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Achim Reichel lud zur Plauderstunde

50 Jahre Rock Achim Reichel lud zur Plauderstunde

Erst mal redet er fast nur. Im Sitzen. Die akustische Gitarre ruht nahezu unbeachtet auf seinen Knien. Und Achim Reichel hat viel zu erzählen – hier im ausverkauften Expo-Wal vor 400 Zuhörern. In seinem Programm „Solo mit Euch“, das er auf Einladung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen ganz hinten auf dem früheren Weltausstellungsgelände Ost präsentiert, lässt der wohl erste deutsche Superstar des Rock ’n’ Roll seine fünf Jahrzehnte andauernde Karriere Revue passieren.

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Plauderstunde mit dem netten Herrn Reichel im Expo-Wal

Quelle: Steiner

Hannover. In 50 Jahren von den Rattles im Hamburger Star-Club über die psychedelischen Ausflüge zu Beginn der Siebziger, die Shantys und die Vertonungen deutscher Lyrik einige Jahre später bis zu „Sansibar (Aloha Heja He)“ und den neuerlichen Lyrik-Adaptionen danach – es ist viel passiert im Leben des einstmals blonden Jünglings, der mit seinem silbergrauen Bürstenschnitt heute eher an einen US-amerikanischen General erinnert – und ein kleines bisschen an Bryan Adams. Rockmusik in Deutschland – Achim Reichel war komplett dabei. „Darüber will ich auch ein bisschen erzählen“, sagt er.

Tut er dann auch: Eine Anekdote nach der anderen präsentiert er im Plauderton, verhaspelt sich immer wieder, setzt neu an, verliert erneut den Faden, setzt wieder an und ist dabei einfach grundsympathisch. Als säße er in der Kneipe am Tresen neben ein paar Stammgästen, erzählt der mittlerweile 67-Jährige über seine erste Gitarre, die er gegen seinen Plattenspieler eintauschte, über die Anfänge mit den Rattles in „Hamburch“ und die erste England-Tournee mit Little Richard. Das Publikum hängt ihm an den Lippen. So nah war einem „der Achim“ wohl noch nie.

Achim Reichel hat am Sonntagabend im ausverkauften Expo-Wal vor 400 Zuhörern seine fünf Jahrzehnte andauernde Karriere Revue passieren lassen. Sein Programm „Solo mit Euch“, präsentierte er auf Einladung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen.

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Musik gibt es natürlich auch. Zu jedem musikalischen Abschnitt spielt Reichel ein Lied. Zuerst sporadisch und alleine auf der Akustikgitarre. Später mit seinen „alten Weggefährten“ Berry Sarluis und Pete Sage. Begleitet von Akkordeon und Geige erhalten Reichels Lyrik-Adaptionen einen sehr folkigen Charakter. So rockt der „Herr von Ribbeck“ vielleicht nicht mehr ganz so wie früher, entwickelt in der kleinen Trio-Besetzung dafür aber einen ganz eigenen, intimen Charme. Reichels Geschichten und die unverwechselbare Stimme sind zudem echte Gänsehautgaranten, nachzuhören beim „Spieler“, der sein letztes Geld auf die 17 setzt.

Vor den zwei Zugaben, nach fast drei Stunden, kommt er dann, der Hit, der Reichel vom Rocker mit lyrischem Anspruch nur haarscharf an der Schlagerecke vorbeidriften ließ. Trotzdem: „Sansibar“ lieben sie alle im Publikum. Das „Aloha Heja He“ wird zum 400-stimmigen Chor. Achim Reichel ist bester Laune und nimmt die stehenden Ovationen seiner Zuhörer gern entgegen – sitzend natürlich.

Sebastian Harfst

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