„Star Trek: The Next Generation“ (1987-1994)
Im September 1987 startet im amerikanischen Fernsehen der erste Serienableger des ursprünglichen „Star Trek“. Die Abenteuer dieser nächsten Generation spielen rund 100 Jahre später, im 24. Jahrhundert. Auf dem inzwischen fünften Raumschiff mit dem berühmten Namen, der „U.S.S. Enterprise NCC-1701-D“, dringt die Besatzung unter dem Kommando von Captain Jean-Luc Picard immer tiefer in den Weltraum vor.
Ebenso wie schon beim Original setzt sich die Stammcrew auch hier aus ganz unterschiedlichen Charakteren zusammen. Der Erste Offizier, Commander William T. Riker, ist ein draufgängerischer Frauenheld, der davon träumt, irgendwann selbst einmal ein Raumschiff zu befehligen. Einst hatte er eine Affäre mit der Empathin und Halbbetazoidin Deanna Troi, die nun als Beraterin ebenfalls an Bord der „Enterprise“ dient. Navigiert wird das Schiff von dem ersten Androiden in der Sternenflotte, Lieutenant Commander Data. Er ist eine wandelnde Datenbank und bestrebt, immer menschlicher zu werden. Herr über den Maschinenraum ist der blinde Ingenieur Geordi La Forge, der nur mithilfe seines Visors sehen kann. Für die Sicherheit an Bord ist Lieutenant Worf zuständig. Er gehört dem kriegerischen Volk der Klingonen an, mit dem sich die Föderation zu Kirks Zeiten noch im Krieg befand. Aber nicht nur das hat sich seit dem 23. Jahrhundert geändert. Inzwischen befinden sich auch ganze Familien auf der „Enterprise“ – wie etwa die Schiffsärztin Beverly Crusher und ihr Sohn Wesley.
In insgesamt 178 Folgen, verteilt auf sieben Staffeln, führt die neue Crew des Raumschiffs „Enterprise“ Gene Roddenberrys humanistisches Grundkonzept fort. Zwar gibt es auch immer mal wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit profitorientierten Ferengi, verschlagenen Romulanern, kampflustigen Klingonen und dem Borg-Kollektiv, aber ein Leitgedanke zieht sich durch nahezu alle Episoden: Der Gesellschaft der Zukunft geht es nicht mehr um Reichtum oder materielle Dinge, sondern darum, sich selbst zu verbessern und den Rest der Menschheit. Der kulturelle Austausch, die Erforschung des Unbekannten und das Streben nach einer vielfältigen und friedlichen Koexistenz sind die treibende Kraft im Leben.
„The Next Generation“ löste in den frühen neunziger Jahren einen beispiellosen „Star Trek“-Boom aus und gilt vielen Fans bis heute als beste der Ablegerserien. Die Mischung aus Action, Abenteuer, Technik, Charakterzeichnung, philosophischen Fragestellungen und teils recht anspruchsvollen Geschichten funktionierte – und bot eine willkommene Abwechslung zum restlichen Fernsehprogramm, in dem Science-Fiction eine Seltenheit war.
„Star Trek – Treffen der Generationen“ (1994)
Unmittelbar nach dem Serienende schaffte die „Next Generation“ den Sprung ins Kino. Und gleich mit dem ersten Leinwandflug der „Enterprise-D“ gelang ein besonderer Clou: Man hatte nämlich eine Geschichte entwickelt, die es ermöglichte, Captain Kirk auf Captain Picard treffen zu lassen. Damit wurde im Kino nicht nur symbolisch die „Star Trek“-Fackel an die neue Crew weitergegeben, sondern auch den Fans beider Serien ein absolutes Highlight geboten.
