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Kultur Carolin Emcke spricht mit Eva Illouz
Nachrichten Kultur Carolin Emcke spricht mit Eva Illouz
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00:23 17.06.2018
Carolin Emcke und Eva Illouz. Quelle: Meyer-Arlt
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Hannover

Buchstabieren braucht Zeit. Neun Monate nach der Eröffnung der Gesprächsreihe „ABC der Demokratie“, in der die Publizistin Carolin Emcke mit wechselnden Gästen auf der Cumberlandschen Bühne diskutiert, ist man erst beim Buchstaben D angekommen. D wie Demokratie. Zu Gast war die israelische Soziologin Eva Illouz. Weil deren Spezialgebiet die Soziologie der Gefühle ist, ließ man den Buchstaben D recht zügig hinter sich und sprach schon bald das E an – die Emotionen. Es ging um Ängste, Sorgen, Hass, Ärger, Wut, Stolz Enttäuschung und Selbstmitleid.

Eva Illouz stellte das Konzept der „Deep Stories“ vor, das die amerikanische Soziologin Arlie Hochschild entwickelt hat. Die Forscherin hat im südlichen Louisiana mit weißen, politisch eher rechts orientierten Arbeitern gesprochen und darüber das Buch „Fremd in ihrem Land“ geschrieben. Um die Menschen dort zu verstehen, die teilweise gegen ihre eigenen Interessen wählen, hilft es, in emotionale Tiefenschichten vorzudringen. Die Deep Stories müssen nicht wahr sein, können aber helfen, emotionale Wahrheiten ans Tageslicht zu bringen. Im Fall der Arbeitslosen von Louisiana geht es um gebrochenen Stolz, um das Gefühl, abgehängt worden zu sein, um den Wunsch, Selbstwert wieder herzustellen. Am Beispiel der Arbeit von Arlie Hochschild erklärt Illouz, dass es wichtig sei, Emotionen zu verstehen, um politisches Handeln zu verstehen.

Eine Diskussion zwischen der Soziologin und Gastgeberin Carolin Emcke kommt nicht zustande, beide sind davon überzeugt, dass Emotionen keinesfalls aus dem politischen Diskurs entfernt werden sollten.

Erstaunlicherweise wurden die Thesen des Soziologen Richard Sennett nicht einmal gestreift. Sein berühmtes Werk über „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens“, in dem er von den Problemen berichtet, die Emotionen im gesellschaftlichen Miteinander bereiten, trägt den schönen Untertitel: „Die Tyrannei der Intimität“.

Das „ABC der Demokratie“ wird in der kommenden Spielzeit fortgesetzt. Am 25. September geht es um den Buchstaben E und das „Kulturelle Erbe“. Zu Gast ist die Kulturwissenschaftlerin Bénédicte Savoy.

Von Ronald Meyer-Arlt

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