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08:51 22.10.2015
Nicht perfekt, aber gute Musiker: „Mark Gillespies Kings of Floyd“ im Musikzentrum. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Also ein Wiederaufleben alter Sounds und Zeiten. Die Musikgötter unserer Jugend sind futsch, dann machen wir das eben selbst, lautet offenbar vielerorts das Motto von Musikern der Generation 50 plus. Und des Publikums 50 plus. Coverbands wurde früher nachgesagt, zu blöd für eigene Kreativität zu sein. Heute sind sie angesagt.

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A Tribute to Pink Floyd hat das Musikzentrum Hannover gerockt.

Und die alte Magie ist da. Spätestens beim zweiten Stück, „Money“ vom Album „Dark Side of the Moon“, liegt kollektive Seligkeit im Saal. Den füllt das Publikum nicht völlig, es singt aber mit wie ein halbes Stadion. Die meisten Zuhörer sind ergraut. Man lässt das Hemd über die Hose hängen, das ist cooler und spannt weniger. Einer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wish you were here“. Es sieht schwer nach eigener Batikarbeit aus. Der Schopf des Herrn lässt vermuten, dass er sich mit Farbe auskennt. Wish you were here: Das ist das Mantra des Abends. Wir wünschen uns die alte Musik, die alten Gefährten, unsere alten Ichs zurück. Für ein Livekonzert sind auffällig oft geschlossene Augen zu sehen. „Sooo nah am Original“, schrieb jemand im Netz über die Band.

Richtig: So nah. Aber eben nicht das Original. Wir sind selig, wollten es sein, wollten die Illusion auf dem Parkplatz vor dem Musikzentrum zurücklassen. Doch sie ist mit in den Raum gehuscht und hockt auf unseren Schultern: Das ist ein Surrogat hier. Ein Hirngespinst. Würden wir uns mit einer Kopie unseres Partners abgeben? Alles super. Aber wir haben 2015. Und das ist nicht Pink Floyd.

Doch dann passiert etwas. Bei „Mother“ von der LP „The Wall“: Bandleader Mark Gillespie muss das Fehlen von Sängerin Lucy Wende wegen Erkältung ansagen. Er bittet die Zuhörer sogar, ihm bei den hohen Passagen von „Hey you“ zu helfen. Und von da an tritt zutage, dass die „Kings“ sich zwar einmal quer durch die bekannten „Floyd“-Alben spielen und das auch irre gut können. Aber dass sie keine Kopien sind. Gillespie versucht nicht, das Näseln von Roger Waters zu imitieren. Maurus Fischer ist an der Gitarre möglicherweise sogar versierter als David Gilmour. Und vor allem nicht so unbeteiligt. Fischer liegt anderthalbmal knapp neben dem Ton, der Sound schrabbelt an ein, zwei Stellen, und es ist nicht nur nicht schlimm, dass das so ist. Es ist wunderbar. Spätestens bei „Another Brick in the Wall“ der Hymne der Wir-waren-zu-jung-für-68-Generation, wird klar: Das auf der Bühne sind keine nachgemachten Götter. Es sind Menschen mit derselben Sehnsucht. Plötzlich ist es herrlich, dass sie nicht perfekt sind. Sondern gute Musiker. Und dann noch mit den richtigen Songs.

Als wir nach den Zugaben glücklich ins Freie treten, kauert die Illusion frierend in der Ecke. Wir schauen sie nicht mal mehr an.

Bert Strebe

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