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Fankritik

„The Wrestler“: Mickey Rourke brilliert als abgewrackter Catcher

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Mit seinem neuen Film feiert Mickey Rourke ein spektakuläres Comeback: Im Drama „The Wrestler“ spielt er einen gealterten Sportler, der ein letztes Mal an den Ruhm vergangener Tage anknüpfen will.
Mickey Rourke als Randy „The Ram“ Robinson in „The Wrestler“.

Mickey Rourke als Randy „The Ram“ Robinson in „The Wrestler“.

© Kinowelt

Seine größten Erfolge hatte er in den achtziger Jahren. Mit Filmen wie „9 1/2 Wochen“, „Angel Heart“ und „Johnny Handsome“ machte sich Mickey Rourke international einen Namen und galt vielen als das Sexsymbol schlechthin. Nach einigen Kassenflops Anfang der Neunziger kam jedoch der Karriereeinbruch. Rourke schlug sich hauptsächlich mit Nebenrollen in zweitklassigen Filmen durch und versuchte nebenbei, eine Laufbahn als Profiboxer einzuschlagen – auch das nur mit mäßigem Erfolg.

In den vergangenen Jahren konnte er durch seinen Auftritt in „Mann unter Feuer“ und die beiden Hauptrollen in „Sin City“ und „Domino“ immerhin im Actionkino vollends überzeugen, aber dass er einen Film komplett allein tragen kann, hätten ihm wohl die wenigsten zugetraut. Regisseur Darren Aronofsky hatte jedoch genau dieses Vertrauen in den einstigen Star, und diese Zuversicht hat sich mehr als ausgezahlt. In „The Wrestler“ liefert Mickey Rourke die mit Abstand beste Leistung seiner Karriere und verschmilzt förmlich mit seiner Figur Randy „The Ram“ Robinson. Die Parallelität zwischen Schauspieler und Rolle ist dabei unübersehbar – und wahrscheinlich funktioniert der Film auch gerade deshalb so gut.

Randy ist ein gealterter Profiwrestler, der seine größten Erfolge in den achtziger Jahren hatte. Inzwischen ist er buchstäblich ein Wrack: Sein Augenlicht hat nachgelassen, er braucht ein Hörgerät und kann sich nur noch mit verschiedenen Aufputschmitteln fit halten. Er lebt allein in einer Wohnwagensiedlung, weiß nichts mit sich und seinem Leben anzufangen und verbringt den Großteil seiner Zeit im Striplokal. Bietet sich die Gelegenheit, nimmt „The Ram“ immer noch an Wrestlingshows teil, auch wenn seine Kondition bei Weitem nicht mehr die gleiche ist wie vor zwanzig Jahren. Nach einem besonders harten Schaukampf wird Randy dies auch schmerzlich vor Augen geführt: Er bricht mit einem Herzinfarkt zusammen.

Im Krankenhaus macht ihm der behandelnde Arzt klar, dass jedes weitere Besteigen des Ringes seinen Tod zur Folge haben könnte. Seines letzten wirklichen Lebensinhaltes beraubt und konfrontiert mit seiner Einsamkeit, sucht Randy nach einem neuen Lebenssinn. Die Stripperin Cassidy (Marisa Tomei), zu der sich Randy hingezogen fühlt, die aber nichts mit einem Kunden anfangen will, rät ihm, seine lange vernachlässigte Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) zu besuchen. Doch die möchte nichts mit einem Vater zu tun haben, der sie bisher immer nur enttäuscht hat. Erst als der angeschlagene Wrestler trotz seines Gesundheitszustandes über ein Comeback nachdenkt, eröffnet sich ihm eine neue Perspektive.

Auf äußerst feinfühlige und zurückhaltende Art zeichnet „The Wrestler“ das Porträt eines vom Schicksal gebranntmarkten Menschen, der vor den Trümmern seiner Existenz steht. Randy „The Ram“ Robinson ist ein Mann, der für das Wrestling gelebt hat, der sich darüber definiert hat – und der daraus seine Kraft gezogen hat. Nun ist das nicht mehr möglich, und er muss sich zwangsläufig der Leere in seinem Leben stellen. Als die Erkenntnis in ihm wächst, dass seine ruhmreichen Tage lange zurückliegen und Bewunderung ausbleibt, begibt er sich auf die Suche nach menschlicher Nähe und den Resten seiner Familie. Dabei stellt er sich den elementaren Fragen des Lebens: Was bleibt am Ende übrig? Wie werden sich die Menschen an uns erinnern? Wofür soll man kämpfen?

Inszeniert hat Darren Aronofsky sein Porträt äußerst charakternah. Wenn etwa die Handkamera in einer langen Einstellung Randy beim Betreten der Sporträume verfolgt, hat man als Zuschauer das Gefühl, direkt hinter ihm zu gehen. Über seine Schulter blickend, werden wir in seine Welt eingeführt. Und diese Welt verliert niemals an Faszination. Neben der ruhigen und zurückhaltenden Inszenierung besticht der Film vor allem durch eine sehr intensive und glaubwürdige Erzählweise.

Mickey Rourke brachte die vereinnahmende Darstellung von Randy „The Ram“ Robinson im Januar völlig zu Recht einen Golden Globe ein. Für den Oscar war er in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ auch nominiert, jedoch ging der Preis hier an Sean Penn für seine Rolle eines Schwulenpolitikers in „Milk“. Penn ist in dem Film ohne Zweifel überragend, aber Rourke hat in „The Wrestler“ die auszeichnungswürdigere Leistung gebracht und den Oscar daher eigentlich mehr verdient. Ob in den äußerst authentisch wirkenden Wrestlingszenen, den tief emotionalen Charaktermomenten oder wenn Randy im Supermarkt ausrastet – Rourke überzeugt einfach in jeder einzelnen Sekunde des Films.

Auch Marisa Tomei („In the Bedroom“, „Alfie“, „Tödliche Entscheidung“), die als „Beste Nebendarstellerin“ ebenfalls für einen Golden Globe und einen Oscar nominiert war, liefert als Cassidy eine beachtliche und sehr freizügige Leistung. Die Stripperin sehnt sich – ähnlich wie Randy – nach Nähe jenseits des Jobs und dem Gefühl, als Mensch wahrgenommen zu werden. „The Ram“ bietet ihr diese Möglichkeit. Doch Cassidys Prinzip, Berufliches und Privates zu trennen, steht dabei scheinbar im Weg.

Fazit: „The Wrestler“ ist ein ruhig erzähltes und intensives Porträt eines abgewrackten Profisportlers, dessen Schicksal einem aufgrund des beeindruckenden Spiels von Mickey Rourke wirklich nahegeht.

Bewertung: 9/10

Ähnliche Filme: „The Wrestler“ könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Jim Carroll“ (1995) und „Million Dollar Baby“ (2004) mochten.

Kinostart: 26. Februar 2009

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