Als ich kurz nach 14 Uhr vor dem Theater am Potsdamer Platz eintraf, in dem am Abend für geladene Gäste die Premierenvorführung von „Inglourious Basterds“ stattfinden sollte, waren die Vorbereitungen für die Veranstaltung noch in vollem Gange. Techniker richteten die Scheinwerfer optimal aus, Stellwände mit dem Filmlogo wurden vor dem Pressebereich aufgebaut, und einige Helfer brachten noch die letzten Absperrgitter herbei, die als Trennung zwischen rotem Teppich und Fanbereich dienten.
Die ersten Autogrammjäger waren auch schon da und hatten sich natürlich bereits die besten Plätze hinter den Absperrungen gesichert: direkt dort, wo die Stars am Abend aus ihren Limousinen aussteigen würden. Das Wetter hätte mit viel Sonnenschein und größtenteils wolkenfreiem Himmel nicht besser sein können – auch wenn es für einen kurzen Augenblick nach Regen aussah –, und die Stimmung unter den Wartenden war sehr ausgelassen. Man kam leicht ins Gespräch, berichtete von den Erlebnissen während anderer Filmpremieren und erzählte bereitwillig – oft auch ein bisschen stolz –, von welchem Promi man bei welcher Gelegenheit bereits eine Unterschrift ergattern konnte. Und je näher der Abend rückte, desto spürbarer wurde die Aufregung unter den Anwesenden.
Etwa um 17 Uhr heizte Moderator Steven Gätjen kurz die Fans an und widmete sich dann Probeaufnahmen mit dem Kamerateam. Wenig später fuhr dann auch der Lieferwagen weg, der direkt vor mir im Bereich des roten Teppichs parkte, und ich konnte endlich die ganze Szenerie ungehindert überblicken. Ich stand schräg gegenüber des Fotografenbereichs, nur ein paar Meter von der Stelle entfernt, an der die Stars mit ihren Autos ankommen sollten. Langsam bildeten sich hinter mir auch eine zweite und dritte Reihe, und eine neben mir stehende Tarantino-Anhängerin brachte es auf den Punkt: „Wird eng hier.“
Gegen 17.30 Uhr positionierten sich dann die ersten Fotografen, die Security-Mitarbeiter verteilten sich auf dem roten Teppich, und es herrschte reges Treiben. Blickte man sich um, so sah man überall Fans mit bereitgehaltenen Fotos, Postern, Stiften und Kameras – und viele erwartungsvolle und neugierige Blicke. Inzwischen hatten sich hinter den Absperrungen auch eine vierte und fünfte Reihe gebildet, und das allgemeine Gemurmel wurde zunehmend lauter.
Pünktlich um 18 Uhr eröffnete Steven Gätjen die Premierenveranstaltung und versprach ein „unglaubliches Programm“. Zunächst gab er einige Hintergrundinfos zum Film und meinte, dass Brad Pitt extra für die Fans aus Los Angeles gekommen sei und Quentin Tarantino die Filmschmiede Babelsberg, in der „Inglourious Basterds“ unter anderem gedreht wurde, für „das schönste Studio der Welt“ halte. Kurz darauf animierte der Moderator das wartende Publikum dann zum „Warmschreien“ und führte noch einige Interviews am roten Teppich. Auf die Frage, was er denn von dem Film erwarte, antwortete ein Fan: „Der wird einfach rocken.“ Doch zunächst einmal sollte nicht der Streifen rocken, sondern vielmehr der Macher des Werks: Quentin Tarantino.
Nachdem seit etwa 18.20 Uhr die ersten geladenen Gäste über den Teppich gegangen waren – darunter auch viele deutsche Prominente wie etwa Andrea Sawatzki, Xenia Seeberg, Bernd Eichinger und Axel Schulz –, stieg wenig später der Kultregisseur als erster großer Star des Abends aus seinem Wagen und wurde mit beigeistertem Beifall empfangen. Der Augenblick, auf den die meisten schon seit Stunden gewartet hatten, war endlich da: Quentin Tarantino, Schöpfer von Meisterwerken wie „Pulp Fiction“, „Kill Bill“ und „Death Proof“, stand nun wirklich – live und in Farbe – vor dem Theater am Potsdamer Platz. Mit breitem Grinsen begrüßte der Regisseur die Menge, und seine Freude über den Jubelsturm des Publikums war deutlich spürbar.
