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Abschluss der Musiktage: Klangraum wird ausgeleuchtet

Positive Bilanz Abschluss der Musiktage: Klangraum wird ausgeleuchtet

Starkes Konzert und positive Bilanz: Der Abschluss der diesjährigen Niedersächsischen Musiktage bietet ein bewegendes Finale. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Thema "Raum". Im nächsten Jahr soll es um "Beziehungen" gehen. 

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Kraftvoll, doch nicht immer im Gleichklang: Pianist Tzimon Barto (Mitte) mit dem Dirigenten Jukka-Pekka Saraste (rechts). Fotos: Krückeberg (2)

Quelle: Helge Krueckeberg

Hannover. Die Schülerinnen und Schüler verteilen sich im Großen Sendesaal des NDR. In ihren Händen halten sie Kugeln, die sich als Lautsprecher entpuppen. Eine Mitschülerin dirigiert per Handzeichen, in welche Richtung sich deren Klangstrahl richten soll, damit sich der differenziert ausgeleuchtete Klangraum mit aufbereiteten Geräuschen aus dem Schulalltag füllt. Und verweisen mit ihrem Schulprojekt „Klangraum Laterna Magica“ schon auf das, was gleich professioneller folgen wird.

Spielraum für junge Musiker

Kein schlechter Auftakt zum Abschlusskonzert der Niedersächsischen Musiktage, die sich in diesem Jahr das Thema „Raum“ vorgenommen hatten und vielfältige Raumerfahrungen erbrachten. Naturräume, architektonisch eigenwillige Räume von Daniel Libes-kind in Osnabrück, virtuelle Räume und Denkräume, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse mit Musik in Zusammenhang gesetzt wurden.

Sabine Schormann, die Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, konnte eine positive Bilanz ziehen: Die durchschnittliche Auslastung aller Konzerte betrug in diesem Jahr immerhin 91 Prozent, das sind fünf Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Katrin Zagrossek, die Intendantin der Musiktage, hob vor allem die „geschützten Räume“ hervor, in denen junge Musiker sich Neues erarbeiten konnten.

Souveräner Steuermann

Wie man als Komponistin einen Klangraum erobert, führt Kaija Saariaho in ihrem 20-minütigen Opus „Laterna Magica“ vor, das höchst abwechslungsreich Schattennuancen und Klangfarbenabstufungen abfragt und geschickt einsetzt. Das ist eine starke Aufgabe für die Junge Deutsche Philharmonie, die in Jukka-Pekka Saraste einen souveränen Steuermann am Ruder hat. Was zu Beginn wirkt wie das eher zufällige Ausleuchten des Klangraums, entwickelt eine bemerkenswerte Sogkraft.

Noch beherzter zur Sache ging es dann bei Sergej Prokofjews 3. Klavierkonzert. Allerdings hatten der Pianist Tzimon Barto und seine orchestralen Partner zu Beginn ein paar Probleme, sich in ihrem gemeinsamen Klangraum zu finden. Da gab es neben pointiertem Gleichklang von Solopiano und Holzbläsern doch einige Unstimmigkeiten. Und wenn alle im furiosen Schlussspurt von Piano und Orchester gemeinsam das Ziel erreichten, würde das schmücken.

Aber der Amerikaner, der im schwarzen Shirt einen Muskelbau zur Schau stellt, der ihn zum Mucki-Buden-König unter den Pianisten macht, kann auch anders: sensibel, zart, nachdenklich und verspielt. Entsprechend sinnhaft abgestuft tönten die Variationen des zweiten Satzes. Und im Schluss-Allegro zündeten alle Effekte. Nach so viel Vitalität gab sich Barto in seiner Zugabe ganz versonnen. Er spielte den Tango von Isaac Albeniz (den wohl auch kennt, wer den Urheber nicht zu nennen wüsste) so nachdenklich, dass ein Tangotänzer wohl ins Stolpern käme, aber seinen eigenen, etwas verstockten Charme hatte das schon.

Höchst bewegt und bewegend ging es mit Carl Nielsens 4. Sinfonie zu Ende. Dessen sechs Sinfonien sind viel zu selten zu hören. Sie fordern die Musiker mehr als die Hörer, aber die Junge Deutsche Philharmonie meistert das souverän. Jukka-Pekka Saraste führt sie sicher durch alle Klanggewitter von Blech und Schlagzeug. Das klingt bisweilen, als hätten Jean Sibelius und Charles Ives zusammen ein Stück geschrieben, nachdem sie einen kurzen Blick in Bruckner-Partituren und einen tiefen Blick in ein Glas mit stimulierenden Substanzen geworfen hatten.

Rauschhaftes Finale

Im rauschhaften Finale seiner Vierten wetteifern gleich zwei Pauker darum, wer das Sagen hat. Es bleibt bei donnerndem Unentschieden. Entsprechend laut war auch der Beifall. Der etwas rätselhafte Beiname „Das Unauslöschliche“ beschreibt übrigens die Vitalität, die Überlebenskraft. An beidem mangelte es den Musikern nicht.

Im nächsten Jahr soll es bei den Niedersächsischen Musiktagen um „Beziehungen“ gehen.

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