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Kultur 80. Geburtstag von Karl-Heinz Kämmerling
Nachrichten Kultur 80. Geburtstag von Karl-Heinz Kämmerling
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15:39 10.05.2010
Von Rainer Wagner

Sein Motto heißt „Wirke, solange noch Tag ist“. Aber am Abend lässt bei Karl-Heinz Kämmerling die Wirkung kaum nach. Was am Donnerstagabend in der hannoverschen Musikhochschule zu erleben war, als seine Schüler und Kollegen den Pianopädagogen an dessen 80. Geburtstag feierten.

Susanne Rode-Breymann, die neue Präsidentin der Hochschule pries den „gedankenreichen Musiker“. Ihr Vor-Vor-Vor-Vorgänger (und Ehrenbürger der Hochschule) Richard Jakoby nannte Kämmerlings Berufung nach Hannover einen „Glücksfall“. Er belegte die „begnadete pädagogische Begabung“ des Jubilars nicht nur mit den 80 nationalen und 50 internationalen Preisträgern, die bei Kämmerling in die Lehre gingen, sondern auch damit, dass 21 seiner Schüler mittlerweile selbst Professoren seien.

Einer davon ist Bernd Goetzke, der als Zwölfjähriger vor 47 Jahren erstmals Kämmerling erlebte. Jetzt ist Goetzke in Hannover Direktor des IFF, des Instituts zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter. In dessen Vorstand wiederum Kämmerling schon deshalb unentbehrlich ist, weil ihm auch die Jüngsten am Herzen liegen. Was am Festabend zu beweisen war.

Levi Julius Sochor etwa erreicht kaum die Pedale des Konzertflügels und spielt doch ein Haydn-Allegro jenseits bloßer Spieluhrmechanik. Die nicht viel ältere Minha Marie Yeo sucht erfolgreich in einem Chopin-Walzer nach der Melancholie. Und Kiveli Dörken findet mit drei Chopin-Preludes zu einer bemerkenswerten Gestaltungskraft.

In Pianistenkreisen ist das Etikett „Kämmerling-Schüler“ ein Markenzeichen. Aber manchem gilt es als Synonym für technisch perfekte Klavierspieler. Und dann wird gerne ein leises „aber“ nachgeschoben, das ein Defizit an Seelenstärke suggerieren soll.

Dieses Klischee scheint sich beim eminent begabten Alexej Gorlatch zu bewahrheiten, der die 12 Chopin-Etüden op. 10 mit aberwitziger Bravour präsentiert. Aber selbst bei ihm ist nachzuhören, wie erfolgreich der Pädagoge Kämmerling seinen Schülern die Absicht nahebringt, „Musik mit Sinn zu begaben“.

Kämmerling fasste in seiner launigen und sinnigen Ansprache noch griffiger zusammen, worum es ihm und in der Musik gehe: Man müsse „greifen und begreifen“. Wie das meisterhaft geht, zeigt anschließend Lars Vogt, der in der Reihe der solistisch erfolgreichen Kämmerling-Schüler ein herausragendes Beispiel eines klugen Musikers und eines glänzenden Pianisten ist. Uneigennützig als Begleiter einer Gambensonate von Bach (mit Julius Berger als Solist). Und souverän in Schumanns Phantasie op. 17: Das ist durchdacht und durchtrieben, reißt mit und regt an. So wird Handwerk zum Kunstwerk.

Auch wenn der Lehrling längst Meister ist, darf der Lehrvater stolz sein. Das Publikum feierte Kämmerling mit Ovationen im Stehen.

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