Im 23. Jahrhundert kommt James T. Kirk beim Jungfernflug der „Enterprise-B“ scheinbar ums Leben, als das Raumschiff von einem Energieband getroffen wird. Rund 80 Jahre später muss Captain Picard den ebenso brillanten wie gefährlichen Wissenschaftler Dr. Soran stoppen, der bereits ein ganzes Sonnensystem zerstört hat. Dadurch hat er den Kurs des Energiebandes verändert und ist so in den Nexus gelangt, einen Ort ewigen Glücks. Auch Picard wurde in den Nexus gezogen und trifft dort zu seiner großen Überraschung auf Kirk. Nur gemeinsam können sie Soran aufhalten und die Vernichtung des Planetensystems rückgängig machen.
Bewertung: 8/10
„Star Trek – Der erste Kontakt“ (1996)
Der Erzfeind der Föderation, das Borg-Kollektiv, hat einen Weg gefunden, in die Vergangenheit zu reisen. Dort wollen die kybernetischen Wesen den Erstkontakt der Menschen mit den Vulkaniern verhindern. Wenn dieses Zusammentreffen nicht stattfindet, kommt es nicht zur Gründung der Föderation. Dadurch würden die Borg im 24. Jahrhundert auf weniger Widerstand bei ihrem Assimilationszug durch die Galaxis stoßen. Die Besatzung der frisch in Dienst gestellten „Enterprise-E“, die ebenfalls in die Vergangenheit gelangt ist, setzt nun alles daran, dass dieser erste Kontakt zustande kommt.
Mit dem zweiten Leinwandabenteuer der „Next Generation“-Crew hat Regisseur und Riker-Darsteller Jonathan Frakes den bisher besten Film der „Star Trek“-Reihe abgeliefert. Die packende Zeitreisegeschichte überzeugt durch eine gut entwickelte Story und erstklassige Effekte. Auch für Nichtfans unbedingt sehenswert!
Bewertung: 8,5/10
„Star Trek – Der Aufstand“ (1998)
Und wieder hat Jonathan Frakes auf dem Regiestuhl Platz genommen. Der dritte Leinwandflug der „Next Generation“ ist deutlich ruhiger erzählt als sein Vorgänger und orientiert sich stärker an den Grundwerten der Serie. Besonders positiv fallen die Atmosphäre in der ersten Hälfte des Films und die recht tiefgründigen Dialoge auf.
Die Besatzung der „Enterprise“ wird zu einem Planeten im Briar Patch geschickt, auf dem das Volk der Ba'ku angeblich einige Sternenflottenoffiziere und Lieutenant Commander Data gefangen hält. Als Picard und seine Mannschaft dort eintreffen, stellen sie zu ihrer Überraschung fest, dass die Offiziere gar keine Gefangenen sind – vielmehr ist hier eine Verschwörung im Gange, in die auch die oberste Führungsebene der Föderation verwickelt zu sein scheint.
Bewertung: 8,5/10
„Star Trek – Nemesis“ (2002)
Den vierten und letzten Kinofilm der „Next Generation“-Crew inszenierte Stuart Baird. Mit den Action-Streifen „Einsame Entscheidung“ (1996) und „Auf der Jagd“ (1998) hatte der gebürtige Brite, der hauptsächlich als Cutter arbeitet, zwar bereits erste Regieerfahrungen gesammelt, aber mit „Star Trek“ kam er nun zum ersten Mal in Berührung – was sich an einigen Stellen doch etwas negativ auswirkte.
Vor allem vermisst man ein bisschen die Atmosphäre, die in den vorangegangenen Teilen vorherrschte. Zudem wirken einige Szenen wie die gekünstelte Zusammensetzung von beliebten Versatzstücken aus der Serie. Dabei ist die Idee, Captain Picard auf seinen Klon treffen zu lassen, überaus gelungen. Und auch, dass man die Romulaner endlich einmal stärker eingebunden hat, ist ein großer Pluspunkt des Films.
