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Kultur Abschiedstour: Jennifer Rostock rocken mit 5000 Fans
Nachrichten Kultur Abschiedstour: Jennifer Rostock rocken mit 5000 Fans
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00:16 17.04.2018
Jennifer Rostock rocken die ausverkaufte Swiss Life Hall in Hannover. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Sie blicken auf ein Meer aus 10.000 erhobenen Mittelfingern, die eigenen recken sie ebenso hoch in die Luft: Mit einem lauten „Nazis raus“ verabschieden sich die fünf Bandmitglieder von Jennifer Rostock von der Bühne. Erst einmal nur kurz. Vier Zugabesongs sowie Kostümwechsel Nummer vier und fünf von Frontfrau Jennifer Weist später ist dann wirklich Schluss in Hannover. Diesmal für länger.

Jennifer Rostock rocken die Swiss-Life-Hall vor 5.000 Zuschauern.

Denn Jennifer Rostock verabschieden sich gerade mit ihrer „Best of“-Tour in eine Pause von unbestimmter Dauer. An diesem Abend reisen die Fünf mit 5000 Fans in der ausverkauften Swiss Life Hall durch die zehnjährige Bandgeschichte, etwas melancholisch – das eine oder andere wehmütige Seufzen kann Weist bei den Liedanmoderationen nicht unterdrücken –, aber auch mit ordentlich Wumms. In manchen Songs behandelt die Band gesellschaftliche Themen wie Migration ("Wir sind alle nicht von hier"), Ehe für alle ("Ein Schmerz und eine Kehle") oder Feminismus ("Hengstin") – die Texte mögen an einigen Stellen platte Floskeln bemühen, doch alles in allem bleiben sie starke Statements. „Wir können halt unsere Fresse nicht halten“, sagt Weist.

So brüllen sie ihre Meinung in die Welt hinaus, saufen auf jedem Konzert Schnaps und Sängerin Weist zeigt viel nackte, tätowierte Haut: Jennifer Rostock waren schon immer extrem, sie sind es noch und werden es wohl auch wieder sein, wenn sie wie angekündigt in Zukunft auf die Bühne zurückkehren. Sie sind extremer als die meisten ihrer (dann doch auffällig oft weiblichen) Fans, die zwar stets brav der Aufforderung Folge leisten und einen Kreis für den Moshpit bilden, dann aber doch eher friedlich nebeneinander hin und her hüpfen als wirklich auszurasten.

Aber Jennifer Rostock können nicht nur politisch, und sie können nicht nur Punkrock. In gefühligen Balladen wie "Schlaflos", "Ich kann nicht mehr" oder "Irgendwo anders" wird diese schrille, oft schon manisch wirkende Jennifer Weist plötzlich ganz sanft, glücklicherweise aber nicht schnulzig. An den ruhigen Stellen, ganz ohne Kreischen, zeigt sie, welche Kraft wirklich in ihrer Stimme steckt. Dazu gibt’s Unplugged-Atmosphäre – wahlweise mit der Akustikgitarre oder dem Piano. Dann folgen wieder schnelle Partynummern, tanzbarer Electro-Pop, Indie und ein bisschen Hip-Hop. Die Jennifer-Rostock-Klassiker eben, der allererste Song der Band „Kopf oder Zahl“ zum Beispiel oder auch „Du willst mir an die Wäsche“.

Nach diesem Rückblick auf zehn Jahre Jennifer Rostock jetzt also erst mal Pause. Das mag nun nicht dem Untergang der Welt gleichkommen, aber irgendwie haben die vier Männer im Hintergrund – an Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug – doch etwas von den apokalyptischen Reitern, die nun das Ende ankündigen. Und Sängerin Weist? Nun, die ist ja bekanntlich keine Stute, sondern eine Hengstin.

Von Johanna Stein

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