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„Mittwochs haben wir Krach gemacht“

50. Bühnenjubiläum von Scorpions-Drummer Wolfgang Dziony „Mittwochs haben wir Krach gemacht“

Wolfgang Dziony war der erste Schlagzeuger der Scorpoins. Zu seinem 50. Bühnenjubiläum erinnert er sich an die Anfangszeit der erfolgreichen Rockband aus Hannover, die er 1973 verließ. Am Samstag tritt er mit seiner eigenen Band in Sarstedt auf.

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Die Ur-Scorpions – von links: Joachim Kirchhoff, Wolfgang Dziony, Karl-Heinz Vollmer und Rudolf Schenker.Foto: privat

Hannover. Ich bin kein Abenteurer“, sagt Wolfgang Dziony. An seinem 66. Geburtstag sitzt er entspannt im Biergarten am Lister Turm, mit seiner Frau Karin ist er auf der Durchreise in den Harz. Dziony ist ein Kerl wie ein Baum, und mit seiner ergrauten Mähne und seinem Shirt-Aufdruck „Never Too Old to Rock“ schon von Weitem als Musiker zu erkennen. Wenn er damals, vor gut 40 Jahren, eine andere Entscheidung getroffen hätte, säße er vielleicht nicht hier, sondern wäre irgendwo auf Welttournee. Doch er sagt: „Ich bin kein Abenteurer.“

Genau das hat er damals, 1973, auch Rudolf Schenker gesagt, als der ihn bat, sich die Sache doch noch einmal zu überlegen. Ein Jahr zuvor hatte Schlagzeuger Dziony seinem Freund und Sarstedter Hausnachbarn erklärt, dass er bei den Scorpions aussteigt - schweren Herzens, aber doch ohne Zweifel: „Ich sagte zu Rudolf, dass ich im Monat 1200 Euro bräuchte, um die Miete zu bezahlen und die Familie zu ernähren. Er sagte, dass er das nicht garantieren kann.“ Das erste Album „Lonesome Crow“ war auf dem Markt, die Band spielte 130 Auftritte pro Jahr.

Bereut Dziony den Ausstieg kurz vor dem Durchbruch?

Doch Dzionys Entschluss stand fest: Seine Scorpions-Karriere war - von ein paar Aushilfsgigs kurz darauf abgesehen - zu Ende. Wenige Jahre später ging die Band in Japan und dann im Rest der Welt „ab wie eine Rakete“, wie Dziony es formuliert. Ob es ihm leid tut, dass er Weltruhm, Reichtum und Rockstarleben ziemlich knapp verpasst hat? „Die Frage habe ich 500-mal beantwortet. Mit Nein. Ich bin ein Familienmensch“, sagt er. Seit mehr als 50 Jahren ist Dziony mit seiner Karin zusammen, seit 45 Jahren sind die beiden verheiratet, sie haben zwei erwachsene Söhne, ein Haus in Harsefeld bei Stade, und: „Wir sind gesund, uns geht’s gut.“

Wolfgang Dziony mit Ehefrau Karin: „Ich bin ein Familienmensch."

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Mit seiner alten Band steht Dziony nach wie vor in gutem Kontakt, wird regelmäßig zu Konzerten eingeladen und plauscht dann backstage gern über alte und auch ganz alte Zeiten.

Zum Beispiel über 1965, als er in Sarstedt mit Rudolf Schenker, dem Bassisten Joachim Kirchhoff und dem Gitarristen Karl-Heinz Vollmer eine Band gründete und sie in Ermangelung an einer konsensfähigen Idee Nameless nannte. Das Quartett begann zu üben, und zwar „in der Kneipe meiner Mutter, das war die Wiege der Scorpions. Mittwochs war Ruhetag, dann haben wir da Krach gemacht.“ Kurze Pause. „So muss man es bezeichnen, Musik war das noch nicht.“ In Mutters Kneipe gab es eine Musikbox, in der auch eine Single einer holländischen Band namens The Scorpions zu finden war. Dziony schlug vor, die eigene Gruppe auch so zu nennen und konterte Verwechslungsbedenken mit dem Satz: „Nach Holland kommen wir doch sowieso nicht!“ Eine aus heutiger Sicht grandiose Fehleinschätzung, die im Bandkreis zu einem geflügelten Wort wurde - und auch heute bei alten Schwelgereien noch ist. „Wenn ich Klaus und Rudolf heute sehe“, sagt Karin Dziony, „muss ich immer wieder an den Satz denken: ,Nach Holland kommen wir doch sowieso nicht’.“

Neue Band, neues Glück

Ihr Mann reiste später auch ohne Scorpions durch die Welt, beruflich, für eine Maschinenfirma. Und der Musik ist er auch treu geblieben. Nur heißen seine Mitmusiker heute nicht Rudolf Schenker und Klaus Meine, sondern Jörn Schomacker, Jörg Schöttker, Lothar Kosbü und Andreas Seeling. Gemeinsam sind sie die Ballroom Hamburg Allstars und machen Alte-Schule-Rock, gern auch ein bisschen härter.

Und wenn sie am kommenden Sonnabend von 19 Uhr an auf dem Lichterfest im Sarstedter Innerstebad ein Konzert spielen werden, wird es für einen von ihnen ein ganz besonderes Erlebnis sein - nicht nur, weil ein paar alte Weggefährten wie Bassist Lothar Heimberg vorbeischauen. Sondern auch, weil er in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum feiert. Aber das Thema Alter und Rock hat Dziony ja schon auf seinem T-Shirt abgehakt.

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