„Star Trek – Nemesis“ hat durchaus seine sehenswerten Momente und bietet solide Unterhaltung, aber als Abschluss für die „Next Generation“-Kinoreihe funktioniert er leider nicht. Dafür ist das Ende einfach zu schwach – und auch die Charaktermomente kommen viel zu kurz. Die Crew, die den Erfolgszug von „Star Trek“ in den Neunzigern einleitete, hätte wirklich einen besseren Abgang verdient gehabt.
Bewertung: 7,5/10
„Star Trek: Deep Space Nine“ (1993-1999)
Für die zweite Ablegerserie aus dem „Star Trek“-Universum hat man ein völlig neues Konzept gewählt. Während die beiden bisherigen Crews auf Raumschiffen durchs All flogen, sollte die Handlung nun auf einer Raumstation spielen.
Nach dem Rückzug der Cardassianer von Bajor hat die Föderation deren Station „Terok Nor“ übernommen und hilft den Bajoranern beim Wiederaufbau ihres Planeten. Die Leitung dieses fernen Außenpostens, der nun „Deep Space Nine“ heißt, hat Commander Benjamin Sisko. Der begeisterte Baseballfan hat seine Frau bei einem Angriff der Borg verloren und zieht auf der Station seinen Sohn Jake allein groß. Sein Verbindungsoffizier zum Planeten ist die temperamentvolle Bajoranerin Kira Nerys. Der von der „Enterprise“ versetzte Miles O'Brien hält als Chefingenieur die runtergekommene Station am Laufen – was nicht immer ganz einfach ist. Ihn verbindet schon bald eine enge Freundschaft mit dem jungen Arzt Dr. Julian Bashir, der unbedingt auf einem Außenposten dienen wollte, um möglichst viele Abenteuer zu erleben. Ihm hat es schon bald die attraktive Wissenschaftsoffizierin Jadzia Dax angetan, die als Trill einen mehrere Hundert Jahre alten Symbionten in sich trägt. Für die Sicherheit auf der Station sorgt der Formwandler Odo, der in dieser Region des Alls der Einzige seiner Art ist. Und dann gibt es noch den verschlagenen Ferengi Quark, der die Bar leitet und stets für ein illegales Geschäft zu haben ist.
„Deep Space Nine“ startete parallel zur sechsten Staffel von „Star Trek: The Next Generation“ und spielt ebenfalls im 24. Jahrhundert – zeitgleich mit den letzten Missionen von Picards „Enterprise-D“. Die Serie ist sehr viel düsterer angelegt als ihre Vorgänger und bietet dadurch erheblich mehr Konfliktpotenzial. Ordentlich Spannung erzeugen bei „Deep Space Nine“ außerdem die staffelübergreifenden Handlungsbögen und zahlreichen Mehrteiler.
Die Crew der Raumstation bekommt es in insgesamt 176 Episoden, verteilt auf sieben Staffeln, mit religiösen Fanatikern und rassistischen Cardassianern zu tun, verbündet sich mit den Klingonen und muss sogar die Romulaner in einen Krieg hineinziehen. Als sich in den späteren Staffeln die Feindseligkeiten mit dem Dominion verschärfen, erreicht „Star Trek“ eine Komplexität und epische Breite, die bislang nie wieder erreicht wurde. Gerade im Angesicht des Krieges sind Sisko und seine Mannschaft immer wieder gezwungen, moralische Werte und ethische Grundsätze zu hinterfragen und neu zu definieren. Und das macht „Deep Space Nine“ nicht nur zur spannendsten „Star Trek“-Serie, sondern auch zur realistischsten.
„Star Trek: Voyager“ (1995-2001)
Die vierte Serie aus dem „Star Trek“-Universum kehrt wieder zu dem Konzept einer Raumschiffbesatzung zurück, die den Weltraum erkundet. Nur ist die „Voyager“ weit abgeschieden vom Föderationsterritorium: Durch einen Zwischenfall ist sie in den Delta-Quadranten versetzt worden und nun 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Gelingt es der Besatzung nicht, einen schnelleren Weg zu finden, dann braucht das Schiff rund 70 Jahre, um nach Hause zurückzukommen.
