Herr Tesche, Sie waren bei der Weltpremiere von „Ein Quantum Trost“ in London. Wie hat Ihnen der neue James-Bond-Film gefallen?
Mir hat er nicht besonders gut gefallen. Ich denke, die Macher haben da einen Weg eingeschlagen, der nicht zu ihrem Besten ist. Sie orientieren sich bei den Actionszenen sehr an den Jason-Bourne-Filmen – und ich mag den Jason Bourne sehr, sehr gern –, aber eigentlich ist es immer so gewesen, dass die James-Bond-Filme Trendsetter waren und nicht anderen Trends hinterhergelaufen sind. In diesem Fall fand ich das falsch, und es ist ein bisschen schade, dass man einen großen Teil der Actionszenen – im wahrsten Sinne des Wortes – gar nicht wahrnehmen kann, dadurch dass sie eben so schnell geschnitten sind. Sie hinterlassen doch einen schlechten Eindruck.
„Ein Quantum Trost“ stellt erstmals in der Geschichte der Bond-Reihe eine direkte Fortsetzung dar. Was halten Sie von diesem Konzept, und denken Sie, dass es in Zukunft noch öfters Mehrteiler geben wird?
Ehrlich gesagt, diese Information ist falsch. Ich weiß, dass die Presseabteilung das so herausgegeben hat. Aber wenn man sich mit der Bond-Serie beschäftigt, dann wird man sehen, dass ganz viele Filme aufeinander aufbauen oder aneinander anschließen. Ein Beispiel ist das Ende von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Der Film hört damit auf, dass James Bonds Ehefrau, Tracy, erschossen wird, und die ersten Szenen von „Diamantenfieber“ beginnen damit, dass James Bond auf der Suche ist nach Blofeld, der für den Mord an seiner Frau verantwortlich ist. Also deswegen ist das Unsinn.
Gibt es irgendetwas, das Sie an dem Film vermissen?
Ja, da gibt es mehrere Sachen, die ich an dem Film vermisse. Dazu zählt auf jeden Fall so was wie Humor, so was wie Sarkasmus, so was wie Understatement, so was wie britische Eleganz. Und ich vermisse auch weiterhin so beliebte Charaktere wie Miss Moneypenny und Q.
„Casino Royale“ ist der bisher kommerziell erfolgreichste Film der 007-Reihe. Und auch „Ein Quantum Trost“ scheint bei den Kritikern sehr gut anzukommen. Wie erklären Sie sich den Erfolg dieses Neustarts der Bond-Reihe?
Dass der Film bei vielen Kritikern gut ankommt, ist Unsinn. Es gibt eine ganze Reihe von Kritikern, die das nicht so sehen. Und die Zahl ist immens groß, die kann ich Ihnen auch gern vorlesen und zeigen, weil ich die ganzen Kritiken aus anderen Ländern ausgedruckt habe. Es ist auch Unsinn, dass „Casino Royale“ der erfolgreichste Film war. Der erfolgreichste Film der Serie ist immer noch „Feuerball“, kurz danach kommt „Goldfinger“. Die Filme haben wesentlich mehr eingespielt – im Verhältnis zur damaligen Zeit – als „Casino Royale“ oder „Stirb an einem anderen Tag“. Auch diese Information, dass „Casino Royale“ der erfolgreichste Bond-Film war, ist eine Information der Presseabteilung. Aber sie ist nicht wahr.
Der 007-Reihe wird oft nachgesagt, dass sie sich an aktuellen Trends, am Zeitgeist orientiert. Denken Sie, man kann die Figur des James Bond auch noch in 50 Jahren zeitgemäß präsentieren?
Ja, ich glaube schon, dass man das kann. Ich glaube, es war schon immer auch eine Idee der James-Bond-Macher, dass man aktuell ist – möglichst vielleicht sogar ein bisschen seiner Zeit voraus. Das hat man in den sechziger Jahren schon gemacht, denn die Romane sind ja nur von 1953 bis 1964 erschienen – das heißt, es gab gar keine aktuellen Stoffe mehr. Man musste also aktueller sein und versuchen, sich am Zeitgeschmack und natürlich auch an den veränderten politischen, soziologischen und sozialwissenschaftlichen Bedingungen zu orientieren. Das hat man auch gemacht, und das wird man sicherlich auch weiterhin machen. Dadurch dass Ökologie und Ressourcen zurzeit groß thematisiert werden, sind das jetzt auch Themen in einem James-Bond-Film. Auch andere Themen, die im Laufe der Jahre behandelt wurden, wie zum Beispiel die Knappheit von Öl, der Kampf um verschiedene andere Dinge oder der Kampf im Weltraum, der wurde auch thematisiert, sind natürlich nicht alle aus den Romanen entnommen, weil die in ihrer Zeit aktuell waren und dann später eben nicht mehr.
Vielen Dank für das Interview.
Gern geschehen.
Interview: Tim Fischer