Während sich Quentin Tarantino dann auf den Weg machte, um wirklich jedem, der ihn darum bat, seinen Signierwunsch zu erfüllen, begann hinter den Absperrungen langsam ein Kleinkrieg unter den wartenden Fans. Bei den Autogrammjägern waren nicht nur die in „Inglourious Basterds“ mitwirkenden Darsteller sehr begehrt, sondern auch die zahlreichen anderen Promis, die nach und nach eintrudelten. Neben den bereits Erwähnten liefen beispielsweise noch Sven Martinek, Jan Josef Liefers, Oliver Kalkofe, Kaya Yanar, Bettina Zimmermann und Tom Tykwer über den roten Teppich. Wenn man dann – so wie ich – in der ersten Reihe hinter dem Absperrgitter stand, wurde man schon mal halb zerquetscht, aus Versehen bemalt oder zur Seite gedrängt. Und natürlich wurden aus den hinteren Reihen auch immer wieder Poster, Fotos und Stifte über die Köpfe der Vorderen gehalten. Das U-Bahn-Fahren zur Rushhour ist dagegen die reinste Entspannung.
Trotz Hektik und schierer Reizüberflutung meistert man in solchen Momenten irgendwie die im Grunde genommen logistische Unmöglichkeit, eine Digitalkamera, einen Silberstift, die zugehörige Kappe, eine stabile Schreibunterlage und verschiedene Fotos, auf denen man gerne Autogramme hätte, mit nur zwei Händen so zu koordinieren, dass nichts herunterfällt. Denn liegt einmal etwas auf dem Boden, kommt man erst wieder heran, wenn die Veranstaltung vorbei ist und sich die Menschenmenge hinter der Absperrung langsam auflöst. Sobald dann jedoch Quentin Tarantino einen halben Meter vor einem steht und das mitgebrachte „Inglourious Basterds“-Foto signiert, ist all das vergessen, und man genießt nur noch völlig angetan den Augenblick.
Nach dem Regisseur kamen dann jeweils etwas zeitversetzt die im Film mitwirkenden Schauspieler an, darunter Til Schweiger, Christoph Waltz und Diane Kruger. Von den dreien konnte ich ebenfalls ein Autogramm ergattern. Ähnlich begeistert wie Quentin Tarantino wurde natürlich auch der zweite große Star des Abends empfangen: „Inglourious Basterds“-Hauptdarsteller Brad Pitt. Auch er widmete sich ausgiebig den Signierwünschen der Fans. Als er bei mir vorbeiging, war die Menge an ihm hingehaltenen Postern und Bildern jedoch so groß, dass er zum Unterschreiben meines Fotos nicht mehr kam. Schade, denn von ihm hätte ich schon gerne ein Autogramm gehabt. Aber Brad Pitt einmal direkt gegenübergestanden zu haben, hat auch schon was.
Erst als dann alle geladenen Gäste und Stars im Theater zur Filmvorführung verschwunden waren, konnte man die unzähligen Eindrücke der vergangenen Stunden so richtig verarbeiten – und wurde sich plötzlich der enormen Promidichte bewusst, die man gerade erlebt hatte. Als ich dann auf dem Rückweg nach Hannover war, habe ich es eigentlich erst so richtig realisiert: Du hast Quentin Tarantino und Brad Pitt live gesehen. Für mich als eingefleischten Filmfan ist das schon ein überwältigendes Gefühl.
„Inglourious Basterds“ startet offiziell am 20. August in den deutschen Kinos. Ich bin schon sehr gespannt – genauso wie auf die nächste Premierenveranstaltung.
Hier können Sie sich noch ein Interview anhören, das ich mit den Fans am roten Teppich geführt habe:
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