Auf dem Stuhl in der Mitte sitzt diesmal eine Frau. Unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway sucht die Crew um den Ersten Offizier Chakotay, die Halbklingonin B'Elanna Torres, den Vulkanier Tuvok, den Navigator Tom Paris, den jungen Fähnrich Harry Kim, den talaxianischen Schiffskoch Neelix und den holografischen Doktor immer wieder nach einer Möglichkeit, die Heimreise um ein paar Jahre zu verkürzen. Dabei trifft die „Voyager“ neben den Kazon und Hirogen auch immer wieder auf ihren Erzfeind, die Borg.
Die Serie startete kurz nach dem Ende von „Star Trek: The Next Generation“ und lief parallel zu „Deep Space Nine“. Auch die Abenteuer des Raumschiffs „Voyager“ brachten es auf sieben Staffeln mit insgesamt 172 Folgen. Während das Konzept am Anfang noch einen gewissen Reiz hatte, offenbarten sich schon bald die ersten Schwierigkeiten. Da die „Voyager“ ständig weiter Richtung Erde flog und sich somit nicht lange in derselben Region des Weltraums aufhielt, war es teilweise problematisch, übergreifende Handlungsstränge aufzubauen oder bestimmte Figuren wieder auftauchen zu lassen.
Ein Lichtblick zur Mitte der Serie war die Einführung der Borg-Frau Seven of Nine. Mit einem zusätzlichen Charakter an Bord ließen sich neue Beziehungen knüpfen und vor allem frische Geschichten erzählen.
„Star Trek: Enterprise“ (2001-2005)
Die fünfte und bislang letzte „Star Trek“-Serie spielt etwas mehr als 100 Jahre vor Kirks Zeiten. Die Sternenflotte steckt in den Kinderschuhen, und die Föderation wurde noch nicht gegründet. Im 22. Jahrhundert steht die Menscheit gerade erst am Anfang ihrer Erforschung des Weltraums.
Captain Jonathan Archer erhält das Kommando über das erste Warp-5-Raumschiff, die „Enterprise NX-01“. Getreu dem Motto „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist“ dringt er mit seiner Crew um Vulkanierin T'Pol, Chefingenieur Trip Tucker, Waffenoffizier Malcolm Reed, Navigator Travis Mayweather, Kommunikationsoffizierin Hoshi Sato und den denobulanischen Schiffsarzt Dr. Phlox immer tiefer in die Weiten des Alls vor.
In dem Prequel zur klassischen „Star Trek“-Serie steht vor allem die Beziehung zwischen den Menschen und den Vulkaniern im Mittelpunkt. Es wird der Grundstein für viele spätere Ereignisse gelegt, und man hat auch einige bekannte Völker aus den restlichen Serien eingebaut. So gibt es ein Wiedersehen mit Andorianern, Klingonen, Orionern und sogar den Borg.
Zur Mitte der Serie finden auch aktuelle politische Geschehnisse Einzug in das „Star Trek“-Universum. Nach einem Angriff der Xindi auf die Erde – vergleichbar mit den Terroranschlägen vom 11. September – entsendet man die „Enterprise“ in die sogenannte Ausdehnung – vergleichbar mit Afghanistan oder dem Irak –, um eine noch größere Bedrohung abzuwenden. Dieser Handlungsbogen erstreckt sich über die gesamte dritte Season.
„Star Trek: Enterprise“ brachte es auf vier Staffeln mit insgesamt 98 Episoden. Danach wurde die Serie wegen schlechter Einschaltquoten abgesetzt. Aber gerade die Qualität der letzten Season zeigt, dass „Star Trek“ noch viel Potenzial hat. Hoffentlich wird es in Zukunft auch genutzt.
HAZ.de Anmeldung