Jedenfalls kommt es um 500 n. Chr. zur „Zweiten Lautverschiebung“. Aber nur in Teilen Deutschlands. Plattdeutsch ist der Teil der Sprache, der diesen Wandel nicht mitmacht, warum auch immer. Nun ist es mit Platt so wie mit Gold: Je seltener es wird, desto höher steht es im Kurs. Platt lernen lohnt sich.

In unserer lüttjen Platt-Schoole gilt für alle, die Platt lernen wollen, als oberstes Gebot: Nieder mit der Lautverschiebung! Grob gesagt machte diese Lautverschiebung unter bestimmten Bedingungen aus dem „p“ ein „pf“ oder „f“. Sie verwandelte „t“ in „tz“ oder „s“. Und drittens wurde aus „k“ ein „ch“. Auf Sprachlandkarten kann man heute noch eine Scheidelinie sehen. Die „Benrather Linie“ verläuft so etwa von Solingen über Hann. Münden bis Frankfurt/Oder und ist eine Art Plattdeutsch-Äquator: Nördlich sagt man „maken“, südlich „machen“. Um passables Plattdeutsch zu sprechen, ist die Umkehr der Lautverschiebung die halbe Miete. Dann sagt man „dat“ statt „das“ und „ik“ statt „ich“. Die „Katze“ wird zur „Katte“ und der „Apfel“ zum „Appel“.

Zweite Lektion: Im 12. Jahrhundert gab es noch einen Sprachwandel. Bei dieser „Diphthongierung“, einem Lautwandel, wurde aus den langen Vokalen „i“, „u“ und „ü“ jeweils „ei“, „au“ und „eu“. Und wieder machten die Plattdeutschen nicht so recht mit. Deshalb sagt der Hochdeutsche „Mein Haus“, und auf Plattdeutsch heißt es „Mien Hus“. Deshalb heißt es „Kaufbeuren“, aber „Ibbenbüren“, „Schweinfurt“, aber „Swinemünde“. Leider funktioniert die Regel nicht immer. Sonst stünde auf Landkarten ja „Urich“ und „Aulm“ statt „Aurich“ und „Ulm“. Dennoch: Wer Platt sprechen will, muss Vokale austauschen.

Die Feinheiten, die Sie jetzt noch brauchen, sind Kür. Bei Partizipien („gemacht“, „gegessen“ usw.) fällt die Vorsilbe „ge“ einfach weg. Man sagt: „Ik hebbe dat makt.“ Für „Reden“ sagt man je nach Region „Snacken“, „Kören“ oder „Praten“.

Ansonsten vertrauen Sie darauf, dass echte Plattsnacker alles, was ihnen an Ihrer Sprache fremd erscheint, einfach für eine regionale Platt-Besonderheit aus Ihrer Ecke halten.

Übersetzen wir jetzt also unseren ersten Satz gemeinsam ins Plattdeutsche: „Die Katze will saufen, ich mache den Apfel auf, und das Pferd läuft von Schweinfurt nach Swinemünde.“ Mögliche Lösung: „De Katte will supen, ik make den Appel up, un das Peert löpt ümmer rupp un runner.“

Bestanden? Dann sind Sie reif für die Inseln. Gern auch für die Ostfriesischen.

Der Wunsch, Platt an die junge Generation weiterzugeben, ist groß - ob es gelingt, ist auch eine politische Frage.

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