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Sein Sound ist der Star

Alan Parsons kommt nach Hannover Sein Sound ist der Star

Er verhalf als Toningenieur Pink Floyd zu ihrem Jahrhundertalbum „The Dark Side of the Moon“, mit seinem Alan Parsons Project verkaufte er selbst Millionen Platten. Am Mittwoch kommt Alan Parsons mit seiner Band und allen Hits nach Hannover.

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Mann der Musikgeschichte: Alan Parsons verhalf als Toningenieur Pink Floyd zu ihrem Jahrhundertalbum „The Dark Side of the Moon“, mit seinem Alan Parsons Project verkaufte er selbst Millionen Platten.

Quelle: Lowery

The Alan Parsons Project ist eine dieser Gibt’s-die-noch-Bands. Weil man lange nichts Neues mehr von ihnen gehört hat, wundert man sich, wenn sie mal wieder auftauchen. Parsons ist gerade auf Deutschland-Tournee. Man erinnert sich gut an die soften Achtziger-Hits „Eye in the Sky“ und „Don’t Answer Me“ sowie an „Tales of Mystery and Imagination“, seine Edgar-Allan-Poe-Hommage. Hatte er es früher nicht abgelehnt, Konzerte zu geben? Wie sieht der Mann eigentlich aus? Ein Bild von ihm hat man nicht vor Augen. Denn er war ja nie der Popstar im Scheinwerferlicht, sondern der Soundfreak im Schatten.

„Ich war ein Plattenproduzent und kein Musiker“, sagt der 66-Jährige. Alan Parsons Project hatte er – wie der Name schon sagt – als Studioprojekt konzipiert und nicht als Band. Die zentralen Figuren waren nicht die Sänger oder Instrumentalisten, sondern zwei Masterminds, er und sein Songwriterpartner Eric Woolfson. Wie Regisseure, die sich für jeden Film die passenden Schauspieler suchen, stellten sie für jedes Album die optimale Besetzung zusammen.

Es gab keinen festen Frontmann, die beiden Hintermänner waren keine „Bravo“-Starschnitt-Typen. Der Sound war der Star. Zwischen 1976 und 1987 erschienen zehn Alben, die sich millionenfach verkauften, obwohl Alan Parsons Project live nicht in Erscheinung trat. Im Studio dirigierte Parsons bisweilen komplette Orchester. Es sei anfangs unmöglich gewesen, den opulenten, vielschichtigen Sound live zu reproduzieren, sagt er. Vielleicht war er auch einfach nur ein bisschen zu schüchtern.

Parsons und Woolfson trennten sich 1990. Sie waren sich uneins, wie es weitergehen soll, hieß es. Während beispielsweise Genesis schon in den Achtzigern auf kürzere Songs setzten, wollte Parsons weiter an epischen Klanggespinsten festhalten. Doch die Prog-Rock-Ära war längst vorbei.

Teil des Nostalgie-Zirkus

Seit 1994 geht er mit seinem „Live Project“ regelmäßig auf Tournee. „Die Sampling-Technologie der Neunzigerjahre machte es möglich“, sagt er. In Hamburg, bei seinem ersten Konzert überhaupt, sei er ziemlich erleichtert gewesen, als der erste Applaus kam. Er hatte tatsächlich Angst gehabt, dass niemand jubelt. Die Unsicherheit schwand. Bald traute er sich sogar zu, „Eye in the Sky“ und „Don’t Answer Me“ zu singen – wie ein Frontmann. „Das hat mich selber überrascht“, sagt er. Auf den Originalaufnahmen ist Woolfson zu hören, der 2009 starb.

Heute ist Parsons Teil des Nostalgie-Zirkus – wie so manche andere Band seiner Generation auch. Er spielt die alten Hits. Ein bisschen putzig wirkt das schon bei einem Mann, der früher immer auf der Suche nach Zukunftsmusik war – wie die Beatles oder Pink Floyd. Beide Bands haben Parsons inspiriert. Ihr Mut, ihre Offenheit für Neues, ihre Experimentierfreude beeindruckten ihn tief. In den EMI-Studios an der Londoner Abbey Road war der damals 19-Jährige dicht dran an beiden Gruppen. Er begleitete die Aufnahmen der letzten beiden Beatles-Alben „Abbey Road“ und „Let It Be“ als zweiter Toningenieur. Durch Pink Floyds Jahrhundertalbum „The Dark Side of the Moon“ von 1973 wurde er zum Star-Tontechniker. Für seinen Sound erhielt er eine Grammy-Nominierung.

Seine Sounds samplen P.Diddy und Scooter

Es vergehe kein Tag, an dem er nicht an den Pink-Floyd-Job denke, sagt er. Das Angebot, auch „Wish You Were Here“ zu betreuen, lehnte er trotzdem ab, leider, wie er heute findet. Er bedauere das. „It’s a shame.“ Doch er hatte inzwischen seine Karriere als Produzent gestartet und genug zu tun. Unter anderem leitete er die Aufnahmen von Al Stewarts Album „Year of the Cat“ sowie der Superhits „The Air That I Breathe“ von den Hollies und „Music“ von John Miles.

Früher belächelten manche Parsons und sein Project, nannten ihn „Handwerker“ und nicht Künstler oder verspotteten seine Konzeptalben als „Pink Floyd für Arme“. Heute samplen angesagte US-Rapper wie Kendrick Lamar, Lil Wayne und P. Diddy, auch DJ Shadow, Scooter und viele andere seine Sounds. Das Instrumental „Sirius“ ist eine Sporthymne, seit die Basketballer der Chicago Bulls um Michael Jordan zu dem Song in ihre Arena einliefen.

Und Parsons zukunftspessimistisches Album „Eye in the Sky“ von 1982 erscheint aktueller denn je. Orwellmäßig warnte er im Titelsong vor totaler Überwachung: „I am the eye in the sky / looking at you / I can read your mind“, heißt es in dem Lied. Das trifft heute nicht nur auf Geheimdienste zu, die E-Mails und SMS mitlesen, sondern auch auf soziale Netzwerke wie Facebook, die das Surfverhalten ihrer Nutzer analysieren. Sollten wir uns dort nicht besser abmelden? „Du kannst vom Weltraum aus eine Zeitung lesen, die in meinem Garten liegt“, antwortet der gebürtige Londoner, der mit seiner Familie auf einer Avocado-Farm im kalifornischen Santa Barbara wohnt. „Wir können uns nicht mehr wirklich vor irgendwem verstecken. Wir leben in einer befremdlichen Welt, die wir uns selbst erschaffen haben.“

Am Mittwoch, 26. August, spielt Alan Parsons Live Project auf der Gilde-Parkbühne. Karten im HAZ-Ticket-Shop und unter Telefon (05 11) 12 12 33 33.

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