Armand Degas (Mickey Rourke), der wegen seiner indianischen Abstammung auch Blackbird genannt wird, ist ein Profikiller für die Toronto-Mafia. Seit er bei einem missglückten Auftrag versehentlich seinen kleinen Bruder erschossen hat, lebt er zurückgezogen und völlig ohne soziale Beziehungen. Über seinen Beruf denkt er inzwischen auch anders. Um endgültig aus den Diensten seines skrupellosen Bosses entlassen zu werden, stimmt er einem letzten Job zu.
Kurz nachdem dieser ausgeführt ist, trifft Armand auf den Kleinganoven Richie Nix (Joseph Gordon-Levitt), der einen Immobilienmakler erpressen will. Da der aufbrausende Jungspund ihn an seinen toten Bruder erinnert, bietet Blackbird seine Hilfe bei dem Coup an. Doch als sie gemeinsam in der Firma des Geschäftsmannes auftauchen, kommt es zu einer Verwechslung: Statt des Maklers bedroht Richie den völlig verdutzten Wayne Colson (Thomas Jane). Dieser kann zusammen mit seiner Ehefrau Carmen (Diane Lane), die in dem Immobilienunternehmen arbeitet, die Angreifer nach einem heftigen Gerangel in die Flucht schlagen.
Aber schon kurz darauf werden Wayne und Carmen zur Zielscheibe des Killerduos. Weil die beiden Armand gesehen haben, will er sie aus dem Weg schaffen – denn solange sich jemand an sein Gesicht erinnern kann, ist es für Blackbird unmöglich, aus dem Auftragsmördergeschäft auszusteigen. Da das auch dem FBI klar ist, kommen die Eheleute ins Zeugenschutzprogramm. Doch sind sie darin vor Armand und Richie wirklich sicher?
Mit „Killshot“ hat Regisseur John Madden („Shakespeare in Love“, „Corellis Mandoline“) eine geschickte Genremischung aus Drama und Thriller abgeliefert. Besonderen Wert legt er dabei auf die Charakterisierung und Entwicklung seiner Hauptfiguren – und die ausgewogene Darstellung der gegnerischen Fronten. Während der ausgelaugte Blackbird den Ausstieg aus der Kriminalität versucht, müssen die in Trennung lebenden Eheleute Wayne und Carmen im Angesicht der Gefahr wieder miteinander auskommen. Abwechselnd bekommt der Zuschauer diese beiden Lebenssituationen präsentiert. Und schon bald ist klar, worauf das Ganze hinausläuft: Am Ende bleibt nur ein Seite über, der Neuanfang des einen ist zwangsläufig verbunden mit dem Untergang des anderen. Armand kann dem Killergeschäft nur dann unbesorgt den Rücken kehren, wenn alle Zeugen seiner Straftaten tot sind, und für Wayne und Carmen besteht die einzige Chance auf einen Neubeginn ihrer Ehe in der Vernichtung Blackbirds.
Der recht spannende Plot hat zwar einige wenige Längen, aber dafür entschädigt die durchweg gelungene Atmosphäre des Films. Dadurch, dass er größtenteils in Kanada spielt, bietet „Killshot“ zudem viele frische, unverbrauchte Schauplätze, was sich sehr positiv auf den Gesamteindruck auswirkt.
Schauspielerisch beeindruckt vor allem Mickey Rourke („Mann unter Feuer“, „Domino“). Mit seiner grandiosen Darstellung eines abgewrackten Proficatchers in „The Wrestler“ hat er Anfang des Jahres nicht nur gezeigt, was noch alles in ihm steckt, sondern sich auch sehr verdient eine Oscar-Nominierung erspielt – auch wenn er nicht prämiert wurde, ist er für mich dennoch der gefühlte Gewinner der Goldtrophäe. Der zeitlich vor „The Wrestler“ gedrehte „Killshot“ ist fast so etwas wie eine Vorankündigung für seine Glanzleistung. Denn bereits hier überrascht Rourke mit einem sehr intensiven und verletzlichen Spiel. Und die Parallelen zwischen dem Killer Armand Degas und dem Wrestler Randy Robinson sind unübersehbar: Es sind beides erschöpfte Seelen, die für einen Neuanfang kämpfen.
Sehr überzeugend ist auch die Leistung von Diane Lane („Untraceable“, „Jumper“), die in den vergangenen Jahren nur sporadisch im Kino zu sehen war. Carmens emotionales Chaos aus Angst, Verzweiflung und dem Willen zum Widerstand stellt sie hervorragend dar und gewinnt der Figur recht viele Facetten ab. Ihre gemeinsamen Szenen mit Mickey Rourke gehören daher zu den besten des Films – denn dann treffen zwei wahre Schauspielgrößen aufeinander.
Einziges großes Manko des Films ist, dass er zu wenige wirklich mitreißende und vereinnahmende Szenen aufweist. Vergleicht man ihn etwa mit dem grandiosen Thriller „Funny Games U.S.“ von Michael Haneke, der stellenweise ein ähnliches Setting hat und für mich als Referenz für das Genre gilt, dann wird dies besonders deutlich. Die nervenzerfetzende Spannung, die dort aufgebaut wird, als zwei junge Männer mit einer Familie in deren Ferienhaus ihre Psychospielchen treiben, erreicht „Killshot“ leider nie. Auch wirkt der Showdown ein wenig zu übertrieben und passt nicht ganz zu der ansonsten sehr schönen und ruhigen Erzählweise.
Einen Film wie „Killshot“ ordne ich immer in die Kategorie „Gelungene Unterhaltung für zwischendurch“ ein. Er ist kein Highlight des Kinojahres, das man unbedingt gesehen haben sollte, aber dennoch gut genug, um die Vorstellung zufrieden zu verlassen.
Fazit: Mickey Rourke und Diane Lane überzeugen in einem atmosphärischen Thrillerdrama, das viel Wert auf Charakterzeichnung legt, jedoch nicht genügend packende Szenen bietet, um vollends zu begeistern.
Bewertung: 7/10
Ähnliche Filme: „Killshot“ könnte Ihnen gefallen, wenn Sie die Thriller „A History of Violence“ (2005), „Funny Games U.S.“ (2007) und „Untraceable“ (2008) mochten.
Kinostart: 16. Juli 2009
HAZ.de Anmeldung
6