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Was Eleganz ausmacht

"Allure"-Austellung in Berlin Was Eleganz ausmacht

Die neue Ausstellung in der Berliner c/o-Fotogalerie trägt den Namen "Allure", und bietet, so wie der Titel schon verrät, Stil und Eleganz.

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Inszenierter Stil: „Sunny Harnett - Evening Dress by Dior“ von Richard Avedon.

Quelle: c/o Berlin
 

Sunny Harnett vermag die Hüfte so sehr durchzudrücken und dabei die Knie so wenig anzuwinkeln, dass sie ihre Silhouette dem Betrachter damit als Linie eines Fragezeichens darbietet, dessen Punkt gleichsam die Lichtreflexe auf dem regennassen Pariser Boulevard zu ihren Füßen setzen. So ist sie neben Kirk Douglas fotografiert, den sie mit ausgestrecktem Arm fernhält, während er schon wie sprungbereit den Fuß aufs Trittbrett des Automobils dahinter setzt.

Was für eine Spannung, welch glitzernder Faltenwurf, was für bildkompositorische Diagonalen! Ist das Eleganz? Hat das Stil? Nun, es ist jedenfalls auch Pose, wenngleich Stil oder Eleganz richtige Übersetzungen des französischen „Allure“ sind. So heißt die neue Ausstellung in der Berliner c/o-Fotogalerie, zu deren 250 Exponaten auch diese Fotografie zählt. 

Der Westküsten-Star und das Ostküsten-Model posieren darauf für Richard Avedon, der die Szene nicht nur festgehalten, sondern wohl sorgsam arrangiert hat. Denn er gilt im Entstehungsjahr der Aufnahme, 1954, längst als Wunderkind der Modefotografie, setzt Luxusgüter von Dior in Szene, arbeitet für Magazine wie „Harper’s Bazar“ oder „Vogue“.

Ist das Eleganz? Hat das Stil? Nun, es ist jedenfalls auch Pose, wenngleich Stil oder Eleganz richtige Übersetzungen des französischen „Allure“ sind. So heißt die neue Ausstellung in der Berliner c/o-Fotogalerie, zu deren 250 Exponaten auch diese Fotografie zählt.

Eingehüllt: "Mode à Longchamp, Givenchy hat, Paris" (1958) von Frank Horvat.

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Was – keineswegs nur bei der Modefotografie, aber mit einem klaren Schwerpunkt bei ihr – die Eleganz menschlichen Auftretens ausmacht, dafür liefert diese Ausstellung von Fotografien aus der Kollektion der Schweizer Sammlerin Susanne von Meiss reichhaltigen Betrachtungsstoff. Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen von einer Aufnahme des Fotopioniers August Sander von 1926 bis in die Gegenwart, sie umfasst europäische ebenso wie US-amerikanische Künstler, bietet Panoramen, Stillleben und Detailaufnahmen und auch dokumentarische Fotos neben der sorgsam inszenierten (Mode-)Fotografie.

Da ist Lillian Bassmanns Collage einer Dior-Robe, gleichfalls mit einer Diagonale, die das komplette Bild durchläuft. Helmut Newtons fast beiläufige Präsentation eines Zweiteilers von Yves Saint Laurent. Oder auch Robert Mapplethorpes Porträt der Lucy Ferry, die darauf wie abwesend aus dem Bild blickt, das Kinn und die Wange auf ihre üppig beringten Arme gestützt. Eleganz gleich Mode? In dieser Ausstellung lassen sich auch ziemlich unelegante Mode-Irrwege studieren, etwa ein tischgroßer Hut von Dior oder ein pelzbesetzter Überzieher mit Burka-Qualitäten von Cardin. „Eleganz ist angeboren“, hat die einstige „Vogue“-Chefin Diana Vreeland einmal gesagt. „Sie hat nichts damit zu tun, gut angezogen zu sein. Eleganz ist Zurückweisung.“

Zurückweisung? Vielleicht einfach nur Souveränität. Und vor allem Haltung. Jedenfalls scheinen die  Figuren, denen man auf den ersten Blick Eleganz zusprechen würde, sich nicht dem Betrachter zu beugen, scheinen eigenen Intentionen, einer eigenen Harmonie zu folgen.

Die ist auch bei Detailfotografien spürbar, die etwa die Linien von Hals und Schulter aufnehmen, die Rüschenwolken in grober Körnung oder die verwischten Drehungen eines Cancans zeigen. Oder auch bei einer Reihe schwarzer und  weißer Hände auf der Fotografie „Hands, Hands ...“ von Horst P. Horst, die im noch rassengetrennten New York des Jahres 1941 zweifellos eine Provokation war. 

Provozierend werfen mehrere Fotografien auch die Frage nach dem voyeuristischen Blick auf die Eleganz auf. Etwa Elliott Erwitts Porträt von Grace Kelly aus dem Jahr 1966, aufgenommen zwischen den Köpfen zweier sie begaffender Männer. Oder ein Bild von Noé Sendas, der gleichsam nur ein Kleid auf einer Treppe posieren lässt – denn der Rumpf der Kleiderträgerin fehlt, ist sozusagen durchsichtig wie ein Kristall, weshalb der in Berlin lebende Künstler seine Collage von 2010 wohl auch „Crystal Girl No. 88“ genannt hat. Die Aussage ist klar: Mode kann menschliche Eleganz zum Ausdruck bringen, aber wenn es um nichts als Mode geht, bleibt statt Eleganz nur (un-)menschliche Leere.

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