Die meisten Nominierungen hat allerdings „The King's Speech“ erhalten: Das britische Historiendrama ist zwölfmal für den Oscar vorgeschlagen, darunter in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes Original-Drehbuch“. Als nahezu sicher gilt die Auszeichnung für Colin Firth als „Bester Hauptdarsteller“, der für seine Interpretation des stotternden Königs George VI. in diesem Jahr bereits den Golden Globe gewonnen hat.
Mit zehn Nominierungen geht der Western „True Grit“ der Coen-Brüder ins Oscar-Rennen. Im Film geht es um einen Marshal, gespielt von Jeff Bridges, der von einem 14-jährigen Mädchen angeheuert wird, um den Mord an ihrem Vater zu rächen. Ebenso wie „The King's Speech“ ist auch „True Grit“ jeweils in den Königsklassen „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Bester Hauptdarsteller“ für eine der begehrten Goldtrophäen vorgeschlagen.
Die größten Chancen bei der Oscar-Verleihung hat in meinen Augen aber David Finchers achtfach nominiertes Drama „The Social Network“, das schon bei den Goldes Globes als eindeutiger Gewinner hervorging. Das Porträt des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg ist ebenfalls in den prestigeträchtigen Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Bester Hauptdarsteller“ vorgeschlagen. Warum der Film mein Favorit ist? Weil David Fincher sich darin nicht nur äußerst bissig dem jüngsten lebenden Multimilliardär nähert, sondern auch gekonnt das Lebensgefühl der Generation Web 2.0 einfängt – mit pointierten Dialogen, mitreißender Inszenierung und beeindruckender Bildsprache. „The Social Network“ hat wie kein zweiter Film im Jahr 2010 den Zeitgeist getroffen, und genau deshalb könnte er der große Abräumer des Abends werden.
Acht Nominierungen hat auch „Inception“ von Christopher Nolan erhalten, unter anderem in der Kategorie „Bester Film“. Warum der Science-Fiction-Thriller allerdings nicht für die „Beste Regie“ vorgeschlagen wurde, ist mir ein Rätsel. Der Film strotzt geradezu vor innovativ inszenierten Szenen und ist mit Abstand das Kreativste, was im vergangenen Jahr im Kino zu sehen war. Wenigstens ist Regisseur und Autor Christopher Nolan für das „Beste Original-Drehbuch“ nominiert – und wird den Oscar sehr wahrscheinlich auch erhalten. Denn das Skript zu „The Social Network“ fällt ja in die Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und macht „Inception“ somit keine Konkurrenz.
Der Oscar für die „Beste Hauptdarstellerin“ kann eigentlich nur an Natalie Portman für ihre Rolle in „Black Swan“ gehen. In dem Film von Darren Aronofsky spielt sie eine Ballerina, die von tiefen Selbstzweifeln gequält wird. Den Golden Globe hat sie dafür bereits erhalten. Insgesamt ist der Psychothriller fünfmal nominiert, darunter auch in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“.
Weitere Anwärterinnen auf den Darsteller-Oscar sind Annette Bening für „The Kids Are All Right“, Nicole Kidman für „Rabbit Hole“, Jennifer Lawrence für „Winter's Bone“ und Michelle Williams für „Blue Valentine“.
Die 83. Verleihung der Oscars, offiziell „Academy Awards“, findet am 27. Februar in Los Angeles statt. Moderieren werden die Gala James Franco, der als „Bester Hauptdarsteller“ für „127 Hours“ nominiert ist, und Anne Hathaway, die im kommenden „Batman“-Film in die Rolle von Catwoman schlüpft.
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